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Signa - Weitere deutsche Signa-Töchter insolvent

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Immo-Gruppe kämpft mit Milliardenschulden
©APA/APA/THEMENBILD/EVA MANHART
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Beim Immobilien- und Handelskonzern Signa des Tiroler Investors René Benko haben drei weitere deutsche Tochterfirmen Insolvenz beantragt. Die Signa Financial Services GmbH mit Sitz in Frankfurt/Main, die Signa REM Germany Rent GmbH sowie die SCAx GmbH (beide München) reichten heute beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg entsprechende Anträge ein, geht aus Bekanntmachungen des Gerichts hervor. Während sich Milliardenschulden türmen, gehen die Immo-Bewertungen in den Keller.

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Schmelzende Immobilienwerte und Milliardenschulden prägen das Bild. Die Insolvenz der Signa Holding könnte die Profitabilität und die Kreditqualität einiger Banken in Deutschland, Österreich und der Schweiz laut Ratingagentur Moody's belasten, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters eine Analyse. Insidern zufolge erreicht das Exposure allein hierzulande 2,2 Mrd. Euro. Der Wert der Beteiligungen habe sich indes laut "Der Standard" von 5,28 auf 2,5 Mrd. Euro halbiert.

Die "undurchsichtige und komplizierte Struktur" behindere die Analyse der Insolvenzfolgen, hielt Moody's weiters fest. Das Gros der Milliardenkredite dürfte besichert sein, so die US-Ratingagentur. Dies könne die Auswirkungen mildern. Immobilien-Pakete als Sicherheiten könnten aber etwa angesichts gestiegener Zinsen und wenigen Transaktionen am Markt Risiken bergen, heißt es in der Analyse weiters, die Moody's heute, Mittwoch, veröffentlichte. Immobilien werden gemäß den Bilanzierungsregeln (IFRS) jährlich einer Marktbewertung unterzogen.

Von einer massiven Abwertung der Beteiligungen der insolventen Signa Holding berichtet die Zeitung "Der Standard" (Mittwochsausgabe). Per Ende September 2023 hätten diese laut Insolvenzantrag nur noch 2,5 Mrd. Euro ausgemacht, im sofortigen Liquidationsfall als Worst-Case-Szenario wären es sogar nur noch zehn Prozent dieses Werts. In der Bilanz 2022 hatte die Dachgesellschaft ihr Vermögen noch mit 5,28 Mrd. Euro bewertet, also mit mehr als dem Doppelten vom Antrag.

Als Beispiel für eine dahingeschmolzene Immobilienbewertung zieht die Zeitung das Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe) heran. Heuer im Frühjahr habe die Signa einen Hälfteanteil laut "Financial Times" um 300 Mio. Euro verkauft, in Unterlagen für ihre Gläubigerbanken habe Signa die Gesamtimmobilien allerdings mit 1,5 Mrd. Euro bewertet, den Hälfteanteil folglich mit 750 Mio. Euro, also wiederum mit mehr als dem Doppelten.

Laut Finanzplan, der dem Insolvenzgericht vorgelegt wurde, wurde die Signa Prime laut "Der Standard" um 90 Prozent auf 153 Mio. Euro abgewertet, die Signa Development von 240 Millionen auf 24 Millionen und die Retail-Sparte von 127 Millionen auf null. Der Großteil der 43 Beschäftigten der Signa Holding soll gekündigt werden. Betroffen sind laut Insolvenzverwalter "alle nicht erforderlichen Bereiche", wie etwa Jagden, Flüge und sonstiges Eventmanagement. Der geschätzte Liquidationswert der Holding betrage lediglich 314 Mio. Euro, die Schulden hingegen 5 Mrd. Euro.

Die Signa Holding GmbH selbst hält keine Kaufhäuser und Luxusimmobilien, sondern ist an 53 Gesellschaften direkt beteiligt und an einigen hundert Gesellschaften über zwischengeschaltete Gesellschaften indirekt, denen die Immobilien gehören. Die größten Gesellschaften sind die Signa Prime Selection, die Signa Develompent und die Signa Retail GmbH.

Die Signa Holding GmbH hatte am 29. November in Wien einen Insolvenzantrag eingereicht. Rund 120 Banken sollen Insidern zufolge dem Tiroler Firmengründer René Benko Geld geliehen haben. Zu den größten Kreditgebern der Immobiliengruppe gehören die Schweizer Bank Julius Bär, die einem Insider zufolge ein Exposure von mehr als 600 Mio. Franken (635 Mio. Euro) bei Signa hat, und die Wiener Raiffeisen Bank International (RBI). Aber auch deutsche Landesbanken wie die Helaba und die BayernLB stünden jeweils mit dreistelligen Millionensummen im Feuer, hatten Insider gesagt.

Insgesamt hat die Signa-Gruppe Milliardenschulden bei den Kreditinstituten offen - alleine in Österreich sind es Branchenkennern zufolge 2,2 Mrd. Milliarden, der größte Teil davon im Raiffeisen-Sektor und bei der Unicredit-Tochter Bank Austria. Das Signa-Engagement der Raiffeisen Bank International (RBI) soll bei rund 750 Mio. Euro liegen, wie die Tageszeitung "Der Standard" kürzlich berichtete. Bei der jüngsten außerordentlichen Hauptversammlung hatte die RBI ihr größtes Engagement im Immobilienbereich mit 755 Mio. Euro beziffert. Daneben dürften auch die Raiffeisen-Landesbank Niederösterreich Wien (RLB NÖ-Wien) mit 280 Mio. Euro und die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (RLB OÖ) mit 150 Mio. Euro bei der Signa exponiert sein.

Für die Bank Austria gab der "Standard" ein Signa-Exposure von insgesamt 600 Mio. Euro an, für die Erste Group dürften es 40 bis 50 Mio. Euro sein. Auch die Hypo Vorarlberg, die mehrheitlich im Eigentum des Landes Vorarlberg steht, dürfte mit 200 Mio. Euro ein größeres Volumen bei Signa ausständig haben. In Finanzkreisen wurden die kolportierten Zahlen gegenüber der APA als plausibel eingestuft.

Im Finanzsektor wurde bezüglich der Signa zuletzt beruhigt. Der Vize-Gouverneur der Nationalbank (OeNB), Gottfried Haber, sagte, dass auch mögliche Insolvenzen innerhalb der Signa-Gruppe "keinen signifikanten Einfluss auf die Finanzmarktstabilität oder auf einzelne Institute" hätten. Auch OeNB-Gouverneur Robert Holzmann sagte unlängst, er halte das Exposure der österreichischen Banken bei der kriselnden Signa-Gruppe für "verdaubar".

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