Trend Logo

Signa war bereits Ende 2022 knapp bei Kasse

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
6 min
Bei der Signa standen Dividendenstundungen im Raum
©APA/APA/ROLAND SCHLAGER/ROLAND SCHLAGER
  1. home
  2. Aktuell
  3. Nachrichtenfeed
Die Immobiliengruppe Signa ist offenbar schon ein Jahr vor der Insolvenz knapp bei Kasse gewesen. Ende des Jahres 2022 habe sich der Vorstand der Signa Prime sowie der Signa Development AG um die Stundung von Dividendenzahlungen an die Investoren bemüht, berichtet das Nachrichtenmagazin "News" in seiner aktuellen Ausgabe. Der Milliardär Klaus-Michael Kühne und die deutsche RAG-Stiftung hätten dies abgelehnt und - ebenso wie die Signa-Führungsriege - noch Millionen kassiert.

von

Die Immobiliengruppe Signa ist offenbar schon ein Jahr vor der Insolvenz knapp bei Kasse gewesen. Ende des Jahres 2022 habe sich der Vorstand der Signa Prime sowie der Signa Development AG um die Stundung von Dividendenzahlungen an die Investoren bemüht, berichtet das Nachrichtenmagazin "News" in seiner aktuellen Ausgabe. Der Milliardär Klaus-Michael Kühne und die deutsche RAG-Stiftung hätten dies abgelehnt und - ebenso wie die Signa-Führungsriege - noch Millionen kassiert.

Konkret habe die RAG-Stiftung, die viele Millionen für den im deutschen Ruhrgebiet abgewickelten Steinkohlebergbau verwaltet, am 4. Jänner 2023 noch 11 Mio. Euro Dividende für ihren 5-Prozent-Anteil an der Signa Prime Selection AG bekommen. Für ihre rund 3,8-Prozent-Beteiligung an der Signa Development soll es wenige Tage davor 4,3 Mio. Euro gegeben haben. Die deutsche Kühne Holding, die ihr umfassendes Signa-Investment wenige Monate davor erst verdoppelt hatte, erhielt von der Prime laut "News" 16,5 Mio. Euro Gewinnausschüttung.

Der vierköpfige Vorstand der Signa Prime habe sich für das Katastrophenjahr 2022 noch Gesamtbezüge von rund 20 Mio. Euro gegönnt. Davon entfielen dem Magazinbericht zufolge 6,5 Mio. Euro auf variable Bezüge und 12,6 Mio. Euro auf "Teilprämien für laufende Projekte". Im Jahr davor hatten sich die Zahlungen der Spitzenmanager auf nur 2,7 Mio. Euro, also deutlich weniger, belaufen.

Der 86-jährige Transportlogistiker und Hamburger Milliardär Kühne, der mit einem Privatvermögen von kolportierten 40 Mrd. Euro zu den reichsten Deutschen zählt, ist Mehrheitseigentümer von Kühne+Nagel, maßgeblich an der deutschen AUA-Mutter Lufthansa und am Transportlogistikunternehmen Hapag-Lloyd beteiligt. Über seine Kühne Holding AG mit Sitz in Schindellegi hält er auch 10 Prozent an der Signa Prime Selection AG, die Ende Dezember 2023 in die Pleite geschickt wurde.

"News" liegen laut Eigenangaben vertrauliche interne Signa-Berechnungen aus dem Sommer 2023 vor, aus denen nicht nur hervorgeht, wie viel sich die Kapitalgeber bis vor nicht allzu langer Zeit an Dividenden ausschütten ließen, sondern auch, wie viel die einzelnen Aktienpakete gekostet haben.

So kaufte die Kühne Holding AG Ende demnach beispielsweise Dezember 2019 rund 3,2 Millionen Aktien der Signa Prime Selection AG zum Preis von 70 Euro pro Stück - das waren in Summe 224 Mio. Euro. Weitere Aktienkäufe seien im Mai sowie im Juli 2022 gefolgt. Kühne kaufte je 1,596 Millionen Stück zu 88 Euro pro Aktie. Das machte jeweils gut 140,45 Mio. Euro, also in Summe knapp 281 Mio. Euro aus. Damit sei Kühne über seine Holding bei Benkos Signa Prime unter dem Strich mit mehr als einer halben Milliarde investiert. Im Sommer 2023 hatte Kühne seine Beteiligung an der auf Luxusimmobilien spezialisierten Prime von 7,5 auf 10 Prozent aufgestockt.

Brisanz besitze der Umstand, dass die Kühne Holding als einzige Gesellschaft neben der deutschen RAG-Stiftung Ende des Jahres 2022 aus ihrem Investment mit Dividenden für das Geschäftsjahr 2021 bedient worden sei, schreibt "News". Sämtliche anderen Investoren seien in der Weihnachtszeit des Jahres 2022 offenbar vertröstet worden. Als Begründung habe Benkos Vorständen das öffentlichkeitswirksame zweite Insolvenzverfahren rund um die deutsche Warenhandelskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) gedient.

Wie knapp die Signa-Gruppe schon damals bei Kasse war, offenbare eine geheime E-Mail des - im Dezember 2023 kurzfristig gefeuerten - Signa-Prime-und Signa-Development-Vorstands Timo Herzberg. Der CEO beider Gesellschaften wandte sich laut "News" am 23. Dezember 2022, am Tag vor Weihnachten, an den Finanzvorstand der RAG-Stiftung und bat um "Unterzeichnung und Rücksendung" der angehängten Stundungsvereinbarungen: "Ich bitte Euch für den Fall, dass nicht alle Aktionäre der Verschiebung der Auszahlung zustimmen, um Eure Unterstützung!" Mehr noch: Vorstandschef sei sogar noch einen Schritt weiter gegangen und habe versichert, "dass es keine Auszahlungen von Boni an mich oder andere Vorstände bis zum 15.05.2023 geben wird und auch das Management damit seinen Beitrag leistet, um etwaige Negativfolgen für uns durch ein wohlmöglich scheiterndes Insolvenzverfahren bei Galeria abzuwenden".

Nach einer Videokonferenz mit der RAG-Stiftung schrieb Signa-Gründer René Benko "laut News" am 30. Dezember 2022, an den Signa-Finanzchef Manuel Pirolt: "RAG möchte die Dividenden gemäß Hauptversammlungsbeschluss regulär ausbezahlt haben und nicht (!) stunden. Bitte veranlassen. Rene."

Über die Autoren

Logo
Abo ab €16,81 pro Monat
Ähnliche Artikel
Benko im Visier der WKStA
Nachrichtenfeed
Nun ist auch Benko persönlich im Visier der WKStA
Bei der RBI-Tochter in Moskau wird neues Personal gesucht
Nachrichtenfeed
RBI sucht in Russland offenbar Dutzende Mitarbeiter
Der Bonus ist nur für privaten Wohnraum vorgesehen.
Nachrichtenfeed
Handwerkerbonus kann nur online beantragt werden
B&C-Gruppe will Mehrheit an Lenzing, AMAG, Semperit abgeben
Unternehmen
B&C-Gruppe will Mehrheit an Lenzing, AMAG, Semperit abgeben
Nur Gewerkschaftsmitglieder dürfen über AUA-Offert abstimmen
Nachrichtenfeed
AUA-KV - Abstimmung über Angebot läuft noch bis Mitternacht
Baubewilligungen stark rückläufig
Nachrichtenfeed
Deutlich weniger neue Wohnungen in Planung
Bereinigtes Betriebsergebnis von minus 122 Mio. Euro im 1. Quartal
Nachrichtenfeed
KV-Streit belastete AUA im ersten Quartal massiv
Chefs und Chefinnen positiv zu Männerkarenz
Nachrichtenfeed
Führungskräfte wollen Männer bei Karenzwunsch unterstützen
Hotellerie sucht Mitarbeitende
Nachrichtenfeed
Personalmangel macht Hoteliers Probleme
Der Bitcoin befand sich zuletzt im Aufwind
Nachrichtenfeed
Bitcoin-"Halving" - Kryptobranche vor wichtigem Event
Prämie von jeweils 10.000 Euro für 14 Gaststätten
Nachrichtenfeed
NÖ Wirtshaus-Paket: Betreiber wollen Lokale modernisieren
Das berühmte Kaufhaus in Berlin soll den Besitzer gewechselt haben
Unternehmen
Thailändische Central Group übernimmt KaDeWe von Signa