Schweizer Franken bleibt an der Leine der SNB

Die Schweizer Währungshüter sehen nach wie vor Deflationsgefahren für die Wirtschaft, selbst wenn es Anzeichen für eine Stabilisierung des Wachstums gibt.

Die vom Interim-Chef Thomas Jordan geführte SNB hat den Mindestkurs des Franken unverändert bei 1,20 Franken je Euro belassen, wie alle 14 befragten Ökonomen in einer Bloomberg- Umfrage prognostiziert hatten. Die SNB in Zürich teilte zudem am Donnerstag in einer per E-Mail verbreiteten Erklärung mit, dass der Leitzins weiterhin bei Null liege.

Etwas Spielraum, den Mindestkurs unverändert zu belassen, erhielt Jordan durch eine gewisse Stärkung der Konjunktur. Im vierten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt der Schweiz überraschend gestiegen und im März hat sich das Vertrauen der Investoren verbessert. Die Wirtschaft könnte 2012 stärker wachsen als die bisher prognostizierten 0,5 Prozent, sagte Gerold Bührer, Präsident des Wirtschaftsverbands Economiesuisse in einem Interview am 12. März.

“Angesichts der zunehmenden Anzeichen einer bevorstehenden Stabilisierung der Wirtschaft und nur temporär importierter Deflation sind keine weiteren geldpolitischen Maßnahmen nötig”, erklärte Alexander Koch, Ökonom bei UniCredit in München. “Ich gehe davon aus, dass die Wirtschaft sich allmählich erholt.”

Heuer Deflation in der Schweiz

Die SNB rechnet damit, dass die Verbraucherpreise in diesem Jahr um 0,6 Prozent fallen, die Inflation 2013 mit einer Rate von 0,3 Prozent zurückkehrt und sich 2014 auf 0,6 Prozent beschleunigt. Im Dezember hatte sie einen Rückgang der Preise von 0,3 Prozent für 2012 und einen Anstieg von 0,4 Prozent im nächsten Jahr prognostiziert. Für 2012 erwarten die Währungshüter ein moderates Wirtschaftswachstum von etwa 1 Prozent.

In den 12 Monaten vor Einführung des Mindestkurses am 6. September hatte die eidgenössische Devise bis zu 37 Prozent gegenüber dem Euro zugelegt, da die Anleger wegen der Euroraum- Schuldenkrise in den Franken strömten. Seitdem notiert der Franken bei 1,20 bis 1,25 Euro. Jordan und sein Direktoriumskollege Jean-Pierre Danthine haben zugesichert, die Maßnahme gegebenenfalls “mit aller Konsequenz” durchzusetzen”, was sie am Donnerstag erneut bekräftigten.

“Sollte die globale Konjunktur sich schlechter als vorhergesehen entwickeln oder der Franken sich nicht wie erwartet abschwächen, könnten erneut Abwärtsrisiken für die Preisstabilität auftreten”, schrieb die SNB in ihrer Erklärung. “Falls die Wirtschaftsaussichten und Deflationsgefahren es erfordern, steht die Nationalbank bereit, jederzeit weitere Maßnahmen zu ergreifen.”

Peter Rosenstreich, Chef-Devisenstratege bei Swissquote Bank in Genf, rechnet nicht damit, dass die SNB den Mindestkurs in naher Zukunft anheben wird. “Sie wartet ab und beobachtet die Lage”, sagte er. “Niemand da draußen sagt, wir sollten die Marke testen. Sie hat den Markt überzeugt, dass diese glaubwürdig ist.”

Bloomberg/hahn

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