S&P kritisiert Europas Politik im Umgang mit Krise

Hauptgrund für die Herabstufung des Ratings Österreichs und acht anderer Euroländer durch die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) ist nach Angaben von S&P-Europa-Chefanalyst Moritz Kraemer die mangelhafte Art und Weise gewesen, wie die europäische Politik mit der Krise umgeht.

Für Österreich hätten die Risiken eines tieferen Abschwungs zugenommen, so Kraemer am Montag im Ö1-"Mittagsjournal".

Österreich stehe "verwundbarer" da, weil seine öffentlichen Finanzen schwächer seien und weil sich höhere Risiken durch Eventualverbindlichkeiten der Banken ergeben könnten. Da der Wirtschaftsraum stark verwoben sei, müssten die heimischen Wirtschaftsmaßnahmen in Verbindung mit den europaweiten gesehen werden, sagte Kraemer: "Es ist wichtig, dass Österreich mitarbeitet an einer europäischen Schuldenlösung, die über den Tag hinausgeht."

Kraemer: 'Schwierige politische Situation in Österreich'

Österreich-spezifisch sei zudem die "relativ schwierige politische Situation" beim Bemühen, die Schuldenbremse im Verfassungsrang zu verankern, so der Europa-Vertreter von S&P.

Bei der Krise handle es sich gar nicht primär um eine Budgetkrise, sondern eine Krise, die dadurch ausgelöst worden sei, weil sich die Wettbewerbsfähigkeit in der Eurozone diametral auseinander bewegt habe. Das lasse sich durch Schuldenbremsen nicht eindämmen.

'Ratings in der Eurozone sind sehr hoch'

Im Schnitt seien die S&P-Ratings in der Eurozone aber weiterhin sehr hoch und würden eine hohe Solidität und Kreditwürdigkeit der Eurozone dokumentieren, so Kraemer. Es stehe aber außer Frage, dass sich die Risiken in den letzten ein, zwei Jahren erhöht hätten.

"Verschiedene Analysten können verschiedene Beobachtungen machen", kommentierte Kraemer das Faktum, dass Moody's und Fitch ihre AAA-Ratings etwa für Österreich beibehalten haben.

Karte: S&P-Ratings mit Ausblick

- APA, Red

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