Rohstoffmärkte stehen vor einer Korrektur

Da vorerst keine neuen Liquiditätsspritzen zu erwarten sind, werden sich die Preise nun bald wieder aus diesem Sog lösen und sich in unterschiedliche Richtungen bewegen. Das zumindest erwartet Fondsmanager Pau Morilla-Giner von London & Capital. "Es wird wichtiger, zu differenzieren."

Nach einer monatelangen Talfahrt haben sich die Rohstoff-Märkte seit der ersten, knapp 500 Milliarden Euro schweren Liquiditätsspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) Mitte Dezember deutlich erholt. Der Reuters/Jeffries-Index legte in diesem Zeitraum knapp zehn und der Industriemetall-Index sogar gut 15 Prozent zu. Realwirtschaftlich gab es keinen Grund dafür. "Ironischerweise waren die Fundamentaldaten der Industriemetalle im Jänner und über lange Strecken im Februar nicht allzu gut", betont RBS-Rohstoffstratege Nicos Kavalis.

Noch stärker fielen die Preisaufschläge für Brent-Öl aus: Die Nordsee-Sorte verteuerte sich um knapp 20 Prozent auf aktuell rund 123 Dollar je Barrel (159 Liter). Die jüngste Brent-Rally könne hauptsächlich mit der Liquiditätszufuhr der Zentralbanken erklärt werden, schreibt Finanzmarkt-Stratege Francisco Blanch von Bank of America/Merrill Lynch. Dennoch ist hier nach seiner Einschätzung vorerst keine Entspannung in Sicht: "Die wachsenden Spannungen im Nahen Osten könnten den Preis leicht weitere 20 bis 40 Dollar in die Höhe treiben."

Fixiert auf Überliquidität

Wie stark Investoren auf die überreiche Liquidität fixiert sind, ließ sich in der vergangenen Woche beobachten: Der Goldpreis reagierte zunächst mit Kursgewinnen auf die zweite, ebenfalls rund 500 Milliarden Euro schwere EZB-Geldspritze. Als aber wenige Stunden später US-Notenbankchef Ben Bernanke Spekulationen auf eine weitere Lockerung der US-Geldpolitik den Wind aus den Segeln nahm, brach der um knapp 100 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) ein.

"Kurzfristig hätten die Märkte gern mehr Stimuli", betont London & Capital-Experte Morilla-Giner, der den 320 Millionen Dollar schweren Global Commodities Fonds leitet. "Aber wir wissen alle, dass dies keine gesunde Art ist, den Patienten zu behandeln. Wenn wir keine weiteren Stimuli erhalten und die Konjunkturdaten zwar in Ordnung, aber nicht großartig sind, wird uns die Volatilität erhalten bleiben. Das Potenzial für Enttäuschungen wird immer groß sein."

Anzeichen einer schwindenden Nachfrage aus Fernost werden nach Einschätzung von Nic Brown, Chef-Rohstoffanalyst der Investment-Bank Natixis, vor allem bei Industriemetallen Kursrückschläge auslösen. "Der Jahresauftakt in China ist erstaunlich schwach. In den kommenden Wochen könnten uns noch einige überraschend schwache China-Daten bevorstehen." Das Schwellenland ist der weltgrößte Kupfer -Verbraucher.

Ölpreis als Risikofaktor

Ein weiterer Risiko-Faktor ist der Ölpreis. Sollte sich Brent auf mehr als 125 Dollar verteuern, wäre dies ein deutlicher Dämpfer für die Weltwirtschaft, sagt Brown. In diesem Fall müsse mit größeren Verkäufen bei riskanten Anlagen wie Aktien gerechnet werden.

Gold sagen Börsianer dagegen eine glänzende Zukunft voraus. Angesichts der wegen der Geld-Schwemme gestiegenen Inflationsrisiken und einer drohenden Eskalation des Atom-Streits mit dem Iran bleibe das Edelmetall als "sicherer Hafen" gefragt.

Jetzt schwappt aber erst einmal die jüngste Liquiditätswelle der EZB in die Rohstoff-Märkte hinein. "Da wurde eine sehr große Menge Geld ins System gepumpt, das irgendwo hin muss", sagt Natixis-Analyst Brown.

Reuters/hahn

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