RHI: Franz Struzl feuert die Rendite an

Trotz stagnierender Umsätze will er die operative Marge des Unternehmens, das Stahl- und Zementhersteller mit Schmelzwannen und Gießpfannen beliefert, 2012 weiter steigern.

Gelingen soll das mit der Übernahme weiterer Rohstofflieferanten, um die Abhängigkeit von den stark steigenden Magnesium- und Graphitpreisen zu verringern, sagte Struzl am Dienstag. Schnelle Ergebniszuwächse erhofft er sich von einem neuen Sparprogramm, das er dem Aufsichtsrat Ende März präsentieren will. Über Kostensenkungen in der Verwaltung will er pro Jahr 20 Millionen Euro sparen und schließt dafür auch einen Personalabbau nicht aus.

Mittelfristig fasst der Manager bei einem Umsatz von über zwei Milliarden Euro zweistellige operative Renditen ins Auge. Diesem Ziel ist er allerdings 2011 nicht näher gekommen: Im vergangenen Jahr lag die Kennzahl bei 8,5 Prozent und damit etwas unter dem Niveau von 2010. Grund dafür waren auch die steigenden Rohstoffkosten, die RHI nicht vollständig an die Kunden weitergeben konnte. Hauptkunden sind die großen Stahlerzeuger, die die schlechtere Wirtschaftsentwicklung zu spüren bekommen.

Zukauf von Magnesiumproduzenten

RHI benötigt zur Herstellung seiner feuerfesten Steine und Mörtel unter anderem Magnesium und Dolomit. Daher hatte die Firma vergangenes Jahr zwei Magnesiumproduzenten gekauft und die Kapazitäten in einem türkischen Rohstoffwerk ausgebaut. Um künftig 80 Prozent der benötigten Rohstoffe aus eigenen Quellen zu decken, will Struzl weiter zukaufen: "Wir überlegen derzeit weltweit Investitionen in Minen", sagte er. Denn derzeit könne RHI nur 50 bis 60 Prozent seines Magnesium-Bedarfs selbst decken.

Struzl führt RHI erst seit vergangenem Herbst - und ist damit der dritte Manager innerhalb von drei Jahren an der Spitze des Konzerns. Der 69-jährige ist in der Branche allerdings kein Unbekannter - er leitete jahrelang den österreichischen Stahlkonzern voestalpine.

Neue Werke

Weitere Sparmöglichkeiten erhofft sich Struzl auch vom Aufbau einer eigenen Produktion in Brasilien, Nordamerika und Russland. Derzeit beliefere RHI die Wachstumsmärkte aus Europa - sei aber wegen hoher Importzölle und Logistikkosten oft nicht konkurrenzfähig. Während das Unternehmen in Brasilien bereits ein Werk baut und sich für einen eigenen Produktionsstandort in Nordamerika entschieden habe, stehe ein ähnlicher Schritt in Russland noch nicht fest. "Wir machen im Moment eine Marktuntersuchung. Im Moment ist das eher in der Gedankenphase. Wir reden mit möglichen Partnern - wir würden das nicht alleine machen", sagte Struzl. Eine Vorentscheidung für ein eigenes russisches Werk werde noch 2012 fallen.

Durch den Ausbau in den Wachstumsmärkten werde die Produktion in Europa tendenziell sinken. Derzeit sei zwar keiner der rund 20 bestehenden europäischen Standorte in Gefahr - in den kommenden drei bis fünf Jahren könne sich das bei ein oder zwei Werken jedoch ändern - zumal Struzl in Europa nicht mit großen Wachstumsraten rechnet.

An der Börse kamen die Pläne des neuen Firmenlenkers gut an: Die RHI-Aktie konnte am Dienstag kräftig zulegen und war damit der größte Gewinner im ATX.

Im vergangenen Jahr steigerte RHI den Betriebsgewinn (EBIT) um knapp 20 Prozent auf 151 Millionen Euro, während der Umsatz um knapp 16 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zulegte. Die Aktionäre sollen daher eine um 25 Cent höhere Dividende von 75 Cent je Anteilsschein erhalten. Das ist deutlich mehr als von Analysten erwartet.

Reuters/hahn

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