Rebellen starteten Offensive auf Gaddafi-Residenz

Die libyschen Rebellen haben am Dienstag einen massiven Angriff auf die Residenz von Machthaber Gaddafi in Tripolis gestartet. Rings um das Gelände im Stadtteil Bab al-Azizyah, wo sich Gaddafi verschanzt haben soll, war andauernder und heftiger Gefechtslärm zu hören. In der Nacht zeigte sich völlig überraschend Gaddafis gefangen geglaubter Sohn Saif al-Islam vor Journalisten.

Umjubelt von Anhängern verbreitete er danach lächelnd Durchhalteparolen, schüttelte Hände und machte mit seinen Fingern das Victory-Zeichen. Die Aufständischen hatten die Festnahme von Saif als wichtigen Erfolg vermeldet. Sein Auftritt ließ Zweifel an der Verlässlichkeit der Angaben der Rebellen aufkommen. Von Gaddafi selbst fehlte weiter jede Spur. Saif sagte, die Regierung kontrolliere Tripolis nach wie vor.

Die Stadt wurde von Flugzeugen überflogen. Der arabische Sender Al-Jazeera zeigte Bilder mit dichten Rauchwolken über dem Gaddafi-Stützpunkt. Reporter des Senders berichteten, die Aufständischen kämpften sich langsam in die stark befestigte Anlage vor. Der britische Sender BBC berichtete von Gefechten auch in anderen Stadtteilen. Die NATO, die die Rebellen seit Monaten mit Luftangriffen unterstützen, bestritt, dass ihre Flugzeuge in der Nacht auf Dienstag das Anwesen Gaddafis in Tripolis angegriffen haben.

Nach unbestätigten Informationen der Rebellenführung wurden im Kampf um Tripolis bisher bis zu 2.000 Menschen getötet worden. Genaue Angaben zu den Opfern beider Seiten gebe es aber noch nicht, sagte Shamseddin Abdulmola, ein Sprecher des Übergangsrates in Benghazi. Von unabhängiger Seite gab es für die Opferangaben keine Bestätigung.

Trotz der jüngsten Jubelmeldungen aus der Hauptstadt Tripolis, sei einen Tag später die politische Situation "absolut unüberschaubar", sagte Außenminister Spindelegger in Wien. Nachrichten aus dem Kampfgebiet seien mit großer Vorsicht zu genießen. Trotzdem überlegt der Außenminister bereits die Wiederansiedlung österreichischer Unternehmen in Libyen, um beim Aufbau demokratischer und wirtschaftlicher Strukturen mitzuhelfen. Wie Spindelegger sprach sich auch Bundeskanzler Faymann dafür aus, eine Übergangsregierung wirtschaftlich zu unterstützen. Verteidigungsminister Darabos erteilte einem möglichen Bundesheereinsatz in Libyen eine Absage.

- APA

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