Platter: Die Umnachtung des schwarzen Jägers

Die Jagd war einst eine noble Sache und dem Adel vorbehalten. Man pflegte Hase und Fuchs zu schießen, um danach ausgiebig, im Rahmen mehrstündiger Gelage mit Wein, Weib und Gesang von seinen Heldentaten zu berichten.

Günther Platter gehört dem politischen Hochadel dieser Republik an, er war Innenminister, sein Reich ist jetzt das heilige Land Tirol. Was liegt da näher, als im eigenen Revier auf die Pirsch zu gehen? Nun hat sich aber folgendes zugetragen: Nicht er, der Fürst also der Landeshauptmann lud ein, sondern finstre Lobbyisten und dubiose Geschäftemacher, deren öffentliche Leistungen stets im Dunklen bleiben, baten zur zünftigen Pirsch mit Abschussgarantie. Und Platter, erst seit 2011 im Besitz eines Jagdscheins, nahm sieben (!) jener Einladungen an, schoss allerlei Wild und meinte, da sei doch echt nix dabei.

Die Aufregung im fernen Wien kommentierte er tirolerisch-kernig: Er lasse sich nicht diffamieren und dürfe in seinem schönen Tirol jagen wann immer er wolle. Das sei seine Freizeitgestaltung, die er sich nicht nehmen lasse. Überhaupt beteuert der Ex-Innenminister, dass alles 'sauber' gewesen sein.
Für das Wort sauber gilt die Unschuldsvermutung.

Leistung und Gegenleistung - Geschäft und Gegengeschäft

Kann sein, aber die Chance, dass dies tatsächlich harmlose Jagdausflüge waren, tendiert genau gegen Null. Einladungen in diesem Millieu der politischen Klasse gibt es nicht ohne einen Plan, ohne Hintergedanken. Leistung und Gegenleistung, Geschäft und Gegengeschäft ist das bewährte Prinzip.

Alt, Älter, Altpartei

Die ÖVP ist derzeit überhaupt völlig im Sumpf der Korruption abgetaucht: Strasser ist gegangen worden. Amon, Platter, Hackl, Molterer – sie alle haben in diversen Causen dringenden Erklärungsbedarf. Wieder ein Mal ist die Politik als solche angepatzt. Wer wundert sich noch ernsthaft über hstorisch tiefe Umfragewerte der Altparteien? Zeit jedenfalls für neue politische Kräfte im Lande. Wie man aus gewöhnlich gut informierten Kreisen hört, wird daran bereits allerorts eifrig gebastelt. Von links (nach dem Vorbild 'Die Linke'), von Seiten Stronach ('Wirtschaftspartei'), und schließlich rufen die Erfolge der deutschen Piraten (über 7 % bei der Wahl am vergangenen Sonntag im Saarland) auch in Österreich die gut vernetzten Online-Aktivisten und Wutbürger auf den Plan. Gut so, denn Konkurrenz belebt das Geschäft und die Altparteien sehen dieser Tage – erraten – ganz besonders alt aus.

- Marko Locatin

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