Opel erneut vor tiefen Einschnitten

Opel steht vor der nächsten Schrumpfkur: Wenn die US-Mutter General Motors (GM) an diesem Donnerstag (16.2.) wie erwartet ein Rekordergebnis vorlegt, werden in Rüsselsheim keineswegs die Sektkorken knallen. Im Gegenteil: Die Europa-Tochter Opel steckt nach ihrer umfassenden Sanierung weiter tief in der Verlustzone. In Detroit ist von "Horror-Zahlen" die Rede.

Schon wird spekuliert, GM verliere die Geduld mit der seit Jahren defizitären Tochter und denke über mögliche Werksschließungen etwa in Bochum nach. Entsprechende Medienberichte wurden in Rüsselsheim eher halbherzig dementiert. Dass GM Opel unter strenge Beobachtung nimmt, zeigt sich auch im Aufsichtsrat: In den vergangenen Monaten hat GM insgesamt vier Top-Manager in das Kontrollgremium entsandt.

Optimierung der Kostenstruktur

"Bis jetzt" gebe es keinerlei Entscheidungen, "wonach Werke geschlossen, Stellen abgebaut oder Produktionsvolumen verlagert werden sollen", schrieb Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke an die besorgte Belegschaft. Gleichzeitig stimmte er seine Leute auf neue Einschnitte ein: Es würden "verschiedene Maßnahmen" geprüft, um Opel/Vauxhall langfristig profitabel zu machen: "Dazu gehört insbesondere eine Verbesserung unserer Margen und die Optimierung unserer Kostenstruktur."

Opel produziert zu teuer

Mit anderen Worten: Opel produziert immer noch zu teuer - wenn der Absatz nicht steigt, muss erneut gespart werden. Wie das geschehen könnte, wird noch heftig diskutiert. Der Betriebsrat pocht jedenfalls auf die Einhaltung der bis Ende 2014 geltenden Verträge.

"Verträge schützen uns vor Werksschließungen und betriebsbedingten Kündigungen", schrieb der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief an die Belegschaft. Bochum sei als einziges Werk für die Zafira-Produktion vorgesehen: "Diese Perspektive werden wir uns nicht nehmen lassen. Opel-Bochum zu schließen, wird auch diesmal nicht gelingen."

Fest steht, dass Opel die selbstgesteckten Absatz- und Ergebnisziele verfehlt. Schließlich ist die Marke weitgehend auf den Automarkt Europa begrenzt - und der lahmt. Zwar gibt es trotzdem Marken wie Volkswagen, Hyundai oder Kia, die 2011 in Europa mehr Autos verkauften als 2010 - aber bei Opel war das nach Zahlen des Branchenverbands Acea nicht der Fall: Demnach verkauften Opel und Vauxhall 2011 in Europa (EU und EFTA-Länder) mit knapp einer Million Autos 1,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

Konkurrenz aus dem eigenen Haus

GM hindert die Rüsselsheimer zudem immer noch daran, im großen Stil auf boomende Auslandsmärkte vorzustoßen. Die Amerikaner fürchten, dass Opel dann anderen Konzernmarken Konkurrenz macht.

So ist Opel zwar in China vertreten. Doch 2011 rollten gerade mal 5.000 Wagen von den Höfen der wenigen Händler. Viel mehr dürften es auch 2012 nicht werden, schätzen GM-Offizielle und scheuen sich nicht davor, das Wort von der "Nischenmarke" in den Mund zu nehmen. Zum Vergleich: Insgesamt setzte der US-Autoriese in der Volksrepublik gut 2,5 Millionen Autos ab und damit mehr als in den USA selbst.

Umgekehrt macht die GM-Hausmarke Chevrolet Opel im Stammgebiet Konkurrenz. Unter der Haube steckt in weiten Teilen die gleiche Konzerntechnik, ein Chevrolet kostet aber eine Ecke weniger als ein Opel. Das GM-Management sieht darin kein Problem: Auch andere Autokonzerne kriegten den Spagat hin - namentlich VW mit seinen vielen Marken.

Für die Opelaner dürfte der Verweis auf den erfolgreichen Erzrivalen wenig tröstlich sein. In den ersten neun Monaten 2011 verlor GM in Europa 580 Mio. US-Dollar (440 Mio. Euro). Damit hat sich der Verlust zwar im Vergleich zum Vorjahr halbiert, doch das Management hatte sich mehr versprochen. Auch der ursprünglich angepeilte "solide Gewinn" 2012 scheint unerreichbar.

Dabei hatte sich Opel bereits in der Wirtschaftskrise verschlankt und unter anderem das Werk in Antwerpen geschlossen sowie 8.000 der vormals 48.000 Stellen abgebaut. Opels andauernde Verluste wirken vor diesem Hintergrund besonders tragisch.

-Apa, Red.

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