Wilhelminenberg-Kommission bestätigt Gewalt und sexuellen Missbrauch

Wilhelminenberg-Kommission bestätigt Gewalt und sexuellen Missbrauch

Eine Untersuchungskommission unter dem Vorsitz der Richterin Barbara Helige hat die Missbrauchsvorwürfe im ehemaligen Wiener Kinderheim Wilhelminenberg untersucht. Am Mittwoch legte sie ihren Endbericht vor. Dieser bestätigt, dass Kinder und Jugendliche über Jahrzehnte hinweg physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt waren. Auch massiver sexueller Missbrauch habe stattgefunden. Die damalige Stadtverwaltung wusste von den Zuständen im Heim. Der 344-seitige Bericht wird nun der Staatsanwaltschaft übergeben.

Die Kommission nahm im Herbst 2011 ihre Arbeit auf, als sie von der Stadt den Auftrag bekommen hatte, jene Vorwürfe zu untersuchen, wonach es im ehemaligen Kinderheim Wilhelminenberg von 1948 bis zu seiner Schließung 1977 zu organisierter Vergewaltigung und Kinderprostitution sowie zu anderen Formen von physischer und psychischer Gewalt gekommen sei. Zudem wollte das Gremium die Frage der Verantwortung klären.

"Die Kommission bestätigt den Einsatz massiver physischer und psychischer Gewalt über Jahrzehnte", fasste Helige die Ergebnisse der Recherche zusammen. Das Ausmaß sei dabei weit über das damals noch gebräuchliche Züchtigungsrecht hinaus gegangen und habe auch gegen die Heimverordnung von 1956, in der das Schlagen von Kindern in Heimen verboten war, verstoßen.

Außerdem bestätigte Helige, dass Heimkinder sexuell missbraucht worden sind. Den Erzählungen einiger Zeuginnen über die Jahrzehnte sei gemeinsam, "dass Täter von außen eingedrungen sind oder auch mithilfe von Erzieherinnen Zugang zu Schlafsälen gefunden haben". Keine konkreten Hinweise wurden hingegen gefunden, was die Vorwürfe anbelangt, es hätten Massenvergewaltigungen in den Schlafsälen stattgefunden und es hätte organisierte Kinderprostitution gegeben. Der Verdacht der Tötung eines Kindes in den 1950er-Jahren könne ebenfalls nicht bestätigt werden.

Was die Täter betrifft: Aufgrund der eingeschränkten Datenlage und teils unkonkreten Erinnerungen sei die zweifelsfreie Ermittlung der Identität von Personen, die den Missbrauch begehen hätten können, kaum möglich, so Helige. Nur teilweise sei es gelungen, Personen zu identifizieren. Was den Missbrauch durch heimfremde Personen anbelangt, so sei die eine Nachforschung praktisch unmöglich gewesen. Bei Erzieherinnen, die der Beihilfe beschuldigt werden und die ausgeforscht werden konnten, könnte eine Beitragstäterschaft vorliegen, stellte die Vorsitzende in den Raum. Hier sei die Strafverfolgungsbehörde aufgerufen, Untersuchungen anzustellen.

Helige stellte auch klar, dass die damalige Stadtverwaltung von den Vorkommnissen gewusst hatte. Ab Mitte der 1960er-Jahre sei dies deutlich dokumentiert. Es habe massive Beschwerden gegeben, von Eltern, Jugendämtern und auch Erziehern: "Und es ist nichts passiert." Das Ausmaß sei vonseiten der Direktion in Abrede gestellt worden: "Obwohl man darüber hinaus das dann schon gewusst hat, wurde die Heimleiterin auch in den 1970er-Jahren nicht zur Verantwortung gezogen."

Im Zuge der Recherche nahm die vierköpfige Kommission u.a. in Akten der MA 11 (Jugendamt) und MA 2 (Personal) Einsicht und führte 217 Interviews - davon 140 mit damaligen Heimkindern und 28 mit Erziehern. Diese Gespräche waren die wichtigste Basis, denn: Nach der Schließung des Heimes 1977 wurden alle Akten vernichtet, was eigentlich nicht den damaligen Vorschriften entsprach. Wer den Auftrag dazu gab, konnte nicht herausgefunden werden.

Der Endbericht soll nun der Staatsanwaltschaft und den Ermittlungsbehörden übergeben werden. Die Justiz müsse dann klären, inwieweit die Täter noch strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Es gibt eine Liste mit Personen, gegen die Vorwürfe erhoben wurden. Auf dieser finden sich laut Helige 20 bis 30 Namen. Die Kommission forderte außerdem die Stadt zu einer Entschuldigung bei den Betroffenen auf. Der anonymisierte Endbericht wurde online auf http://www.kommission-wilhelminenberg.at veröffentlicht.

Der bei der Präsentation anwesende Jugendstadtrat Christian Oxonitsch (S) betonte: "Wir haben immer gesagt, als Stadt Wien übernehmen wir die Verantwortung." Er verwies auch auf die bereits erfolgte Entschuldigung von Bürgermeister Michael Häupl (S). Das ehemalige Kinderheim am Wilhelminenberg sei ein besonderes Beispiel, aber kein Einzelfall gewesen: "Der Wilhelminenberg war hier Pars pro Toto."

Die Wiener Oppositionsparteien sahen sich unterdessen in ihrem Vorwurf bestätigt, dass die grausamen Vorfälle im Kinderheim durch die Verantwortlichen vertuscht worden sind. "Wir konnten erst gar nicht glauben, dass diese schwersten Verbrechen der Nachkriegszeit von oben gedeckt wurden", sagte FPÖ-Bundes- und Landesparteiobmann Heinz-Christian Strache. Die Tatsache, dass heute die Namen der damals politisch Verantwortlichen nicht genannt worden seien - es betreffe die Amtszeiten der SPÖ-Stadträtinnen Maria Jacobi und Gertrude Fröhlich-Sandner -, zeige, dass sich die Sozialdemokraten offenbar mit ihrer Vergangenheitsbewältigung immer noch schwertäten, so ÖVP-Landesparteiobmann Manfred Juraczka.

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