Weshalb das Handwerk keinen goldenen Boden mehr hat

Weshalb das Handwerk keinen goldenen Boden mehr hat

Gewerbe und Handwerk haben heuer ihre Talfahrt fortgesetzt, nun gibt es Forderungen an die Regierung. So soll die Lehre attraktiver werden, es gibt aber auch heikle Wünsche der Arbeitgeber bezüglich einer "Anpassung" des Arbeitsrechts.

Bis die Bundesregierung, die am 29. September gewählt wird, tatsächlich in Amt und Würden ist, dauert es zwar noch. Für Forderungen an diese kommende Regierung ist es aber offenbar nie zu früh, wie fünf solche der Bundessparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Österreich, aufgestellt am heutigen Dienstag wohl auch im Lichte schwacher Branchen-Konjunkturdaten, zeigen. Trotz der seit dem Jahreswechsel fortgesetzten Talfahrt der Branche die Beschäftigung aber stabil bleiben.

Die neusten Zahlen erhoben hat die KMU Forschung Austria. Demnach sanken etwa die Aufträge bzw. Umsätze im ersten Quartal im Vorjahresvergleich wertmäßig um 3 Prozent. Dies ist wohl Mitgrund dafür, dass als ein Punkt auch weiter die Einführung eines "Handwerkerbonusses" gefordert wird.

Talfahrt geht weiter

Walter Bornett, Chef der KMU Forschung, sprach von einer "Fortsetzung der Talfahrt anstatt einer Erholung zum Jahresstart". Eine gute Geschäftslage im zweiten Quartal sahen nur noch 19 Prozent der Gewerbe- und Handwerksbetriebe. Ein Jahr zuvor waren es 27 Prozent gewesen. Fast umgekehrt bei den Unternehmen, die eine schlechte Geschäftslage sehen: Derzeit sind das nur 18 Prozent nach 26 Prozent vor einem Jahr.

Eine konjunkturelle Belebung mit Fokus Bauwirtschaft habe "ein hohes Maß an Sinnhaftigkeit und Berechtigung", so Bornett. "Zwar sind große Infrastruktur-Vorhaben wichtig, aber die KMU am Bau und dessen Nebengewerben sind die größere Konjunkturlokomotive".

Die Erwartungen für das dritte Quartal sind laut dem Fachmann "knapp optimistisch, aber im Vorjahresvergleich etwas gedämpft". 83 Prozent der Firmen sehen demnach eine stabile Geschäftsentwicklung für die kommenden drei Monate. "Erfreulich ist das positive Saldo der Erhebung von 3,3 Prozent bei der Beschäftigung im dritten Quartal. Summa summarum bedeutet das eine stabile Entwicklung am Arbeitsmarkt."

Bonus soll helfen

Der Handwerkerbonus sehe eine steuerliche Begünstigung von Renovierungs- und Erhaltungsarbeiten in privaten Haushalten vor. Die steuerliche Absetzbarkeit der in Rechnung gestellten Kosten soll eingeführt werden. Und zwar in Höhe der Mehrwertsteuer von 20 Prozent, meinte Spartenobmann, ÖVP-Abgeordneter zum Nationalrat, Konrad Steindl.

Zweiter Punkt im Forderungskatalog ist die "Förderung der regionalen Beschaffung". Es geht darum, regionalen Firmen "die Chance zu geben, zu regionalen Aufträgen im Unterschwellenbereich zu kommen" - sprich, es wird mehr Spielraum in der freien Auftragsvergabe gefordert.

Auch die Verwaltungsreform - in Österreich schon ein des längeren unerreichtes Ziel der Politik - solle erfolgen, geht es nach der Gewerbe und Handwerkssparte. Die Branche stöhne unter Verwaltungskosten "und wir erwarten eine Entlastung der KMU", richtete Steindl der künftigen Bundesregierung aus.

Ein weiterer Punkt im Forderungskatalog - "Arbeitsrecht anpassen" - könnte die Arbeitnehmer treffen: Um Unternehmen vor "Krankenstandmissbrauch" zu schützen, sollen die Arbeitnehmer "fair" an den Krankenstands- und Umfallkosten beteiligt werden, "gerade bei Freizeitunfällen", wie Steindl erklärte. Vor allem kleinen Firmen würden oft "enorme Kosten entstehen". Er konnte sich auf Nachfrage auch vorstellen, dass "die öffentliche Hand" anstatt der Arbeitnehmer bei einer "fairen Kostenverteilung einspringen" könnte. Ziel sei es jedenfalls "die Entgeltfortzahlungen für Unternehmen nach Freizeitunfällen von Mitarbeitern auf die Hälfte zu reduzieren". "Weil es immer mehr Überstunden gibt", müssten auch die Arbeitszeiten flexibilisiert werden.

Die kommende Bundesregierung solle auch die Lehre attraktivieren, "um dem zunehmenden Fachkräftemangel wirkungsvoll zu begegnen". Ein Test- und Ausbildungszentrum für Jugendliche und Betriebe, um die Eignungen des Facharbeiter-Nachwuchses zu testen, wie es in Klagenfurt existiert, "ist Vorbild für ganz Österreich". Auch Salzburg, wo Kindern bereits in der Volksschule Berufe näher gebracht werden, diene als Vorbild, so Steindl.

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