Werner Koglers "Hypo-Krimi": Kontrollierte Wut in den Börsensälen

Werner Koglers "Hypo-Krimi": Kontrollierte Wut in den Börsensälen

Seit März tingelt der Grüne Finanzsprecher Werner Kogler unermüdlich mit seinem Vortrag durch Österreich. Wirklich aufregen kann er damit keinen mehr. Die Wutbürger sind müde geworden.

"Ein Vergnügen wird das heute nicht", kündigt die Moderatorin an. "Eher was zum wütend Werden". Die Erwartungshaltung am Dienstag in den Wiener Börsensälen ist klar. "Das größte Finanzverbrechen der Zweiten Republik" will der Grüne Werner Kogler den Steuerzahlern im Rahmen seiner Hypo-Tour erklären. Tatsächlich wird es ein überraschend sachlicher Abend - und ein langer.

Seit März tingelt der Grüne Finanzsprecher mit seinem Vortrag schon durch die Bundesländer. Die Zielgruppe für seinen "Hypo-Krimi" ist breit. Studentisches Publikum im Salzburger Uni-Hörsaal, vorwiegend Pensionsbezieher im Wirtshaus in Amstetten. Mit einem Dorfgasthof hat das Ambiente im Festsaal der Alten Börse so gar nichts gemein. Eine mondänere Kulisse hätte man kaum wählen können. Es ist kein Zufall, dass Kogler seine Abrechnung mit den Hypo-Verantwortlichen gerade hier präsentiert, im ehemaligen Finanzmarkt-Zentrum.

Vor Beginn herrscht gedämpftes Murmeln unter dem Glasdach in 13 Metern Höhe. Roter Teppich, roter Marmor, roter Samt. Von den Wänden blicken die ehemaligen Börsen-Präsidenten auf die rund 300 Gäste. Im alterstechnisch bunt durchmischten Publikum herrscht leichte Männer-Dominanz. In Bärte geflochtene Perlenzöpfe, wie sie Roland Düringer trägt, sucht man jedoch vergebens. Überhaupt scheinen die im Zuge der Hypo-Causa so viel zitierten Wutbürger nicht wirklich den Weg in die Börsensäle gefunden zu haben. Fragt man die Anwesenden nach den Beweggründen für ihren Besuch, stößt man auf starkes Interesse am politischen Geschehen. Wütend scheint hier kaum jemand zu sein, eher gespannt. Zumindest einer der wenigen Bartträger, ein älterer Herr mit Bandana und schulterlangen Haaren, lässt rein optisch einen ausgeprägten Sinn für Widerstand erahnen. "Ich bin schon in Hainburg aktiv gewesen, bevor es die Grünen überhaupt gegeben hat", sagt er.

Zwei Studenten Anfang Zwanzig geben an, wegen der "Hypo-Sache" hier zu sein, weniger wegen der Partei. Ein anderer ist hauptsächlich wegen Kogler hier. Ihm könne man in der Angelegenheit noch am ehesten vertrauen, meint er, "im Gegensatz zur Regierung". Parteimitglieder sind natürlich auch unter den Zuhörern, auch einiges an Grüner Prominenz: Alexander van der Bellen ist da, genauso wie Gabriela Moser. Die meisten jedoch sind einfache Grünwähler, die über die Medien von der Veranstaltung erfahren haben.

Kurz nachdem Kogler das Podium betritt, wird klar, dass der Abend wohl auch für ihn selbst kein Vergnügen wird. Er ist schlecht bei Stimme. Es sei der siebente Vortragstag hintereinander, meint er entschuldigend, das mache eben heiser. Das und die hallende Lautsprecher-Anlage lassen seine Ausführungen dann auch etwas distanziert wirken.

Wer eine flammende Wutrede erwartet hatte, wird enttäuscht. Stattdessen wird der Hypo-Skandal haarklein seziert, in chronologischer Ordnung. Vom "Aufsichtsversagen" schon in den frühen 2000er-Jahren über das Geschäftsgebaren der Bank in den Balkan-Ländern, die Übernahme durch die Bayerische Landesbank und die spätere Verstaatlichung kommt er zur Anstalts-Lösung und der Frage nach einem Untersuchungsausschuss. Kogler folgt der Dramaturgie und spricht gewohnt ausdauernd. Nicht umsonst hält der Grüne Finanzsprecher den Redezeitrekord im Parlament. Mehr als zwölf Stunden dauerte sein damaliger Vortrag im Budgetausschuss. Heute werden es zumindest gut zwei.

Die Zuhörer quittieren es mit ernsten Minen. Man muss sich konzentrieren, will man Koglers Ausführungen folgen. Nach einer Stunde erste zugefallene Augenpaare. Nach eineinhalb häufen sich die gezückten Smartphones. Nach zwei beginnen sich dann die Reihen etwas zu lichten. An Koglers Vortragsstil liegt das aber nicht. Zwar verzichtet er auf allzu viele Wuchteln, ein paar Lacher lässt er aber doch nicht aus. "Das Schminken der Leichen im Keller wird langsam teurer als das Begräbnis", beschreibt er die Kommunikationsstrategie der Koalitionsparteien in Sachen Hypo.

Am Schluss, nach gut zwei Stunden, wirken einige der Zuhörer dann doch etwas erschlagen von der Informationsflut. Auch bei seinen Antworten auf die Publikumsfragen zeigt sich Kogler weit ausholend. Der Festsaal leert sich. Draußen sind die meisten der Besucher zufrieden mit dem Gehörten. Etwas mehr Übersicht über die Hypo-Angelegenheiten habe sie jetzt, hält eine ältere Dame fest: "Für meinen Geschmack hätte es aber ruhig kürzer sein können."

Drinnen herrscht derweil noch immer Gesprächsbedarf. Wütend verlässt diese Veranstaltung wohl niemand. Erschöpft schon eher. Kogler hingegen wird unermüdlich weitertouren, noch bis Ende Juni. Fortsetzen würde er seine Tournee ab Herbst wohl am liebsten im Parlament, beim von den Grünen so herbeigesehnten Hypo-Untersuchungsausschuss.

Haselsteiner und Waffenproduzent Glock sollen Flughafen Klagenfurt retten

Wirtschaft

Haselsteiner und Waffenproduzent Glock sollen Flughafen Klagenfurt retten

Regierung einig: Steuerreform vor Beschluss

Politik

Regierung einig: Steuerreform vor Beschluss

Slideshow
Shopping-Neuheiten: Diese Stores kommen heuer nach Österreich

Wirtschaft

Shopping-Neuheiten: Diese Stores kommen heuer nach Österreich