"Wenn Kärnten korruptionsfrei wird, hat das positive Auswirkungen bei Investoren"

"Wenn Kärnten korruptionsfrei wird, hat das positive Auswirkungen bei Investoren"

Absturz der FPK, Abschied von Scheuch und Dörfler: In Kärnten ist politisch kein Stein auf dem anderen geblieben. Doch wie wirkt sich das auf den Tourismus aus?

Manfred Kohl, Chef der Tourismusberatung Kohl & Partner, ist einer der profiliertesten Kenner der österreichischen Tourismuswirtschaft. Im Gespräch mit format.at | trend.at analysiert er die Folgen des politischen Umsturzes in Kärnten, aus Sicht des Fremdenverkehrs.

FORMAT: Herr Kohl, werden sich die Ergebnisse der Landtagswahlen in Kärnten auf den Tourismus in diesem Bundesland auswirken?

Manfred Kohl: Rein touristisch und mit professioneller Distanz betrachtet: Zunächst muss man feststellen, dass es ja zwei Märkte gibt, die von Bedeutung sind: Erstens jenen der Gäste, zweitens den der Investoren. Bei den Gästen hat sich gezeigt, dass die politische Situation in einem Land kaum Auswirkungen auf die Gästeströme hat, das darf man nicht überschätzen. Daher hatte die Politik in Kärnten auch keine maßgeblichen negativen Folgen. Die Veränderung der politischen Landschaft wird sich in diesem Markt aus diesem Grund nicht stark auswirken. Ganz anders ist das auf dem Markt der Investoren. Da haben wir als Fachberater sehr oft von potenziellen Investoren gehört: Wir können überall hingehen, weshalb sollen wir nach Kärnten kommen? Es könnte ja der Verdacht aufkommen, dass es zu Kickback-Zahlungen kommt. Der Schluss liegt also nahe: Wenn Kärnten nun versucht, korruptionsfrei zu werden, dann hat das auf diesem Investorenmarkt sicherlich positive Auswirkungen.

Dieser Umstand wird den meisten aber gar nicht bewusst sein.

Kohl: Man hat ja nie gewusst, wie viele Investoren aus diesen Gründen nicht gekommen sind. Es hat zwar auch einige gegeben, denen das egal war. Doch viele andere wollten sich nicht antun, möglicherweise etwas tun zu müssen, also etwas extra zahlen zu müssen.

Für den Fremdenverkehr insgesamt ist die politische Landschaft aber weniger wichtig?

Kohl: Es gibt einzelne Gäste, die aus solchen Gründen nicht in das jeweilige Land kommen, aber das sind Ausnahmen. Als Jörg Haider Landeshauptmann war, hatte das auf den Tourismus auch keine Breitenwirkung.

Hängt andererseits das gesamte Image eines Landes nicht doch von den Politakteuren ab? Wie sieht es mit anderen Nationen aus?

Kohl: Ich glaube nicht, dass sich jemand entscheidet, nicht nach Spanien zu fahren, weil dort die Grundstimmung seiner Meinung nach nicht passt. Um bei Kärnten zu bleiben: Zu Haiders Zeiten gab es Versuche, zu belegen, dass er Gäste abschreckt. Das war nicht nachweisbar. Das politische oder auch wirtschaftliche Image eines Landes spielt praktisch keine Rolle. Was eine Rolle spielt, sind hingegen Sicherheitsbedenken wie jetzt in Ägypten oder auch kleinste Verunsicherungen wie die Demonstrationen in Griechenland – die haben ja nur in der Hauptstadt stattgefunden, trotzdem haben die Gäste auch die Inseln gemieden.

Wie beurteilen Sie das Image Kärntens in Österreich?

Kohl: Das politische Image insgesamt hat stark gelitten. Jeder Kärntner, der in Österreich unterwegs war, hat bemerkt, dass Kärnten an Sympathiewerten verloren hat. Die Stimmung hat einfach umgeschlagen.

Und im Ausland?

Kohl: Im Ausland spielt das aber weniger eine Rolle, weil da ja schon der Bekanntheitsgrad des Bundeslandes reduziert ist.

Zurück zum Tourismus: Soll man Ihrer Meinung nach den politischen Umschwung nach außen kommunizieren?

Kohl: Das braucht man nicht zu tun, das kriegen die Investoren ohnehin mit. Die erkundigen sich ganz genau über das jeweilige Umfeld. Da ist nichts zu tun, das passiert von alleine.

Wie beurteilen Sie den touristischen Auftritt Kärntens generell?

Kohl: Dieser hat sich seit zwei Jahren positiv entwickelt, das merkt man auch an den Reaktionen. Es ist ein frischer Wind da. Der alte Slogan „Urlaub bei Freunden“ war ja vermessen, daher war es gut, dass man damit aufgehört hat. Das ist ein Versprechen, das nicht haltbar ist. Der Tourismus als Wirtschaftsphänomen ist kein Freundschaftsbesuch. Und außerdem sind die Kärntner nicht generell freundlicher als andere.

Zur Person: Manfred Kohl ist geschäftsführender Partner der Kohl & Partner Tourismusberatung mit Hauptsitz in Villach. Das Unternehmen berät im In- und Ausland zu den Themen Hotellerie, Infrastruktur und Destinationen; zudem werden Seminare durchgeführt.

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