Wahl in Niederösterreich: Erwin Pröll hält die absolute Herrschaft

Wahl in Niederösterreich: Erwin Pröll hält die absolute Herrschaft

Niederösterreich bleibt unter absoluter Kontrolle von Landeshauptmann Erwin Pröll. Die ÖVP verteidigte am Sonntag bei den Landtagswahlen in Niederösterreich ihre absolute Mehrheit und erreicht 50,8 Prozent der Stimmen. Die aktuellen Ergebnisse und Analysen (via Infografiken) aus Niederösterreich finden Sie hier.

Trotz Verlusten kann Erwin Pröll in Niederösterreich weiter mit absoluter Mehrheit regieren . Die ÖVP büßte zwar Terrain ein, ist aber weiter unangefochten stärkste Fraktion im Landtag. Die SPÖ erlebte ihr schlechtestes Ergebnis aller Zeiten, die FPÖ verliert, die Grünen gewinnen leicht, das Team Stronach zieht als drittstärkste Kraft und fünfte Fraktion ins Landesparlament ein.

Laut vorläufigem Endergebnis erreichte die ÖVP 50,80 Prozent der Stimmen und büßte gegenüber dem letzten Urnengang 3,59 Prozentpunkte ein. Die SPÖ verschlechterte sich weiter und kam mit einem Verlust von 3,92 Prozentpunkten auf das historisch schlechteste Ergebnis von 21,59 Prozent .

Das erstmals angetretene Team Stronach erreicht Platz drei. Mit 9,83 Prozent der Stimmen zog die Partei von Frank Stronach souverän in den Landtag ein.

Einen Verlust erlitt die FPÖ , die 2,26 Prozentpunkte einbüßte und nun bei 8,21 Prozent hält. Knapp dahinter kamen die Grünen zu liegen, die als einzige Partei gegenüber 2008 (um 1,13 Prozentpunkte) dazugewinnen konnten und nun bei 8,04 Prozent halten.

Die Wahlbeteiligung lag bei 70,75 Prozent , das sind um 3,76 Prozentpunkte weniger als 2008. In Niederösterreich sind die Briefwahlstimmen schon ausgezählt. Es fehlen nur mehr die wenigen in fremden Wahlkreisen abgegebenen Wahlkarten, diese werden am Dienstag ausgezählt.

Jubelstimmung in der ÖVP, lange Gesichter bei der SPÖ

In der ÖVP war am Sonntag ob dieses Ergebnisses Jubelstimmung angesagt. In Zeiten wie diesen die absolute Mehrheit - zum dritten Mal hintereinander - zu halten sei einzigartig, freute sich Pröll. Im Match alle gegen einen seien alle acht Mitbewerber gescheitert. Bundespartei-Chef Michael Spindelegger sah im NÖ-Ergebnis schon eine "Steilvorlage" fürs weitere Wahljahr. Auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V) sprach von einer "guten Grundlage" für die Nationalratswahl.

Lange Gesichter gab es hingegen bei der SPÖ in St. Pölten. Landesparteiobmann Sepp Leitner nannte die Verluste ein "unerfreuliches Ergebnis", das er auf den Zweikampf zwischen Pröll und Stronach zurückführte, bei dem die SPÖ mit ihren Themen nicht durchgedrungen sei. Leitner kündigte an, dass die SPÖ am Montag in den Parteigremien über mögliche Konsequenzen beraten werde. Auch persönliche Konsequenzen schloss er dabei nicht aus. Bundeskanzler und SP-Chef Werner Faymann deutete ebenfalls eine Neuaufstellung der niederösterreichischen Landespartei an. "Ich bin überzeugt, dass meine Freunde in Niederösterreich stark genug sind, sich gut aufzustellen." Und die stellvertretende Landesparteichefin Gariele Heinisch-Hosek sagte auf die Frage, ob sie Landesparteichefin werden könnte: "Das schließe ich heute aus. Ich bin und bleibe Frauenministerin."

Stiller Jubel von Frank Stronach

Frank Stronach, der eigentliche Wahlsieger, blieb dem Rummel in St. Pölten fern und feierte auch nicht mit seinen Freunden. Nach Angaben aus seiner Partei sah er sich zu Hause in Oberwaltersdorf in aller Stille die Fernsehberichte an. Der Listenzweite Ernest Gabmann jun. zeigte sich "überglücklich". Er soll nun auch den Landesrat-Posten für das Team Stronach übernehmen. Die Abgeordnete Elisabeth Kaufmann-Bruckberger will vom Nationalrat als Klubobfrau in den Landtag wechseln.

FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache gestand für seine Landespartei kein "Optimalergebnis" ein. Dennoch sei es aber das "viertbeste" in Niederösterreich. "Es ist traurig für Niederösterreich, dass es nicht gelungen ist, die absolute Mehrheit der ÖVP zu brechen", meinte Strache. Landesobfrau Barbara Rosenkranz bezeichnete die Verluste der FPÖ als "schmerzlich". Die Spitzenkandidatin gestand auch ein, dass die Wahlziele nicht erreicht worden seien. Sie kündigte an, "mit der Landesgruppe die Lage und das Ergebnis diskutieren" zu wollen.

Die Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, hat die geringen Zugewinne der Grünen verteidigt. "Wir haben heute unser bisher bestes Ergebnis in Niederösterreich erzielt." Spitzenkandidatin Madeleine Petrovic zeigte sich "sehr froh" darüber, dass die Grünen in der "männlichen Duellsituation" im Wahlkampf zwischen Pröll und Stronach nicht aufgerieben worden sein. Dass die Grünen sogar zulegen konnten, "grenzt da schon fast an ein Wunder", meinte sie.

Meinungsforscher nicht sonderlich überrascht

Das Ergebnis der Niederösterreich-Wahl mit der Dominanz der ÖVP hat die Meinungsforscher am Sonntag im Grunde nicht überrascht. Landeshauptmann Erwin Pröll sei bekanntermaßen ein "erfolgreicher Wahlkämpfer", meinte David Pfarrhofer (market). Laut Politikberater Thomas Hofer nutzte die "mediale Zuspitzung auf das Duell Pröll-Stronach" beiden Parteien: "Pröll hat dadurch ‘den Fünfer‘ halten können. Kampagnentechnisch sind die anderen drei Parteien untergegangen."

Dennoch sei das Halten der Absoluten der ÖVP zum dritten Mal in Folge "bemerkenswert", so Hofer. Themen wie die Veranlagung von Landesgeldern führten offenbar nicht zu einem stärkeren Umschwung bei den Wählern. Stronach sei mit seinem gleichnamigen Team zwar nicht durchmarschiert, habe aber diskutabel abgeschnitten. "Vom Mitteleinsatz hätte aber mehr drinnen sein können." Er habe mit seinem Abschneiden vor allem der SPÖ geschadet: "Es ist genau das passiert, was die SPÖ im Vorfeld in Abrede gestellt hat: Dass ihnen Stronach wehtut." Man werde in der SPÖ Niederösterreich nun handeln müssen.

Für die Grünen sei in Niederösterreich "nicht mehr zu erwarten gewesen.“ Für FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache "müssen nun die Alarmglocken schrillen", argumentierte Hofer, denn die Verluste in Kärnten seien zu erwarten gewesen, aber das Ergebnis in Niederösterreich bedeute einen "zusätzlicher Dämpfer".

Zu den aktuellen Ergebnissen und Analysen (via Infografiken) in Niederösterreich geht es hier .

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