Ukraine-Krise gefährdet Steyr Mannlicher-Waffendeal

Ukraine-Krise gefährdet Steyr Mannlicher-Waffendeal

Nur selten dringen Geschäfte aus der Rüstungsindustrie an die Öffentlichkeit. Angst vor innenpolitischem Wickel, Verschwiegenheitsverpflichtungen gegenüber den Kunden, Furcht vor einer alarmierten Öffentlichkeit - die Gründe für die Geheimniskrämerei sind ebenso einleuchtend wie vielfältig.

Auch ein im Herbst des Vorjahres eingefädelter Deal zwischen dem russischen Rüstungsriesen Rostec (Flugzeuge, Helikopter, Waffen) und der österreichischen Steyr-Mannlicher-Gruppe sollte im Verborgenen blühen. Aber es gibt ihn, und das ist in der aktuellen geopolitischen Lage nicht unheikel.

Das Ziel: In Ischewsk, einer Stadt im Ural, soll eine Kooperation beim Bau von militärischen und zivilen Präzisionsgewehren erfolgen. Transfer von Maschinen, Know-how und Schulungen der Mitarbeiter inklusive, wie ein Top-Manager des Rostec-Tochterunternehmens Kalashnikov bestätigt.

Die in Ischewsk hergestellte und zu Weltruhm gelangte Kalaschnikow AK-47 ist nämlich trotz aller Robustheit in die Jahre gekommen, und der Hersteller kämpft mit unlizensierten Nachbauten. Daher sind die Russen an modernen Präzisionswaffen und Scharfschützengewehren, wie sie Steyr Mannlicher im Programm hat, höchst interessiert.

Obwohl der Vizechef von Rostec, Vladimir Artyakow, beste Beziehungen in höchste österreichische Wirtschaftskreise unterhält, ist die Kooperation jetzt aber ins Stocken geraten. Die Situation in der Ukraine macht die ohnehin schwierige Erlangung von Exportlizenzen aus Österreich nach Russland noch komplizierter. Die Deutschen haben zuletzt sämtliche Rüstungsexporte in Putins Reich untersagt. Und der CEO der Rostec, Sergey Chemezov, ist seit Dienstag dieser Woche auf der US-Sanktionsliste zu finden.

Kein Wunder, dass sich Steyr-Mannlicher-Chef und Miteigentümer Ernst Reichmayr zugeknöpft gibt: "Wir können und wollen nichts Konkretes sagen. Beide Seiten müssen wegen der Gesamtsituation leise treten. Durch die rechtliche Lage brauchen wir für jede Schraube eine Genehmigung. Aber beide Seiten wollen trotzdem weiterarbeiten.“

Schwieriger Waffenexport

Es geht auch um Arbeitsplätze. Steyr Mannlicher beschäftigt für die Produktion von Jagdflinten und Behördenwaffen rund 150 Mitarbeiter und sieht sich damit konfrontiert, dass sich der Export zunehmend schwierig gestaltet. Genehmigungen bei Außen-, Innen-, und Wirtschaftsministerium sind selbst für Länder nicht leicht zu bekommen, die lange Jahre als Partner akzeptiert waren. Von Krisenherden gar nicht zu reden.

Nicht zuletzt deswegen sucht auch die russische Waffenschmiede den Weg nach Österreich. Ebenfalls im Herbst des Vorjahres verkaufte der Staatskonzern Rostec 49 Prozent an Kalashnikov an zwei russische Privatinvestoren. Einer davon, Andrey Bokarev, ist in Wien kein Unbekannter. Er war als Aufsichtsrat der Österreich-Tochter des größten russischen Kohleunternehmens Krutrade aktiv und macht aktuell mit zwei Firmen in Österreich Geschäfte. Jetzt hoffen alle Beteiligten auf eine Beruhigung der Ukraine-Krise, sonst wird die Kooperation noch lange nur auf dem Papier stehen.

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