Treichl: "FMA macht einen Punkt: Bankgeschäft ist Bankgeschäft"

Treichl: "FMA macht einen Punkt: Bankgeschäft ist Bankgeschäft"

Treichl beklagt im Gespräch mit dem "Standard" außerdem, dass die Schuldenkrise eine "Enteuropäisierung" im Finanzwesen gebracht hat. Die Unsicherheit über die politische Entwicklung Europas habe die Nationalstaaten bewogen, ihr Finanzwesen von Außenwirkungen abzuschotten.

In Europa seien in jedem Land Banken zu finden, die Probleme hätten, sagt Treichl. "Aber im Großen und Ganzen ist das Finanzwesen auf nationalstaatlicher Ebene gar nicht so schlecht. Grundsätzlich sind Banken in den vergangenen vier Jahren sicherer geworden", resümiert der Banker in einem Interview im "Standard" (Wochenendausgabe).

Auf die massiven Bankenprobleme in Griechenland und Spanien angesprochen, meint der Erste-Banker, es seien "nicht alle griechischen, spanischen, italienischen Banken kaputt." Es sei die Mischung aus problematischen Krediten und dem Faktum, dass die Bilanzen der lokalen Banken mit Wertpapieren eines schlechten Souveräns voll seien. Das schwäche die Banken.

Bankenunion – "das wird nicht passieren"

Die "Bankenunion" sollte diesem Auseinanderdriften zwar gegensteuern, das sollte die Antwort sein. Treichl glaubt aber, dass es die Bankenunion mit freiem Kapital- und Liquiditätsverkehr in ihren Mitgliedsstaaten nicht geben wird. "Die echte Bankenunion mit der vollständigen Abgabe der Souveränität über das nationale Finanzwesen an die Europäische Zentralbank ist der schwierigste Part der Fiskalunion. Und das wird meiner Meinung nach auch nicht passieren."

Jeder Kompromiss führe aber wieder zu lokalen Regelungen. Mit den jetzt zur Debatte stehenden europäischen und nationalen Kapitalregeln "steuern wir in eine partielle Bankenunion - und die kann das Vertrauen der Märkte in Europa nicht stabilisieren", warnt der Banker. Er ist für eine klare Entscheidung: "Entweder machen wir Europa, oder wir machen es nicht."

"Es darf bei der Banken- oder Fiskalunion nicht zu einer Zweiteilung Europas kommen, denn das würde auch Österreich nicht guttun", so Treichl in dem Interview.

Die Finanzbranche habe sich jedenfalls auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Auch auf eine weitere Abschottung. "Geht es nach den Vorstellungen der Aufseher, dann müssen alle Bankentöchter, ob in Tschechien, Rumänien oder der Slowakei, völlig eigenständig agieren." In ihren "Testamenten" müssen die Großbanken den Aufsehern darlegen, "dass jeder Teil unserer Bank so selbstständig ist, dass ein Schaden, der dort entstehen könnte, den restlichen Teil der Bank nicht schädigt. Je unabhängiger wir diese Bank in ihrer Kapitalisierung, Liquidität, Veräußerbarkeit führen, desto besser."

"Banken nicht offensiv bei der Kreditvergabe"

Treichl kritisiert, dass es für eine Bank immer noch attraktiver sei, einem schlechten Souverän Geld zu leihen als einem guten Klein-und Mittelbetrieb. "Das kann auf die Dauer nicht richtig sein". Es sei zwar keine wirkliche Kreditnachfrage da. "Aber es ist auch Faktum, dass Banken zur Zeit nicht offensiv auf die Kunden zugehen mit Kreditofferten." Früher seien die Banken manchmal zu offen gewesen in der Kreditvergabe, jetzt führe das strenge Regelwerk ins Gegenteil.

Der wegen seiner umstrittenen privaten Geldbeschaffung im Visier der Finanzmarktaufsicht (FMA) befindliche Waldviertler Schuhhersteller Heini Staudinger ist für Treichl "ein Phänomen dieser Zeit. Aber in seinem Fall macht schon die FMA einen Punkt, wenn sie sagt: Bankgeschäft ist Bankgeschäft - denn so etwas kann ja auch einmal schief gehen für die Sparer."

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