Toyota-Österreich-Boss: "Auto-Rabattportale sind eine ungesunde Entwicklung"

Toyota-Österreich-Boss: "Auto-Rabattportale sind eine ungesunde Entwicklung"

Format: Die Autofahrer sollen zur Sanierung der Staatskassen neuerlich einen erheblichen Beitrag leisten. Wie schätzen Sie die Auswirkungen auf den Absatz bei Toyota ein?

Frey: Besitzer und Käufer unserer Modelle werden vergleichsweise glimpflich davonkommen. Schon jetzt sind Hybridmodelle, die in unserer Palette stark vertreten sind, von der NoVA ausgenommen - und das wird voraussichtlich auch so bleiben. Im Extremfall spart man sich so beim Autokauf ein paar Tausend Euro. Zudem hat Toyota den CO-2-Ausstoß 2013 erneut senken können. Bei unseren Diesel-Modellen haben wir europaweit sogar Fiat, bisher die Nummer eins beim C02-Austoß in diesem Bereich, unterboten. Die Steuererhöhung wird deshalb auch bei diesen Modellen moderat ausfallen.

Toyota hat im Vorjahr zu den ganz wenigen Marken gehört, die in Österreich zweistellige Zuwachsraten verbuchen konnte. Welche Modelle haben am stärksten zu diesem Wachstum beigetragen?

Frey: Tatsächlich haben wir mit Toyota den Absatz um mehr als 17 Prozent auf rund 9.600 Stück steigern können. Unser Ziel ist mittelfristig 15.000 Stück pro Jahr abzusetzen und unter die Top-10 der meistverkauften Marken Österreichs zu kommen. Den mit Abstand stärksten Zuwachs gab es beim RAV4. Die Nachfrage für den SUV ist um knapp 127 Prozent auf 1.595 Neuzulassungen gestiegen, gefolgt vom Verso. Bei diesem Kompakt-Van lag das Plus bei rund 62 Prozent.

Hybridautos sind nach wie vor ein Nischenprodukt. Wie zufrieden sind Sie mit dem Neuwagenabsatz in diesem Segment 2013?

Frey: Der Yaris Hybrid war sicher ein Türöffner. Der Kleinwagen hat uns geholfen den Zugang zu einer breiteren Masse an Käufern eröffnet. Größere Hybridmodelle wie der Prius, sind vor allem bei Firmen schon lange beliebt. Nicht nur wegen des geringen Spritverbrauchs, sondern auch wegen ihrer Langlebigkeit und der geringen Reparaturkosten. Auch der Auris Touring Sports Hybrid, der seit September auf dem Markt ist, entwickelt sich bisher sehr gut.

Welche Highlights kommen heuer von Toyota auf den Markt?

Dazu zählt sicher der neue Land Cruiser. Dieser bietet eine erweitere Allradtechnik, die den SUV mit fünf verschiedenen Einstellungen für Antrieb- und Fahrwerk und einer Rund-Um-Kamera noch besser durchs Gelände führt. Ein ganz neues, kreatives Konzept verfolgt der neue Aygo, den wir ab Sommer anbieten. Bei diesem Kleinwagen steht die Individualisierbarkeit noch stärker als bisher im Fokus. So wird man mit einem neuartigen Klick-System beispielsweise Elemente am Armaturenbrett einfach austauschen können und so je nach Lust und Laune farbliche Akzente setzen können.

Kleine SUVs zählen derzeit zu den wachstumsstärksten Segmenten. Wird es so ein Modell auch von Toyota geben?

Frey: Toyota plant dazu ein Modell auf Basis des Yaris, bei dem Toyota seit langem wieder einmal einen kleinen Turbo-Benziner einsetzt, der diesem etwas größerem Modell auch zu mehr Leistung verhelfen soll. Der Marktstart dafür ist aber noch offen.

Welches neue Modell könnte Kunden, die ein kleineres Auto suchen und keinen Hybrid wollen, ansprechen?

Frey: Ein ganz besonderes Modell ist für uns der neue Verso. Der Kompakt-Van ist das erste Modell, das der Kooperation mit BMW entstammt und ist mit einem tollen neuen Dieselmotor ausgestattet ist, der gemeinsam mit BMW in Steyr produziert wird.

Toyota ist bisher, im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern, noch nie eine Kooperation eingegangen. Sind weitere Kooperationen denkbar?

Frey: Der neue Verso ist im Grunde nur der Startschuss für die Kooperation mit BMW. Die Zusammenarbeit mit BMW wird noch viel intensiver, als bisher bekannt ist. Aber schon alleine diese Öffnung nach außen bedeutet für Toyota eine kulturelle Revolution. Seit der Gründung des Konzerns vor 70 Jahren hat es bis dahin noch nie eine Zusammenarbeit mit einem europäischen Autohersteller gegeben. Ein weiterer Schritt in diese Richtung wurde vor kurzem gemacht. PSA Peugeot-Citroën beliefert Toyota in Europa seit kurzem mit leichten Nutzfahrzeugen.

Worauf führen Sie diese neue Einstellung bei Toyota zurück?

Frey: Das ist Akio Toyoda zu verdanken, der das Unternehmen seit 2009 führt. Der Enkel des Gründers hat einerseits erkannt, wie vorteilhaft Kooperationen sein können, andererseits aber auch wie wichtig ansprechendes, emotionales Design von Autos ist. Dieser Imagewandel wurde mit dem Sportwagen GT 86 erstmals deutlich und wird nun mit der neuen Sportwagenstudie FT1, die auf der Autoshow in Detroit vorgestellt wird, fortgesetzt.

Wie unterscheidet sich Firmenchef Toyoda von seinen Vorgängern?

Frey: Er betreibt nicht nur eine offenere Unternehmenskultur, für ihnen bedeuten Autos auch Leidenschaft. Er liebt Autorennen und kommt manchmal dafür sogar für einen Kurztripp nach Europa, um hier auf Rennstrecken ordentlich Gas zu geben. So ist er im Vorjahr mit einem Supercar von unserer Tochtermarke Lexus mit mehr als 200 Kilometern pro Stunde durch die engen Schleifen des Nürburgrings gefahren.

Modern zu agieren, bedeutet für manche Autohersteller auch, sich das Internet als Vertriebskanal zunutze zu machen. Wie stehen Sie dazu?

Frey: Wir stehen dem Vertrieb im Internet aufgeschlossen gegenüber und haben dazu auch bereits Pläne in der Schublade. Aber noch ist die Umsetzung nicht spruchreif.

Müssen Händler dann um ihre Geschäftsgrundlage fürchten?

Frey: Wir stehen auf jeden Fall hinter unseren Händlern und werden sie weiterhin unterstützen. Wir sind bestrebt, dass unsere Händler wirtschaftlich erfolgreich arbeiten. Ihr Geschäftserfolg ist schließlich die Grundlage für unseren Erfolg als Importeur. Das zeigt sich schon alleine daran, dass wir uns bei überzogenen Rabattaktionen und Tageszulassungen stets zurückhalten.

Beim Neuwagen-Rabattportal autogott.at gibt es im Schnitt bis zu 30 Prozent Rabatt. Was halten sie von diesem Vertriebskanal?

Frey: Ich erachte diese Entwicklung als ungesund. Wir sind eine private Firma und müssen wirtschaftlich arbeiten. Das ist mit überzogenen Nachlässen nicht möglich.

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