Standort: Was Dänemark, Holland und Schweiz besser machen als Österreich

Standort: Was Dänemark, Holland und Schweiz besser machen als Österreich

Eine Vergleichsstudie von Österreich, der Schweiz, Dänemark und Holland als Unternehmensstandort zeigt, das Österreich noch einiges besser machen kann.

Die Niederlande haben Heineken und Philips, die Schweiz ihre Pharma- und Uhrenindustrie, Österreich die Lippizaner und sein Skiteam - „In Holland bist Du ein Star, wenn Du bei Heineken arbeitest. In Österreich, wenn Du Lippizaner bist oder im Skiteam,“ erklärte ein in den Niederlanden arbeitender österreichischer Manager im Zuge der von der Strategieberatung hoeffingersolutions durchgeführten Studie zu Unternehmensstandorten im Vergleich.

Das Fazit daraus: Die Dänen, Holländer und Schweizer haben mehr Wertschätzung für ihre Unternehmen und dadurch entsteht auch mehr Wertschöpfung. Die Schaffung einer echten Unternehmenskultur ist für Studienleiter Stefan Höffinger demnach eine der größten Herausforderungen für die Republik Österreich.

Erhebliche Defizite

In der Analyse haben Höffinger und sein Team Österreich mit Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz verglichen - vergleichbare europäische Volkswirtschaften mit ähnlichen Voraussetzungen und Strukturen. „Auf den ersten Blick schneidet Österreich etwa bei Wachstum und Arbeitslosenquote noch gut ab“, so Höffinger, „bei genauerer Betrachtung zeigen sich aber erhebliche Defizite und ein Abrutschen in internationalen Vergleichen. Es mangelt vor allem an einem unternehmerfreundlichen Grundkonsens.“

Die Herausforderungen Österreichs zeigen sich vor allem bei folgenden Aspekten:

- Wirtschaftsstruktur: Aus Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz kommen deutlich mehr Global Player in der Wirtschaft. Konzerne wie Shell, Heineken, Lego, Carlsberg, Nestlé, Novartis oder Roche. Diese kann Österreich mit seinen KMU nicht ausgleichen.

- Export: Dänische und holländische Unternehmen exportieren in die ganze Welt, österreichische Unternehmen dagegen vor allem nach Deutschland – und erzielen eine vergleichsweise niedrige heimische Wertschöpfung.

So führte im Rahmen der Studie ein österreichischer Unternehmer mit dänischen Wurzeln an: "Sehr interessante Beispiele sind die zwei Hauptprodukte Bier und Milch. Dänisches Bier und Butter bekommt man weltweit, davon können die Österreicher nur träumen. Sie haben es nicht geschafft, ihre Produkte weltweit zu vermarkten.“ .

-Steuerliche Belastung: Auch die Arbeitszusatzkosten und Lohnnebenkosten sind in den Vergleichsstaaten deutlich geringer als in Österreich. Das bringt den dortigen Unternehmen einen klaren Wettbewerbsvorsprung.

- Investitionen: Bei den Direktinvestitionen hinkt Österreich ebenfalls den Vergleichsländern hinterher. Auch bei ausländischen Investoren sind diese beliebter - mit negativen Auswirkungen auf Österreichs Volkswirtschaft.

- Innovationen: Unter den 100 innovativsten Firmen der Welt sind Dänemark und die Niederlande mit jeweils mit drei Unternehmen, die Schweiz mit vier vertreten. Österreichische Firmen finden sich hingegen nicht in der Liste.

- Arbeitnehmer: Bei der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte (Skilled Labor) sind Dänemark, die Niederlande und die Schweiz weltweit top, Österreich schafft es lediglich auf Rang 52. Dabei war Österreich vor nicht einmal zehn Jahren noch Weltspitze

Die Konsequenzen daraus liegen für Höffinger, der neben Unternehmen auch Regierungen berät, klar auf der Hand. Große Unternehmen können Zugpferde für ganze Volkswirtschaften sein, da sie viele indirekt verknüpfte Wirtschaftstätigkeiten auslösen. Österreich sollte daher stärker danach trachten, große Unternehmen ins Land zu holen, beziehungsweise das Wachstum heimischer Unternehmen stärker zu unterstützen.

Die Abhängigkeit von Deutschland als Handelspartner sollte verringert werden. Die Unternehmen müssen sich internationaler orientieren, wie es die Konzerne in den Vergleichsstaaten tun.

Österreich sollte sich nicht nur auf seine sehr großzügige Förderlandschaft verlassen, sondern muss auch die Rahmenbedingungen für private Risikokapitalgeber verbessern. "Das bedeutet einen wesentlich größeren Hebel und ist auch der marktwirtschaftlich deutlich sinnvollere Ansatz", betont Höffinger.

Nicht zuletzt müssen in Österreich auch die steuerlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die das Land wieder als Standort für internationale Headquarter attraktiv zu machen. Mit den Sozialpartnern müssten dafür gemeinsam radikale neue Ansätze entwickelt werden. Höffinger: "Wir müssen weg von einem System der Minimal-Schritte, wo jeder Schritt bekämpft wird, hin zu einer modernen, der Realität entsprechenden Arbeitsgesetzgebung."

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