SPÖ und die Kronen Zeitung – Im Gleichschritt gegen die Wehrpflicht

SPÖ und die Kronen Zeitung – Im Gleichschritt gegen die Wehrpflicht

Die aktuelle Kampagne der Kronen Zeitung gegen die Wehrpflicht mag vielleicht nicht so stark gewesen sein wie frühere, sie war trotzdem nicht nur Auslöser des Meinungsschwenks der SPÖ, sie ist auch eine wichtige "Waffe" der Sozialdemokraten im Kampf für ein Berufsheer.

Begonnen hat die Kampagne im Sommer 2010, als in mehreren europäischen Ländern die Wehrpflicht ausgesetzt wurde. "Mehrheit gegen die Wehrpflicht!!" lautete dann der Aufmacher der Zeitung am 21. September. Einen Tag später konnte man auf Seite 2 Bekenntnisse der bei diesem Thema relevanten Köpfe in der Bundespolitik lesen. Kanzler Werner Faymann, Vizekanzler Josef Pröll und Verteidigungsminister Norbert Darabos bekundeten bereitwillig, das Thema für überlegenswert zu halten.

Dass sich die Sozialdemokratie in der Frage jedoch weiter zurückhielt, dafür aber Serbien ebenfalls von der Wehrpflicht Abstand nahm, quittierte die Zeitung mit der ihr eigenen Art: Ein "In den Wind gereimt" des mittlerweile verstorbenen Gedichteschreibers Wolf Martin stellte dem Verteidigungsminister die Rute ins Fenster und schmähte ihn als "Wehrdienstmuffel".

Wiens Bürgermeister Michael Häupl kam die Kampagne des Blattes dagegen ganz recht. Eine Woche vor den Gemeinderatswahlen in der Bundeshauptstadt sprach er sich in einem "Krone-Exklusivinterview" für eine Volksbefragung zu dem Thema aus. "Wiens Bürgermeister macht endlich Dampf", lautete lobend die Unterzeile zur Story. Ob ihm das zusätzliche Stimmen an der Urne gebracht hat, bleibt ungeklärt. Die Ansage löste jedenfalls einen rasanten Meinungsschwenk an der Spitze der SPÖ aus. Nur wenige Wochen später warfen die Sozialdemokraten ein jahrzehntelanges Dogma über Bord.

SPÖ und "Krone" marschieren im Gleichschritt

Seitdem marschieren Krone und Sozialdemokratie in die gleiche Richtung. Und seit die Regierung - diesmal auf Zuruf des Niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll - eine Volksbefragung zum Thema Wehrpflicht beschlossen hat, schießt die "Krone" aus allen Rohren. Die Kennzeichen einer solchen Berichterstattung: Das gewünschte Ergebnis wird gepusht, wer sich dagegen stellt, wird publizistisch an den Pranger gestellt.

So war es die "Krone", die die Absetzung von Generalstabschef Edmund Entacher forderte, als dieser dem Schwenk seines Ministers nicht folgte. Dass Entacher seine Demontage juristisch erfolgreich bekämpfte und nach einigen Monaten wieder an seinen Posten zurückkehren durfte, bliebt freilich an Ressortchef Norbert Darabos hängen. Entacher war weiter beliebte Zielscheibe des Boulevardblatts. Kürzlich wurde auf Seite 2 gegen "teure Privilegien für hohe Offiziere" gewettert. Beim Stimmung machen scheint die Hemmschwelle der "Krone" nicht sehr groß zu sein, sie warb sogar mit im Dienst verstorben Grundwehrdienern und dem "unendlichen Leid" der Eltern für ein Berufsheer. Selbst Hans Dichand wurde aus dem Jenseits bemüht, um gegen die Wehrpflicht auszusagen.

Jener Dichand, der als Erfinder der "Krone"-Kampagnen gilt: Der Medienzar sah diese vielgescholtenen Kampagnen stets als Einsatz für die Bürger. Das Spektrum reichte vom Wiener Sternwartepark beziehungsweise gegen seine Abholzung über die Sparbuchsteuer bis zu Zwentendorf, Hainburg und weiter zu Kurt Waldheim, genauer für dessen Wahl zum Bundespräsidenten. Dass der Einsatz von Gentechnik in Österreich als absolutes "No Go" für Politiker und Manager jeglicher Gewichtsklasse gilt, ist ebenfalls ein Verdienst des Kleinformats.

Besonders heftig trieb es die Zeitung in der Kampagne gegen das grenznahe AKW Temelin. Skurril hingegen war der Disput um den Semmering-Basistunnel. Die Steiermark-Ausgabe schrieb fleißig für das Bauvorhaben, die Ausgabe in Niederösterreich mit Nähe zum dortigen Landeshauptmann Pröll wetterte leidenschaftlich dagegen. Manches aber ging auch daneben: Der erbitterte Kampf gegen den EU-Vertrag und später die EU ganz allgemein etwa resultierte mitnichten in machtvollen Demonstrationen entrechteter Bürger und war eine der wenigen Niederlagen des mächtigen Alt-Herausgebers.

Aber auch Alt-Kanzler Wolfgang Schüssel und der steirische Landeshauptmann Franz Voves haben es geschafft, ihre jeweiligen Wahlen ohne bzw. gegen die Unterstützung der Boulevardpresse erfolgreich zu schlagen. Und als Dichand die weit rechts stehende FPÖ-Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz unterstützte, verweigerten ihm Leserschaft und Inserenten die Gefolgschaft.

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