Spar-Chef wegen Preisabsprachen einvernommen

Spar-Chef wegen Preisabsprachen einvernommen

Spar wird vorgeworfen, mit Lieferanten Preise bei unter anderem Molkereiprodukten und Bier abgesprochen zu haben. Im Jänner und August 2013 führte die BWB hierzu bei Spar Razzien durch. Da der Handelskonzern nicht bereit war, auf ein Settlement - also ein Schuldanerkenntnis - einzusteigen, beschäftigt sich nun das Kartellgericht mit dem Fall. Konkurrent Rewe etwa bezahlte eine Strafe von 20,8 Mio. Euro.

Ob die Wettbewerbshüter einen Kronzeugen in petto haben, blieb heute weiter offen. Bis dato war kein Lieferant bereit, öffentlich gegen Spar auszusagen. Nach drei Stunden schloss Richterin Anneliese Kodek die Verhandlung mit den Worten: "So habe ich es gerne, wenige Fragen".

In seiner Einvernahme gab Drexel den Robin Hood der Konsumenten: "Wir sind der oberste Konsumentenschützer, damit die Preise nicht ungerechtfertigt steigen", sagte der Spar-Chef aus. Nur weil man mit Lieferanten über Preise spreche, handle es sich noch lange um keine Absprache, betonte Drexel erneut. Er beklagte, von Medien diesbezüglich falsch zitiert und verstanden worden zu sein.

Spar drückt Lieferantenpreise, wenn die Konkurrenz die Preise reduziert

Drexel gab einen Einblick in die Preispolitik von Spar. Wenn man sehe, dass ein Mitbewerber die Verkaufspreise bei einem Produkt reduziere, dann mache man mit dem Lieferanten einen Termin aus, um auch einen niedrigeren Einstandspreis zu erhalten und dann den Verkaufspreis zu senken, erklärte Drexel das Händler-Tagesgeschäft. "Wenn wir nur die Verkaufspreise senken, ohne eine Senkung der Einstandspreise, wären wir ja in einem Jahr pleite".

Ob nach solchen Preis-Gesprächen mit Lieferanten auf Druck von Spar stattdessen die Endverkaufspreise bei den Mitbewerbern erhöht würden, konfrontierten die BWB-Vertreter Drexel mit entsprechenden E-Mails. "Das kann ich nicht wissen", entgegnete der Spar-Chef.

Die Aktionspreispolitik von Spar

Bundeskartellanwalt Alfred Mair wollte von Drexel wissen, wie Aktionspreise zustande kommen und vom wem die Initiative dazu ausgeht. Einmal wolle der Hersteller mehr absetzen und biete einen Einstandsaktionspreis an, ein anderes Mal wolle der Händler in einer Warengruppe seinen Marktanteil erhöhen und initiiere einen Rabatt, erklärte der Spar-Vorstand.

Ein Euro billiger, bedeutet 6 x so viel verkaufte Ware

Man müsse mit den Produzenten über den Aktionszeitraum und die Menge sprechen, um "nicht ein Lockvogelangebot zu liefern". Als Beispiel führte Drexel eine Wein-Aktion an: Werde bei einem Wein der "normale" Verkaufspreis von 3,99 auf 2,99 Euro gesenkt, steige die Absatzmenge um das Sechsfache. Bei einer Halbierung des Regalpreises auf 1,99 Euro werde die 46-fache Menge verkauft.

Werden Aktionen der Handelsketten abgestimmt?

Für Verwunderung beim Kartellanwalt sorgte, dass Warengruppen-Rabatte am Wochenende (-25-Prozent-Aktionen auf beispielsweise Bier oder Molkereiprodukte) bei den großen Händlern selten die selben Produktgruppen betreffen. "Das ist reiner Zufall", sagte Drexel.

Der nächste Verhandlungstag findet am 15. September statt. Als Zeuge für diesen Termin ist der Spar-Einkäufer Eduard Vonier geladen. Weitere Termine sind am 30. September, 15. Oktober und 21. Oktober vorgesehen.

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