Signa: Rene Benko zieht sich zurück – zumindest ein wenig

Signa: Rene Benko zieht sich zurück – zumindest ein wenig

Strategischer Rückzug oder lang geplantes Leisertreten? Nahezu zeitgleich mit dem Gerichtsurteil wegen versuchter verbotener Intervention gegen Signa-Gründer Rene Benko, 36, wurde die Übergabe der operativen Führung in Österreichs schillerndstem Immobilien-Konzern bekannt: Der neue Vorstandschef ist Christoph Stadlhuber; Benko wechselte als Vorsitzender in den Signa-Beirat.

Natürlich versichert der noch immer junge Immobilien-Unternehmer, die Weichenstellung habe nichts mit seiner vom Gericht bestätigten bedingten Haftstrafe (ein Jahr) zu tun. Die Rochade sei bereits am 18. Juni erfolgt, er wolle sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen, das zu sehr auf ihn fokussiert war. "Das Risiko, wenn alles zu sehr auf Einzelpersonen zugeschnitten ist, zeigen Beispiele anderer Unternehmen.” Und: "Wenn bislang die EDV nicht richtig gelaufen ist, ist das Problem am Ende meistens bei mir gelandet. Das ist jetzt anders.“ Aber Benko kommt es schon auch gelegen, dass er in dieser juristisch heiklen Situation etwas aus der Schusslinie ist.

Er will sich nun um die Strategie kümmern, um neue Projekte und sehr wohl weiterhin den Kontakt zu Investoren und Banken halten. Probleme sieht er dabei nicht: "Das ist ein rein privates Thema von mir - der Kontakt zwischen der Signa und den Banken läuft reibungslos.“

Tatsächlich deutet nichts darauf hin, dass die Erfolgsgeschichte der Signa, wie da und dort vermutet, nun abzureißen droht. Benko spricht von den vergangenen neun Monaten als den besten in der bisherigen Firmengeschichte: "Signa hat 1,5 Milliarden Euro investiert.“ Aktuell bringt man etwa gerade den Erwerb des American-Express-Towers in Frankfurt unter Dach und Fach. In Summe hat die Gruppe nun 5,5 Milliarden Euro in Immobilien gesteckt. Projekte für eine weitere Milliarde sind in der Pipeline. Der Fremdkapitalanteil beträgt knapp 60 Prozent, das ist eher konservativ. "Wir sind ganz sicher der dynamischste Immobilienkonzern in ganz Europa”, gibt sich Stadlhuber überzeugt.

Fokus auf den Handel

Der neue Signa-CEO hat eine achtjährige Erfahrung bei der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), beste Verbindungen zu Raiffeisen und zu ÖVP-Wirtschaftskreisen. Stolz verweist er darauf, dass die Signa, was das platzierte Eigenkapital anlangt, in Deutschland mit knapp 500 Millionen die Nummer zwei ist - und mehr Geld bekommt als börsenotierte Unternehmen.

Und Stadlhuber plant schon die nächsten Akquisitionen: "Wir arbeiten heuer noch ein gewaltiges Investitionsvolumen ab.“ Als nächstes Projekt steht das Filetstück A01 am Wiener Hauptbahnhof an, dessen Präsentation Mitte September erfolgen wird. Geplant ist eine Nutzung mit Geschäften in den Untergeschossen und Büros auf den höheren Ebenen.

Obwohl dieses Geschäftsmodell zuweilen Erstaunen auslöst, setzt auch Stadlhuber weiter auf Handelsimmobilien und klassische Kaufhäuser, die landläufig nicht gerade als Boombranche gelten. Signa erwirbt Liegenschaften in besten Innenstadt-Lagen und hofft, nach und nach die Mieten erhöhen zu können. Was manchmal in einem Rechtsstreit mündet: Bei der Wiener Luxusimmobilie, in der Meinl am Graben eingemietet ist, würde man gerne eine marktübliche Miete verlangen: die läge bei rund 300.000 Euro. Meinl zahlt ein Zehntel und wehrt sich hartnäckig gegen eine Anhebung. Das Haus ist ein Aushängeschild der Signa Prime, die jene Immobilien umfasst, die langfristig gehalten werden.

Auch um die künftige Nutzung der mit dem israelischen Milliardär Beny Steinmetz in Deutschland erworbenen Karstadt-Häuser und des Berliner Kaufhauses KaDeWe gibt es wilde Spekulationen. Es wird gemunkelt, die Signa warte nur darauf, dass den Kaufhäusern die Luft ausgeht, um die Immobilien dann zu höheren Preisen als Büroflächen vermieten zu können. Benko dazu: "Das KaDeWe verzeichnet durchschnittlich 60.000 Besucher pro Tag und läuft ausgezeichnet. Es stimmt, dass die Miete relativ gering ist - dafür gibt es Potenzial nach oben.“

Gestiegene Preise

Ein Beispiel dafür ist das Goldene Quartier in der Wiener City, wo jede Menge Luxusmarken hingelotst werden konnten: "Signa Prime bekommt viel höhere Mieteinnahmen als in den Vorauskalkulation berechnet. Die Mieten sind in etwa viermal so hoch wie jene, die beim Ankauf der Objekte erzielt wurden.“ Ursprünglich waren nur etwa 16 Euro pro Quadratmeter kalkuliert. Durch die Einrichtung einer Fußgängerzone sind sie auf Kohlmarkt-Niveau explodiert. Damit will Benko auch die Vermutung entkräften, das Goldene Quartier sei nur ein Prestigeprojekt, aber kein tolles Geschäft. Im Mai 2014 sperrt das Hyatt-Hotel am Hof auf und rundet die Sache ab.

Zur künftigen Strategie erklärt Benko: "Signa bleibt im deutschsprachigen Raum, den Beneluxländern und Oberitalien. Das sind stabile Märkte vor unserer Haustür, die wir gut kennen, eine Bevölkerung von 100 Millionen Einwohnern haben und mit genügend interessanten Objekten aufwarten können.“ Dass sich der Immobilienmarkt auch einmal eintrüben könnte, wird relativ gelassen gesehen. Das Signa nicht an der Börse notiert, entbinde vom Zwang zum Wachsen. Man werde dann eben weniger investieren. Die Mitgesellschafter bei der Signa Prime wie Hans Peter Haselsteiner oder die Falcon Bank drücken nichts aufs Tempo. Sie sind mit einer jährlichen Dividende von sechs Prozent sehr zufrieden. Benko: "Wenn es einmal nichts mehr zu kaufen gibt, können wir von den Mieteinnahmen noch immer sehr gut leben.“

Organigramm: Das Signa-Imperium

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