Sido, Heinzl und der ORF: Alles nur inszeniert?

Sido, Heinzl und der ORF: Alles nur inszeniert?

Im Internet machen Gerüchte die Runde, die Sido-Heinzl-Konfrontation war gesteuert. Das ist wohl Humbug, doch der ORF braucht die Provokation, um seine Quoten zu sichern.

831.000 Seher haben sich im Schnitt das Finale der „Großen Chance“ diesen Freitag live gegeben, das war eine Reichweite von beachtlichen 40 Prozent für den ORF. Zum Vergleich: Der Stratos-Sprung von Felix Baumgartner wurde von 2,3 Millionen Zuschauern gesehen, die Reichweite kam auf 59 Prozent.

Das Sieger-Duo bei der Großen Chance (Hund Esprit und Frauchen Alexandra Plank) wird den Österreichern aber weniger in Erinnerung bleiben als jene Szene, die nicht während einer Show, sondern danach passiert war: Der Faustschlag von Juror Sido gegen Gesellschaftsreporterquälgeist Dominic Heinzl. Wer´s noch immer nicht gesehen hat, hier das Video – und zwar von einem findigen Nutzer, der die berühmt-berüchtigte Szene in Zeitlupe zeigt.

Gut, das war jetzt nicht unbedingt notwendig, das nochmals zu zeigen. Sind wir deshalb quotengeil wie der ORF? Vielleicht. Aber wir haben auch keinen Bildungsauftrag zu erfüllen wie der Staatsfunk. Apropos: Im Netz kursieren Gerüchte, die ganze Sido-vs.-Heinzl-Show war nur eine solche, also eine Show. So schreibt ein User im Forum von standard.at, er halte das für ein „Drehbuch“ – und die Zustimmung zeigt ihm, dass diese Meinung offenbar geteilt wird.

Tatsächlich dürfte es nicht mehr als ein Gerücht sein, denn was hätte zum Beispiel Dominic Heinzl von einer solchen Inszenierung? Schließlich scheint er als Verlierer der Konfrontation festzustehen, von zahlreichen Beleidigungen im Internet bis zum Abbau seiner Sendung durch den ORF. Andererseits: Ein Ende der Heinzl-Sendung „Chili“ dürfte schon vor dem Sido-Schlag festgestanden haben, schließlich waren die Quoten ständig auf einem niedrigen Niveau gewesen: Im Jahresschnitt 2011 waren es nur 140.000 Zuseher (Alter 12 plus), die sich Heinzls Promi-Attacken ansehen wollten. Noch einmal durfte sich Heinzl mit einem Chili-Magazin am Samstag aber über seine „Große Chance“ im ORF freuen – hier das Video dazu in der TVthek des ORF.

Und weshalb hätte Sido bei einer solchen Inszenierung mitmachen sollen? Andererseits hat Sido ein gewisses Faible für Verschwörungen und macht sich manchmal einen Spaß daraus, die Öffentlichkeit an der Nase herumzuführen. Sein jahrelang schwelender Streit mit Bushido, einem anderen deutschen Rapper, endete 2011 verblüffenderweise und recht abrupt mit einem gemeinsamen Album namens „23“. Die deutsche Presse hat sich darüber ausgesprochen hämisch geäußert und die beiden damals vor allem als Meister im Geldverdienen bezeichnet – hier ein entsprechender Artikel im Stern .

Übrigens hatte es damals ebenfalls wilde Spekulationen im Internet über versteckte Symbole bei Sido-Bushido-Videos gegeben – wie zum Beispiel dieses etwas abstruse Video auf YouTube behauptet:

Die beiden haben natürlich entsprechende Theorien zurückgewiesen und gemeint, sie würden mit solchem Verschwörungsunsinn nur spielen.

Wie auch immer: Sidos Schlag gegen Heinzl war wohl nicht geplant. Doch der ORF hat davon ganz eindeutig profitiert, denn die Aufregung brachte neuen Zundus in die dahindümpelnde Show. Noch dazu, wo die findigen ORF-Programmmacher auch ganz genau wissen, dass solche „Zwischenfälle“ gerade über Internet-Kanäle für großes Interesse sorgen können. Und Quote ist das, was der ORF dringend braucht – das beweist auch die jüngste Ankündigung einer Stermann-Grissemann-Sendung im Hauptabendprogramm . Also: Provozieren gehört weiterhin zum Repertoire des ORF.

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