Seltsame Rechenspiele mit Glücksspielen

Seltsame Rechenspiele mit Glücksspielen

Glücksspiel ist in Österreich zum Politikum geworden – dem können sich nicht einmal unabhängige Berater gänzlich entziehen.

Andreas Kreutzer ist ernsthaft erzürnt: Der Berater, Chef von Kreutzer Fischer & Partner (kurz KFP), sparte bei einer Pressekonferenz gestern, Donnerstag, nicht mit schlagzeilenträchtigen Aussagen wie „schäbig“, „es stinkt zum Himmel“ und „Vor- und Zurück-Taktik“. Prompt haben diverse Medien seine Aussagen dankbar übernommen – in der Hitzezeit ist man für jeden Aufreger dankbar.

Dabei gilt Kreutzer sonst als besonnener Studienautor, der mit seinen Branchenradaren über die gesamte Breite und Tiefe der österreichischen Wirtschaft Auskunft gibt: Er analysiert „Betonsteinpflaster in Österreich“, „Elektroschalter & Steckdosen in Österreich“, „Sanitärarmaturen in Österreich“ oder „Sonnenschutz in Österreich“. Es gibt nichts, was KFP nicht berechnen kann.

Zorniger Branchenbeobachter

Erzürnt hat Kreutzer nun aber ausgerechnet das Thema Glücksspiel. In einer „Sonderanalyse“ namens „Der K(r)ampf der Politik mit dem Glücksspiel“ hat Kreutzer versucht, die Umsätze und Zukunftsperspektiven dieser Branche zu beurteilen – und dabei gewohntes Terrain verlassen und in Richtung Politik abgedriftet. Bei der Pressekonferenz hat er laut Nachrichtenagentur APA unter anderem gesagt, er finde es „schäbig, dass die Politik unter dem Deckmantel des Spielerschutzes versuche“, die Glücksspieleinsätze in bestimmte Bereiche“ zu kanalisieren. Er fragte sich coram publico, wer der „Treiber“ hinter dem Verbot des kleinen Glücksspiels sei und weshalb das Thema so „verpolitisiert“ sei. Und er wollte nicht ausschließen, dass „es in paar Jahren einen Glücksspiel-U-Ausschuss“ geben werde.

Der Hintergrund der Aufregung: Seit der Novellierung des Glücksspielgesetzes im Jahr 2010 wird versucht, das Automatenspiel zurückzudrängen, denn laut Experten ist hier die Gefahr einer Suchterkrankung besonders hoch. Laut Studie aus 2010 sind Automatenspielsüchtige die größte Gruppe unter den Spielkranken. Derzeit geht deshalb auch eine Sondereinheit des Finanzministeriums hart gegen illegale Anbieter vor; es wurden bisher an die 3000 Geräte beschlagnahmt.

Verbot soll „Blödsinn“ sein

Nun kommt Kreutzers Berechnung ins Spiel: Profiteure dieser Aktion scharf sei vor allem das „Monopol“ – also Casinos Austria und Österreichische Lotterien – sowie das Online-Gaming. Und dann versucht sich Andreas Kreutzer auch als Suchtexperte: Es sei ein „Blödsinn“, dass es bei einem Verbot des kleinen Glücksspiels keine Suchtproblematik mehr geben würde. Und er rechnet vor, dass bei einem bundesweiten Verbot der Spieleinsatz österreichweit nicht sinken, sondern um 210 Millionen Euro (!) steigen würde – und zwar, weil in den Spielbanken der Casinos und an den so genannten Video Lottery Terminals der Lotterien (von denen es beispielsweise in Wien noch keines gibt) um höhere Einsätze gespielt werden würde. Auf deutsch gesagt: Wer bisher im miefigen Hinterzimmer an den Automaten rüttelte, werde dann ins Casino gehen – Krawattenzwang hin oder her.

Kunden aus der Branche

Die Berechnung von Kreutzer stoßen auf wenig Verständnis bei Experten. Weshalb hat sich ein Beratungsunternehmen derart weit auf politisches Terrain vorgewagt? format.at hat Andreas Kreutzer um eine Stellungnahme gebeten. Erste Frage: War das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren für ein Unternehmen aus der Glücksspielbranche tätig? Kreutzer ließ uns per Mail folgende Antwort zukommen: Sein Unternehmen sei „für die Unternehmen der Glücksspielbranche nur im Rahmen des Branchenradar Glücksspiel & Sportwetten tätig“. Dieser Branchenradar sei eine „Multi-Client-Studie und für den freien Verkauf bestimmt“. Das bedeute, es gäbe keine bestimmten Auftraggeber, sondern die Studie werde „interessensungebunden“ und „von unterschiedlichen Unternehmen“ gekauft.

Gutes Geschäft

Es scheint jedenfalls kein schlechtes Geschäft zu sein: Laut Kreutzer kostet der „Branchenradar Glückspiel & Sportwetten in Österreich“ aktuell im Abo ganz genau „€ 4.990,- exkl. USt pro Ausgabe“.Für die oben erwähnte Sonderanalyse „Der K(r)ampf der Politik mit den Glücksspiel" werden exakt „€ 19.900,- exkl. Ust.“ verrechnet.

Und welche Kunden aus der Branche hat KFP? Kreutzer: „Dazu zählen unter anderem Casinos Austria, Österreichische Lotterien, Bwin, Novomatic oder Merkur Entertainment.“ Bei Casinos Austria, Österreichischen Lotterien und Novomatic bestehe ein aufrechtes Abo.“ Aber kann er ausschließen, dass es Überschneidungen zwischen Auftraggebern und der Arbeit an den Studien gibt? Kreutzer meint schon: „Ja, definitiv. Bei einer Multi-Client-Studie und Kunden die derartig unterschiedliche Interessen verfolgen, ist eine interessensungebundene Studienerstellung essentiell.“

Hier die Kurzfassung der KFP-Analyse auf deren Homepage – hier findet sich etwa die Umfrage unter exakt 402 Spielern, der ergeben haben soll, dass 80 Prozent der Automatenspieler trotz eines Verbots weiterspielen würden.

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