"Sein Englisch ist noch schlechter geworden, seit er hier Teamchef ist"

"Sein Englisch ist noch schlechter geworden, seit er hier Teamchef ist"

Österreich gegen Irland ist auch in sprachlicher Hinsicht ein Leckerbissen: Der irische Nationaltrainer Giovanni Trapattoni ist seit seinem "Flasche leer"-Auftritt in München der ungekrönte Kaiser der kreativen Wortschöpfungen. Mit (teils legendären) VIDEOS.

Der große Star von Irlands Fußball-Nationalmannschaft sitzt am Dienstag im WM-Qualifikationsduell mit Österreich in Dublin auf der Bank. Teamchef Giovanni Trapattoni führte die "Boys in Green" seit seinem Amtsantritt 2008 wieder in die Elite der europäischen Teams, verpasste die Qualifikation für die WM 2010 nur aufgrund des Handspiels von Thierry Henry im Play-off gegen Frankreich und löste mit Robbie Keane und Co. souverän das Ticket für die EURO 2012.

Beim Turnier in Polen und der Ukraine war für die Iren zwar mit drei Niederlagen in drei Gruppenpartien vorzeitig Endstation, dennoch erfreut sich der Italiener bei den Fans auf der Insel nach wie vor großer Beliebtheit. Dies mag abseits seiner Erfolge an seinem Geburtstag am 17. März - dem St. Patrick's Day - liegen, möglicherweise aber auch an seinen Zwiegesprächen mit Medienvertretern. Schon in seiner Zeit beim FC Bayern ("Flasche leer", "Ich habe fertig") oder in Salzburg ("Wer kann nicht machen, der sprechen. Wer kann nicht sprechen, der schreiben") sorgte Trapattoni mit legendären Wutreden für Aufsehen.

Hier ein Video des "Flasche leer"-Auftritts (zur Sicherheit inklusive Untertitel):

Auch in Irland besticht der 74-Jährige durch eigenwillige Wortkreationen. Neben dem Star-Trainer nimmt bei Pressekonferenzen regelmäßig eine Dolmetscherin Platz, die Fragen ins Italienische übersetzt. Trapattoni hätte die Möglichkeit, auf Italienisch zu antworten und die Dolmetscherin den Rest erledigen zu lassen. Dennoch repliziert er zumeist in (gebrochenem) Englisch und sorgt regelmäßig für skurrile Satzkonstrukte, so etwa mit "The cat is in the sack, but the sack is not closed", als er mit Irland kurz vor der EM-2012-Teilnahme stand.

In der Vorbereitung auf das Turnier im vergangenen Juni löste Trapattoni neuerlich Verblüffung unter den Reportern aus. Angesprochen darauf, dass er mit Irland noch nie gegen Italien verloren habe, meinte der "Maestro" in englischer Sprache: "Entschuldige, aber ich drehe mich jetzt lieber um, weil ich mir die Eier kraulen muss." Diese Redewendung bedeutet auf Italienisch so viel wie "auf Holz klopfen".

Kurz darauf verabschiedete er sich von den verdutzten Journalisten mit folgenden Worten: "Jetzt lasst mich gehen, ich bin wie eine Kuh, die 15 Liter Milch gibt. Diesmal habt ihr mir 20 Liter abgenommen." Mittlerweile hat sich in Irland für Trapattonis Englisch die Bezeichnung "Trappish" eingebürgert.

"Daily Mail"-Redakteur Colin Young, der das irische Nationalteam seit Jahren begleitet, gerät bei Pressekonferenzen von "Trap" manchmal in Verzweiflung. "Sein Englisch ist noch schlechter geworden, seit er hier Teamchef ist", erzählte der Reporter.

Trapattoni lebt in Mailand, reist nur zu den Nationalmannschafts-Zusammenkünften nach Irland und verzichtet auf Sprachunterricht. Die Folge war zuletzt, dass die Journalisten nach der Abschlusspressekonferenz vor dem Griechenland-Spiel im November nicht wussten, was Trapattoni eigentlich gesagt hatte. "24 Stunden später haben wir noch versucht herauszufinden, was seine Sätze bedeuten könnten. Wir haben uns die Tonbänder noch einmal angehört, aber es hat alles keinen Sinn ergeben", sagte Young.

Doch nicht nur die Journalisten, auch die Spieler leiden unter Trapattonis mangelnden Englisch-Kenntnissen. In den vergangenen Monaten lag der Italiener im Clinch mit Darron Gibson (Everton), James McCarthy (Wigan), James McClean (Sunderland), Kevin Foley (Wolverhampton) oder Stephen Kelley (Reading), die sich allesamt über die schlechten Kommunikationsmöglichkeit mit dem Nationaltrainer beschwerten.

Hier ein Video eines irischen TV-Senders inklusive Trappatoni-Pressekonferenz:

Gegenwind für "Il Tedesco" (der Deutsche) gab es zuletzt auch wegen seiner als zu destruktiv kritisierten Spielweise, weshalb Trapattoni gerne die Fachkompetenz der irischen Journalisten infrage stellt. Rückendeckung bekommt er dabei von Verbands-Generaldirektor John Delaney, der zuletzt sagte: "Ein schönes Spiel bleibt für 24 Stunden in Erinnerung, ein schönes Ergebnis zählt für immer." Auch ÖFB-Teamchef Marcel Koller hat für Kritik an Trapattoni wenig Verständnis. "Er ist ein Trainer mit sehr viel Fußball-Fachwissen, sehr viel Erfahrung und sehr vielen Erfolgen", betonte der Schweizer.

Tatsächlich zählt der Italiener zu den erfolgreichsten Betreuern der vergangenen Jahrzehnte. Auf seiner Visitenkarte stehen unter anderen ein Europacup der Meister, ein Europacup der Cupsieger, drei UEFA-Cups, ein Weltcup und zehn nationale Meistertitel, die er mit Clubs wie Juventus Turin, Inter Mailand, Bayern München, Benfica Lissabon oder Red Bull Salzburg gewann.

Zuletzt noch ein aktueller Aufruf von "Trap", doch ins Stadion zu kommen:

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