Sanierung gescheitert: Alpine Bau schlittert in die Insolvenz

Sanierung gescheitert: Alpine Bau schlittert in die Insolvenz

Die Bemühungen zur außergerichtlichen Sanierung der Alpine Bau sind abgebrochen worden. Die Geschäftsführung bereitet einen Antrag auf Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung vor. Zuvor hatte es aus Branchenkreisen geheißen, dass die spanische Mutter FCC den Geldhahn zudrehen wird müssen. Die Anleihen der Alpine Bau legen derweil seit Tagen einen Sturzflug hin und sind seit Mittwoch-Vormittag vom Handel ausgesetzt.

"Trotz beträchtlicher Unterstützung der finanzierenden Banken und intensiven Bemühungen des Eigentümers ist es wider erwarten nicht gelungen, die Alpine-Gruppe außerhalb eines Insolvenzverfahrens zu sanieren", heißt es in der Pflichtmitteilung der Alpine Bau.

Die Geschäftsführung bereite daher ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung vor und werde die Verfahrenseröffnung umgehend beantragen. "Auf Grund dieser Entwicklungen ist von einem Insolvenzverfahren der Alpine Holding GmbH auszugehen", betont das Unternehmen.

Insolvenzantrag eingebracht

Wie der Kreditschutzverband KSV 1870 am Mittwochvormittag mitteilte, hat die Alpine Bau GmbH nun den Insolvenzantrag beim Handelsgericht Wien eingebracht. Beantragt wird ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. Die Fortführung des Unternehmens und die Sanierung werden beabsichtigt. Der Antrag wurde am HG Wien eingebracht, weil die Alpine-Geschäftsleitung in Wien erfolge, obwohl der Sitz des Unternehmens in Salzburg liege, so der KSV 1870.

Zu den genauen Verbindlichkeiten sollen am Mittwoch noch Informationen folgen. Vorerst betroffen sind 8.500 Lieferanten bzw. sonstige Gläubiger. Die Alpine Bau GmbH alleine beschäftigt 6.483 Mitarbeiter, die gesamte Alpine-Gruppe rund 15.000 im In- und Ausland.

Im Zuge des Sanierungsverfahrens sollen auf der Grundlage eines von erfahrenen Restrukturierungsberatern erstellten Konzeptes, Teile der Bau-Gruppe mitsamt den damit verbundenen Arbeitsplätzen und Subunternehmen fortgeführt werden. Dieses Konzept soll in den nächsten Wochen von den Insolvenzverwaltern geprüft und nach Möglichkeit umgesetzt werden, heißt es weiter.

Die Alpine-Töchter brachten zuwenig

Erst im März hatte sich Alpine auf einen Rettungsplan mit seinen Gläubigern und der spanischen Mutter FCC geeinigt. Damals hatte FCC 250 Millionen Euro eingebracht, die Gläubiger hatten auf Forderungen über insgesamt 150 Millionen Euro verzichtet. Doch wegen des schleppenden Verkaufs der Töchter Alpine-Energie, der Sanierungsbautochter Hazet und der Spezialtiefbau-Tochter benötigt der Baukonzern zusätzliche Unterstützung. Von dem Verkauf der Töchter hatte sich Alpine einem Insider zufolge einen Erlös von mehreren Hundert Millionen Euro erhofft.

Rund 2.000 Jobs sind gleich weg

Die Alpine-Pleite dürfte rund 2.000 Jobs im Konzern direkt kosten. Davon ging Sozialminister Rudolf Hundstorfer Donnerstagvormittag am Rande des ÖGB-Kongresses im Gespräch mit der APA aus. Wie viele Mitarbeiter aus Zulieferbetrieben zusätzlich betroffen seien, könne man noch nicht genau abschätzen, da nicht klar sei, in welchem Ausmaß die Unternehmen von der Alpine abhängig seien. Für alle Betroffenen werden nun Arbeitsstiftungen errichtet.

Konkret sollen innerhalb eines Monats acht solcher Stiftungen etabliert werden, in allen Bundesländern außer Vorarlberg, da es dort keine Alpine-Beschäftigten gibt. Sie werden auch den Beschäftigten der betroffenen Zulieferer offenstehen, wie Hundstorfer versicherte.

Insgesamt beschäftigt die Alpine in Österreich rund 7.500 Mitarbeiter. Zwei Teilbereiche gehen aber nicht in Insolvenz, wodurch rund 1.500 Mitarbeiter ihre Jobs behalten dürften. Dazu rechnet Hundstorfer damit, dass von einer Auffanggesellschaft 4.000 Personen weiter beschäftigt werden.

Als "Glück im Unglück" sieht Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, dass die Insolvenz nun in den Sommermonaten stattfindet. Angesichts der offenen Baustellen steige nämlich so die Chance für Übernahmen und damit auch für die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter, so Mitterlehner ebenfalls am Rande des ÖGB-Kongresses auf Anfrage der APA.

Alpine-Betriebsrat erwartet Folgekosten

Der Chef des Alpine-Betriebsrats, Hermann Haneder, hat "große Sorge vor möglichen zahlreichen Folgekonkursen, die weitere zahlreiche Arbeitnehmer treffen könnten," geäußert. Den Alpine-Mitarbeitern versprach der Betriebsratschef, "alles zu versuchen, damit niemand unter die Räder gerät". Allerdings schätzte er, dass im Ausland wohl alle rund 7.500 Arbeitsplätze verlorengehen könnten und in Österreich von den etwa gleich vielen Jobs nur "4.000 bis 5.000 bleiben könnten". Zu Mittag gibt es ein Treffen mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer.

Haneder erhofft sich von dem Gespräch beim Minister, bei dem auch Vertreter des Insolvenzfonds, des Arbeitsmarktservices (AMS) und der Alpine-Personalchef dabei sein werden, "dass die nunmehr notwendige Vorgangsweise klar wird, damit wir als Betriebsrat unsere Leute informieren können". Schließlich gebe es unzählige besorgte Anrufe, vor allem jüngere Mitarbeiter, die jeden Cent brauchten würden, irrsinnige Sorgen haben.

"Wir müssen die notwendigen Schritte finden, um soviele Arbeitsplätze wie nötig zu retten", appellierte der Betriebsratschef, der auch Niederösterreichs Arbeiterkammer-Chef ist. Das Ziel einer Auffanggesellschaft für die Alpine Bau dürfe nicht aus den Augen verloren werden.

Insgesamt gestand Haneder gegenüber der APA allerdings ein, "dass mein Vertrauen angeschlagen ist, vor allem weil – und wie – es nun zur Insolvenz kam. Die Spanier (dortigen Gläubigerbanken, Anm.) haben uns fallen lassen wie eine heiße Kartoffel."

Porr an Alpine-Teilen interessiert

Der österreichische Baukonzern Porr hat Interesse an Teilen der insolventen Alpine Bau. "Die Porr ist daran interessiert, Teile der Alpine oder ein Gesamtkonstrukt für Österreich sinnvoll zu übernehmen", sagte ein Porr-Sprecher am Mittwoch zu Reuters. Gespräche hierzu würden bereits laufen.

Alpine Bau-Anleihen "unhandelbar"

Die jüngsten Entwicklungen bei dem Salzburger Baukonzern gingen logischerweise auch an den Anleihen nicht spurlus vorbei. Devise: Gute Nacht! So handelt das 2016er-Papier zuletzt bei einem Kurs von 33 Prozent. Aktuell sind die Forderungswertpapiere vom Handel ausgesetzt.

Hier die Kurse von Comdirect der Alpine Bau-Anleihe 2015 und der Anleihe mit Laufzeitende 2016

Die Alpine hat drei Unternehmensanleihen im Volumen von 290 Mio. Euro auf dem Markt, die sie seit 2010 aufgelegt hat - die jüngste davon läuft erst seit Mai 2012. Zwei Bonds haben ein Volumen von je 100 Mio. Euro, eine Anleihe umfasst 90 Mio. Euro. Die Anleihen haben eine Laufzeit von fünf Jahren und sind mit 5,25 bzw. 6 Prozent hoch verzinst.

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Alle aktuellen und historischen Unternehmens-Kennzahlen zur Alpine Bau finden Sie auf: www.trendtop500.at .
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