Salzburg: Sepp Eisl zieht sich nach der Wahl zurück

Salzburg: Sepp Eisl zieht sich nach der Wahl zurück

Mit dem Biobauern Sepp Eisl (ÖVP) wird nach der Landtagswahl das dienstälteste Mitglied der Salzburger Landesregierung von der politischen Bühne abtreten.

16 Jahre gehörte Eisl der Regierung an. Kernressort des Bauernbündlers über all die Jahre war die Landwirtschaft, zuletzt stand er aber als Chef des Personal-Ressorts im Blickpunkt der Öffentlichkeit, und zwar wegen Personalentscheidungen im Zusammenhang mit dem Salzburger Finanzskandal.

Wochenlang schoben sich SPÖ und ÖVP etwa den Schwarzen Peter zu, ob nun Landeshauptfrau Gabi Burgstaller als Chefin der Regierung oder eben Eisl für die unglücklich verlaufene (weil später wegen eines Formfehlers wieder rückgängig gemachte) Suspendierung von Eduard Paulus als Leiter der Finanzabteilung verantwortlich seien. Die Auseinandersetzung gipfelte am gestrigen Mittwoch in einem Misstrauensantrag der FPÖ, den eine Landtagsmehrheit aber abschmetterte.

"Rechte Zeit des Loslassens"

Eisl sprach von einer "rechten Zeit des Loslassens, um einem Frischen und Jüngeren Platz zu machen". Ursprünglich hätte er nach der Landtagswahl in der Regierung noch die Weichen stellen wollen, "durch den tragischen Unfalltod meines Bruders ist mir aber bewusst geworden, wie kurz unsere Zeit hier auf Erden ist. Für mich und meine Familie ist es nach diesem Schicksalsschlag klar geworden, dass ich nur eine gewisse Lebenszeit und Lebensenergie für das Land aufbringen kann. Für mich steht fest, dass ich zukünftig wieder verstärkt zu Hause in Abersee auf unserem Bio-Bauernhof aktiv sein will“, begründete Eisl.

Der Finanzskandal sei nicht der Grund für seinen Rückzug gewesen. "Was mich aber in letzter Zeit stark geschmerzt hat, ist die Führungslosigkeit und Wurstigkeit, die vorhanden ist." Frustrierend seien außerdem "der Geist der Schadenfreude" sowie "die Geisteshaltung, dass es scheinbar egal ist, was wir mit unseren Finanzen tun oder dass man Leute anlügt". "Außerdem schmerzt es enorm, dass das Land durch Misswirtschaft in Misskredit gebracht wird", spielte er auf den Vergleich Salzburgs mit Kärnten oder Griechenland an.

Wenn die ÖVP im Zusammenhang mit dem Finanzskandal einen Fehler gemacht habe, dann den, "dass wir (dem Koalitionspartner SPÖ, Anm.) zu stark vertraut haben". Auch die Anschuldigungen, die die FPÖ am Mittwoch mit ihrem Misstrauensantrag im Landtag erhoben hatte, wies der scheidende Landesrat zurück: "Die FPÖ hat ein Schuldeinbekenntnis erwartet, wo keine Schuld vorhanden ist."

Eisl kündigte an, er werde dem Land "natürlich" bis zur Angelobung einer neuen Landesregierung noch zur Verfügung stehen. Seine Nachfolge sei bereits geklärt, morgen, Freitag, werde Parteichef LHStv. Wilfried Haslauer das künftige Regierungsteam der Volkspartei - so sie wieder einer Regierung angehört - präsentieren. "Es ist jemand, der etwas vom Agrarressort versteht und bei dem die Landwirtschaft gut vertreten sein wird."

Als Erfolge seiner 16-jährigen Regierungszeit hob Sepp Eisl hervor, dass Salzburg im Bereich der biologischen Landwirtschaft "weltweit Spitzenreiter" sei. Der Anteil der Biobauern sei in den vergangen elf Jahren um sieben Prozent auf insgesamt 38 Prozent gestiegen, dies sei dreimal so viel wie im Österreichschnitt. Die biologisch bewirtschaftete landwirtschaftliche Fläche betrage rund 50 Prozent. "Mit diesem hohen Anteil liegt Salzburg weltweit an erster Stelle." Der Anteil erneuerbarer Energie in Salzburg sei seit 1997 von 32 auf 43,3 Prozent gestiegen, österreichweit liege man hier bei 31 Prozent.

16 Jahre Politik

Der Einstieg Eisls 1997 in die Politik kam für viele überraschend, nicht zuletzt für ihn selbst. Mit gerade einmal 33 Jahren wurde er jüngster Agrar-Landesrat Österreichs. Als der damalige Landeshauptmann Franz Schausberger (V) bei ihn anfragte, habe er einen "Haufen Gründe" genannt, weshalb er die Berufung nicht annehmen könne. Ausschlaggebend für sein Ja sei dann aber Schausbergers Argument gewesen, dass man nicht kritisieren könne, ohne selbst bereit zu sein, an der Gestaltung mitzuarbeiten.

In den Neo-Politiker wurden damals durchaus hohe Erwartungen gesetzt, da er als Jung-Bauer bereits sichtbare Akzente gesetzt hatte: Den elterlichen Hof hatte er von Rinder- auf Schafzucht umgestellt und mit dem Ab-Hof-Verkauf und einer Kooperation mit Handel und Gastronomie neue Wege in der Vermarktung gesetzt. Außerdem gehörte er zu jenen Landwirten, die früh auf biologische Erzeugung umgestiegen sind.

Zur unverzichtbaren Person in der Salzburger Volkspartei wurde Eisl spätestens im Jahr 2004, als Schausberger nach der Wahlniederlage das Handtuch warf und der Biobauer aus Abersee am Wolfgangsee in den Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ als einziger auf ÖVP-Seite mit Regierungserfahrung zurückblieb. Ganz allgemein wurde seine Hartnäckigkeit am Verhandlungstisch zum Markenzeichen Eisls.

Josef Eisl wurde am 27. März 1964 in St. Gilgen am Wolfgangsee geboren. Nach der Hauptschule besuchte er bis 1981 die Landwirtschaftliche Fachschule Kleßheim, 1985 absolvierte er die Meisterprüfung für Landwirtschaft. 1986 kam die Facharbeiterprüfung im Gewerbe der Molker und Käser dazu, 1989 der Forstwirtschaftsmeister. Eisl ist verheiratet und Vater sieben Kinder, vier Mädchen und drei Buben.

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