Rumänien: Schmutziger Goldrausch wirft Zwielicht auf Alfred Gusenbauer

Rumänien: Schmutziger Goldrausch wirft Zwielicht auf Alfred Gusenbauer

Ein gigantisches Bergbauprojekt in Rumänien trifft auf Widerstand von Umweltaktivisten. Im Direktorium des kanadischen Konzerns, der die Minen in Rosia Montana errichten will, sitzt Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer – er soll sich dort um „Corporate Governance“ kümmern.

Der ehemalige Bundeskanzler Alfred Gusenbauer ist wegen seiner regen Tätigkeit in der Wirtschaft derzeit Kritik ausgesetzt. So hat sein Einzug in den Aufsichtsrat des niederösterreichischen Glücksspielkonzerns Novomatic Mitte Mai für Aufsehen gesorgt. Schon vor drei Jahren waren die vielen Jobs des SPÖ-Politikers thematisiert worden. Zudem wurde Anfang dieses Monats im „profil“ von einer Ermittlung der Wiener Staatsanwaltschaft gegen Gusenbauer in der Causa Aliyev berichtet; der Ex-Kanzler hat jede Weitergabe geheimer Unterlagen vehement bestritten.

Nun könnte eine andere Funktion von Gusenbauer für Diskussionen sorgen: Er ist nämlich Mitglied des Direktoriums des kanadischen Bergbaukonzerns "Gabriel Resources" - und zwar schon seit Juni 2010. Dort ist er auch Teil eines „Corporate Governance Committee“, wie es heißt. In dieser Funktion sollte er über das Vorgehen des Konzerns in Rumänien eigentlich nicht allzu erfreut sein: In der Ortschaft Rosia Montana soll ein Goldbergwerk errichtet werden, das seit mehreren Jahren auf heftigen Widerstand regionaler Aktivisten und auch überregionaler Umweltschutzorganisationen stößt.

Gabriel Resources ist nach Auskunft von Aktivisten mit 80 Prozent an der Betreibergesellschaft beteiligt, die derzeit angeblich noch auf das Ende der Umweltverträglichkeitsprüfung und Baugenehmigung wartet. Beides, so fürchten die Umweltschützer, sollte in Kürze erledigt sein.

In Rosia Montana wurde bis 1985 von einem staatlichen Bergbauunternehmen gearbeitet, nun soll der Projektträger „Rosia Montana Gold Corporation“ (Teilhaber: Gabriel und die staatliche Minvest Deva) neue Minen anlegen. Gabriel Resources argumentiert unter anderem mit der hohen Arbeitslosigkeit in der Region , die dank des Bergbauprojekts bekämpft werden kann. Vor allem Gold soll aus den Bergen rund um Rosia Montana geholt werden, bis zu 250 Tonnen davon sollen hier lagern. Notwendig wären dafür aber Umsiedlungen. Umweltaktivisten rechnen außerdem mit dem Einsatz des Zyanidverfahrens zum Goldabbau, was aber für die Umwelt verheerende Folgen haben soll.

Die Kampagne "Salvati Rosia Montana" versucht, auf maßgebliche Akteure Druck auszuüben. Es wird an die Umweltkatastrophe von Baia Mare erinnert, als durch den Bruch eines Damms einer Aufbereitungsanlage Flüsse wie die Donau mit Schadstoffen überschwemmt wurden. Laut Aktivisten würden die Bergbau-Befürworter mit schwerem Lobbying-Gerät gegen jeden Protest vorgehen, im rumänischen Parlament wird etwa gerade um ein neues Gesetz gerungen, das die Enteignung privater Grundeigentümer erleichtern soll.

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Hier liegt Rosia Montana


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Protest-Video von Gegnern des Projekts:

Linktipp: Bericht der BBC über das Projekt .

Ergänzung : Schon im Herbst 2002 wurde von der Universität Wien ein Gutachten darüber erstellt, ob das Rosia-Montana-Projekt mit den Grundlagen der Europäischen Gemeinschaftsrechtsordnung vereinbar wäre. Das Fazit des Gutachtens: "Das im Zuge der Planung des Rosia Montana Projekts angewendete Verfahren verstößt sowohl gegen die UVP-, als auch gegen die Umweltauswirkungen-Richtlinie." Weiters hieß es, die "Methode des Zyanidgoldabbaus stellt einen Verstoß gegen die Richtlinie zum Schutz des Grundwassers dar." Und die "in Auge gefassten Maßnahmen der rumänischen Behörden gegen die Bevölkerung des Bergbaugebietes (zwangsweise Ab- bzw. Umsiedelung) widersprechen Art. 8 EMRK, die bereits jetzt für Rumänien verbindlich ist."

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