Rücktritt in Kärnten: Hier geht Kurt – das Ende der Scheuch-Brüder

Rücktritt in Kärnten: Hier geht Kurt – das Ende der Scheuch-Brüder

Kurt Scheuch ist nach der desaströsen Niederlage für seine Partei bei der Landtagswahl in Kärnten als FPK-Chef zurückgetreten. Christian Ragger soll vorerst als geschäftsführender Obmann die Freiheitlichen in Kärnten anführen.

Im Rahmen einer FPK-Pressekonferenz gab Uwe Scheuch seinen Rüchtritt als Obmann der FPK bekannt. Diese Rolle sowie den Regierungssitz des FPK wird Christian Ragger übernehmen.

Ragger und Scheuch kündigten zudem an, dass sich die Freiheitlichen in Kärnten bei Bezirksparteitagen in den kommenden Wochen und Monaten komplett neu aufstellen wollen. Mit einem Landesparteitag rechne man dann im Frühling.

Die Freiheitlichen liegen nach der Landtagswahl in Kärnten mit 17,11 Prozent nur mehr knapp über dem Ergebnis (15,97 Prozent), das die FPÖ in der ersten Wahl mit Jörg Haider an der Spitze im Jahr 1984 eingefahren hat. Mit ihrem Mega-Verlust von fast 28 Prozentpunkten haben sie den Großteil der Zuwächse der Ära Haider verspielt. Die SPÖ steht mit ihren 37,14 Prozent dort, wo sie 1994 stand (37,37 Prozent) - dem bisher letzten Jahr, in dem sie ihren seit 1945 gehaltenen ersten Platz gegen die FPÖ verteidigen konnte.

Ehrgeiziger, junger Rechtsanwalt

Obwohl erst vor wenigen Tagen 40 Jahre alt geworden, gilt Christian Ragger als "alter Hase" am politischen Parkett Kärntens. Er soll den Schaden der Scheuch-Brüder für die FPK beheben .

Bereits 1999 zog der Wolfsberger Rechtsanwalt Christian Ragger - damals für die FPÖ - in den Kärntner Landtag ein. 2008 wurde er stellvertretender Klubobmann des BZÖ, nach der Wahl 2009 wurde er Soziallandesrat. Ragger gilt als sehr ehrgeizig, nun soll er die Kärntner Freiheitlichen - die nunmehrige FPK - nach dem Totalabsturz am Sonntag stabilisieren.

Raggers Ära als Soziallandesrat in Kärnten war durchaus von Einsparungen geprägt. Für großen Wirbel sorgten etwa Kürzungen beim Heizkostenzuschuss und die Wiedereinführung des Pflegeregresses. Nach dem Rücktritt von Uwe Scheuch im vergangenen Sommer übernahm Ragger auch die Bildungsagenden, hinterließ dort aber keine bleibenden Spuren.

Ragger wurde am 20. Februar 1973 in Wolfsberg geboren. Er besuchte zuerst das katholische Privatgymnasium in St. Paul/Lav., die Matura machte er 1991 am BORG in Wolfsberg. Anschließend ging er nach Graz, um Jus zu studieren, 1994/95 machte er ein Auslandsjahr an der Universität Teramo in der italienischen Region Abruzzen. Im März 1997 spondierte er zum Magister.

Seine politische Laufbahn begann der schlagende Burschenschafter im Ring freiheitlicher Jugend. 1993 holte ihn der damalige FPÖ-Bezirksobmann Kurt Ruthofer in die FPÖ, dessen Stellvertreter er wurde. Nach der Landtagswahl 1999 zog Ragger in den Kärntner Landtag ein und wurde FPÖ-Bezirksobmann in Wolfsberg. Er ist verbindlich im Ton, in der Sache steht er aber an Härte den Scheuch-Brüdern um nichts nach.

Wie für fast alle seiner Fraktionskollegen war nach der Gründung BZÖ im April 2005 der Wechsel zu den Orangen eine Selbstverständlichkeit. Ebenso selbstverständlich machte er die "Wiedervereinigung" mit der Bundes-FPÖ - und damit den Schwenk zur FPK im Dezember 2009 - mit . Ragger ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter. Er lebt mit seiner Familie in Wolfsberg.

Beide Scheuchs sind jetzt weg

Nun ist also auch der zweite Bruder Geschichte: Kurt Scheuch (45) hat seinen jüngeren Bruder Uwe nach dessen justizbedingtem Polit-Aus im Sommer 2012 als freiheitlicher Parteichef in Kärnten und Regierungsmitglied beerbt. Am Sonntag zeigte er sich zunächst nach der krassen Wahlschlappe der Blauen entschlossen, seine Funktionen nicht herzugeben. Der Parteivorstand entschied am Montag anders und ersetzte Parteichef Kurt Scheuch durch Christian Ragger.

Vor seinem Wechsel in die Landesregierung war Kurt Scheuch seit 2005 als Klubobmann im Landtag. Er galt als ruppig bis cholerisch, Brüllen in Richtung der Redner am Pult war keine Seltenheit. Während der Monate, in denen die Freiheitlichen vorgezogene Neuwahlen durch regelmäßigen Auszug aus dem Plenum verhinderten, machte sich Scheuch über die Demonstranten lustig und verspottete sie als "Lichterlträger". In weiten Teilen der Bevölkerung galt er als unbeliebt. Im Wahlkampf hielt er sich auffallend zurück.

In die Landesregierung gewechselt, tauschte Scheuch das Halstuch, das bis dahin als sein Markenzeichen galt, durch eine Krawatte aus und hielt sich bis in den Wahlkampf mit öffentlichen verbalen Ausritten zurück. Dafür sorgte er mit einem skurrilen youtube-Video für Aufsehen und Kopfschütteln. Mit Schlange, Spinne und Skorpion posierte er in seinem Büro in der Landesregierung und zeigte eine Krieger-Tätowierung auf dem nackten Rücken. Auch bei der Jagd auf ein Phantom-Krokodil in der Drau, das weder gefunden wurde, dessen Existenz nie bewiesen wurde, trat Scheuch in den Vordergrund.

Der Großbauer und Kiesunternehmer aus Mühldorf im Oberkärntner Bezirk Spittal an der Drau ist wie sein jüngerer Bruder Uwe schon lange in der FPÖ, im BZÖ und dann in der FPK aktiv. Die Brüder stammen aus stramm rechtem Hause und galten als eiserne Haider-Getreue. Kurt erlangte bundesweit Bekanntheit, als er bei einem Treffen der Haider-Getreuen in Knittelfeld ein von Haider und der damaligen Parteichefin und Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer ausgehandeltes Papier auf offener Bühne zerriss.

Nach einigen Jahren in der Kärntner Landwirtschaftskammer zog Kurt Scheuch im April 1999 in den Bundesrat ein, wechselte aber bald in den Nationalrat, wo er Sprecher der Kärntner FPÖ-Mandatare war. Daneben fungierte er als Landesgeschäftsführer der Kärntner FPÖ. Nach dem schlechten Abschneiden der Partei bei der Nationalratswahl 2002 legte Scheuch diese Funktion zurück. So manche prophezeiten sein baldiges Karriere-Ende, zumal er im Nationalrat seinem Bruder Platz hatte machen müssen. Doch schon im April 2003 zog er in den Kärntner Landtag ein. Nach dem Erfolg bei der Landtagswahl Jahr 2004 wurde er im Alter von nur 36 Jahren Dritter Landtagspräsident.

FPK sicher nicht in der Regierung

Aus dem Spiel ist die FPK bereits vor den Regierungsverhandlungen in Kärnten. Denn schon vor der Wahl war klar, dass keine andere Partei mit der FPK zusammenarbeiten will. Zudem geht sich eine Mehrheit für Noch-Landeshauptmann Gerhard Dörfler nicht einmal dann aus, wenn Blau mit Schwarz, Orange und Team Stronach einig würde. Gerhard Köfer hat zudem geradezu gebetsmühlenartig verlauten lassen, dass seine Partei mit niemandem eine Koalition eingehen werde. Die Orangen mit ihren drei oder zwei Mandaten, je nachdem, wie die Wahlkartenauszählung verläuft, spielen in den diversen Koalitionsspekulationen keine Rolle.

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