dayli: Rudolf Haberleitner setzt 630 Mitarbeiter vor die Tür

dayli: Rudolf Haberleitner setzt 630 Mitarbeiter vor die Tür

Die Nahversorgungskette dayli (vormals Schlecker) steckt doch in ärgeren Turbulenzen, als es Eigentümer Rudolf Haberleitner bislang zugeben wollte. Ein internes Schreiben an die Mitarbeiter offenbart nun deftige Einschnitte.

dayli gab heute intern bekannt, dass 180 der 885 Filialen in Österreich geschlossen werden müssen. Dadurch werden 560 Mitarbeiter beim AMS angemeldet. Dem nicht genug verlieren weitere rund 70 Mitarbeiter im Zentrallager Gröbming in der Steiermark ihren Job.

Eine Ausrede hat Haberleitner dafür auch schon parat: Er schiebt die Verantwortung dieser Personalmaßnahmen auf die "negative Berichterstattung" der Medien und die Blockade der Gewerkschaft berzüglich Sonntagsöffnung.

Erst gestern widersprach Haberleitner den medial kolportierten Insolvenzgerüchten : "Davon kann gar keine Rede sein. Wir haben keine Kredite und nur Lieferantenverbindlichkeiten", betonte Haberleitner. "Es gibt auch kein Zahlungsmoratorium, das ist ein Unsinn." Wahr sei lediglich, dass man die Lieferanten um längere Zahlungsziele ersucht habe, und man sei "mit allen Lieferanten im besten Einvernehmen". Berichte über eine drohende Insolvenz seien kreditschädigend, klagte Haberleitner, "so kann eine Insolvenz entstehen".

GPA: Haberleitner soll Polemiken unterlassen

Karl Proyer von der Gewerkschaft der Privatangestellten hat nach den angekündigten Filialschließungen samt zu erwartendem Jobabbau bei dayli eine klare Botschaft an Haberleitner: "Er soll Verantwortung für die Beschäftigten übernehmen und seine Polemiken unterlassen", so der Gewerkschafter Mittwochnachmittag zur APA.

Die Gewerkschaft sichere "volle Unterstützung" für allfällige Maßnahmen wie eine Arbeitsstiftung oder einen Sozialplan zu. Noch wurden keine Kündigungen ausgesprochen, die Anmeldung der 560 Beschäftigten beim Arbeitsmarkservice (AMS) sei ein Frühwarnsystem.

Ab jetzt habe dayli einen Monat Zeit, "seine Verantwortung gegenüber den Beschäftigten zu wahren", so Proyer. Innerhalb dieser Zeit dürften keine Dienstverhältnisse beendet werden. Für die Beschäftigten gibt es also noch Hoffnung.

Erforderliche Finanzierungen konnten nicht aufgestellt werden

Welche 180 Filialen geschlossen werden, ist noch nicht bekannt. "Je nach Bundesland muss man schauen, ob man die Mitarbeiter weitervermitteln oder in bestehende Stiftungen integrieren kann", sagte der Sprecher des Sozialministeriums, Norbert Schnurrer. dayli stellte eine Wiedereinstellung der beim AMS angemeldeten Beschäftigten in Aussicht, sollten die derzeit laufenden Verhandlungen mit Partnern sowie mit ausländischen Banken und Warenkreditversicherern positiv ausgehen.

In Österreich sei es dayli nicht möglich gewesen, die erforderlichen Finanzierungen bei österreichischen Banken und Warenkreditversicherern aufzustellen, gab die Firma Mittwochnachmittag in einer Aussendung bekannt. Im April sprach das dayli-Management noch von einem Finanzbedarf von 114 Mio. Euro allein für 2013, um in den Umbau bestehender Filialen sowie in Neueröffnungen investieren zu können. Schon damals stellten die Chefs klar, dass der Glücksspielkonzern Novomatic finanziell nicht unter die Arme greifen werde.

Ereignisse überschlugen sich

Die Pläne von dayli waren von Beginn an ambitioniert, zu ambitioniert, wie Branchenkenner meinen. Nach der Schlappe rund um die Sonntagsöffnung überschlugen sich in der vergangenen Woche die Meldungen. Zuerst wurde bekannt, dass die Drogeriekette seine Lieferanten um einen Zahlungsaufschub gebeten hat, kurz darauf gab Miteigentümer Novomatic seinen Ausstieg bekannt. Für Aufregung sorgte zuletzt auch die Einschätzung von Kreditschützern über eine drohende Insolvenz, die Haberleitner empört zurückwies.

Haberleitner macht Politik, Gewerkschaft und Medien für die Misere verantwortlich: In der heutigen Aussendung ist von "Boykotten und Gesetzesänderungen gegen dayli" sowie von "negativer und unrichtiger Berichterstattung" die Rede. Ursprünglich hatte der Investor vor, in allen 885 österreichischen Filialen sonntags aufzumachen. Eine Gesetzesänderung vereitelte diesen Plan. Die Gewerbeordnung wurde dahingehend geändert, dass der sonntägliche Warenverkauf mit Gastgewerbekonzession nur dann erlaubt ist, wenn der "Charakter des Betriebes als Gastgewerbe" auch tatsächlich gegeben ist.

Im Zuge der Diskussionen um die Sonntagsöffnung seien ungeplante Verluste in zweistelliger Millionenhöhe entstanden, gab dayli heute bekannt. "Wenn jemand ein Konzept auf Rechtsbruch und fragwürdigen Grauzonen aufbaut, darf er sich nicht wundern", gibt sich Gewerkschafter Proyer unbeeindruckt.

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