Rauchpausen sollen als Freizeit gelten

Rauchpausen sollen als Freizeit gelten

Am morgigen Dienstag gehen die Kollektivvertrags-Verhandlungen mit dem Fachverband der Maschinen-und Metallwarenindustrie in die dritte Runde. Zum ersten Mal wird über eine konkrete Lohnforderung verhandelt, die Arbeitnehmer fordern eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 100 Euro auf die Ist-Gehälter, mindestens jedoch eine Erhöhung um 3,4 Prozent.

Verhandelt werden die Löhne und Gehälter von 120.000 Beschäftigten, die Gespräche für die weiteren 60.000 Metaller der übrigen fünf Metaller-Fachverbände starten in den nächsten Tagen.

Heute ist die Industrie mit einer der Öffentlichkeit noch nicht bekannten Forderung an die Beschäftigten herangetreten: Die kollektivvertragliche Definition der Rauchpausen als Unterbrechung der Arbeitszeit. An der Forderung nach längeren Arbeitszeiten bei Bedarf wurde festgehalten. Die Gewerkschaften sehen darin eine Kürzung der Überstundenzahlungen.

Die Arbeitnehmer haben sich bereits vor einer Woche bei einer Betriebsrätekonferenz kämpferisch gegeben, sie fühlen sich von den Industriellen nicht ernst genommen. Die Arbeitgeber wiederum sehen im Säbelrasseln der Gewerkschaften lediglich eine "Mitgliederwerbung". Einig sind sich beide Seiten nur, dass sich die andere Seite bewegen muss. Im Vorjahr waren vier Verhandlungsrunden für eine Einigung erforderlich.

Bis dato spießt es sich noch an Grundsätzlichem. Bis heuer war es üblich, die Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate als Verhandlungsbasis heranzunehmen. Das wären laut Gewerkschaft 2,4 Prozent. Die Arbeitgeber hingegen gehen von der aktuellen Inflationsrate aus, zuletzt nannten sie 2,1 Prozent. Die von den Arbeitnehmern geforderten 3,4 Prozent Lohnerhöhung bezeichnete Fachverbandsobmann Christian Knill heute in einer Aussendung als "Sprengsatz".

Bereits zuvor hatten die Arbeitnehmervertreter Rainer Wimmer (Pro-Ge) und Karl Proyer (GPA) der Industrie ausgerichtet, dass sie nicht daran zweiflen sollten, dass die Beschäftigten kampfbereit sind. "Sollte es wieder in der bisherigen Tonart weitergehen, so sollten die Arbeitgeber keinen Zweifel haben, dass wir auf einen dann notwendigen Arbeitskampf gut vorbereitet sind", so die beiden Verhandlungsführer auf Gewerkschaftsseite.

Nach den Fachverband Maschinen- und Metallwarenindustrie starten am 16. Oktober die Beschäftigten der Nichteisen-Metallindustrie ihre KV-Runde. Es folgen Bergbau Stahl (17. 10.), Gas- und Wärmeunternehmen (18. 10.), die Fahrzeugindustrie (21. 10.) und die Gießereiindustrie (21. 10.). Im Bereich Bergbau-Stahl gab es bereits eine Gesprächsrunde, die 2. Runde findet am 25.10 statt.

Ebenfalls bereits angelaufen sind die Kollektivvertrags-Verhandlungen für das Metallgewerbe. Im Gegensatz zur Industrie verhandeln hier alle Verbände gemeinsam.

Am morgigen Dienstag starten auch die Kollektivvertrags-Gespräche für die 534.000 Handelsangestellten. Sie schließen traditionell etwas schwächer ab und sind gewerkschaftlich weniger stark organisiert als die Metaller. Zum Vergleich: Der Mindestlohn in der Metallindustrie beträgt 1.636 Euro, im Handel sind es 1.400 Euro.

Die beiden Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS erwarten heuer eine Inflationsrate von 2,0 bis 2,1 Prozent, nach 2,4 Prozent im Vorjahr. Kommendes Jahr soll die Teuerungsrate bei 1,9 Prozent liegen. Ein Lohn- und Gehaltsabschluss mit einer geringeren Einkommenssteigerung würde einen realen Lohnverlust bedeuten.

Die Elektro- und Elektronikindustrie, die früher auch Bestandteil der Metaller-Herbstlohnrunde war, hat bereits im April den Kollektivvertrag abgeschlossen. Nach drei Runden einigte man sich auf eine Erhöhung der Ist-Löhne und -Gehälter zwischen 2,8 und 3,0 Prozent.

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