Radikalkur bei der ÖVAG

Radikalkur bei der ÖVAG

ÖVAG-Chef Stephan Koren spricht von einem "signifikanten Personalabbau". Es gehe um etwa 1.100 Stellen. In seinem ersten Medienauftritt nach Amtsantritt im September nannte Koren nun den von der EU-Kommission vorgegebenen Zeitplan, wie der weitere Abbau von Beteiligungen und Bilanzvolumen vonstatten gehen muss. Die Mitarbeiter wurden gestern Nachmittag im Detail informiert.

Die Bank musste im April mit Kapitalschnitt und Staatseinstieg vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Um einen abermaligen Milliardenverlust wegzubrigen, musste das Kapital herabgesetzt werden. Bis dahin eingeschossenes Bundesgeld war weg - also 700 Millionen einer 1-Milliarden-Spritze von 2009. Auch die bisherigen Aktionäre mussten den Großteil ihres Kapitals abschreiben. Zugleich stemmte der Bund die Hälfte einer neuen Kapitalerhöhung und ist seither neben 300 Mio. Euro verbliebenem Partizipationskapital mit 43 Prozent direkt am Aktienkapital beteiligt.

Nach heutigem Stand will Koren mit dem bisherigen Staatsgeld das Auslangen finden. Sollte sich die Lage an den Märkten nicht deutlich verschlimmern, seien die Kredite ausreichend bevorsorgt. Klar sei aber, dass ein Abbau immer mit erheblichen Risiken verbunden sei. Alles geschehe in einem sehr engen Zeitkorsett. So sei zu beachten, dass Verluste bei Verkäufen nicht so hoch ausfielen, dass die Kapitalbasis zerstört werde.

Ausschließen kann Koren freilich nicht, dass irgendwann noch ein Staatsgeld-Nachschlag nötig wird. "Wir gehen auch nicht davon aus, dass plötzlich reinschneit, dass wir 2 bis 3 Prozent mehr Eigenkapital brauchen", sagte der Banker. Denn "das wäre ein Problem."

Der größte Teil der Stellen soll durch Verkäufe von Sparten/Töchtern aus der ÖVAG-Payroll herausfallen. Allein rund 700 der auf der ÖVAG-Streichliste erfassten rund 1.100 Stellen sind in der Volksbank Leasing International. Für diese 50-Prozent-Tochter ist die EU-Deadline für den Verkauf Ende 2014. Die betroffenen Mitarbeiter kämen dann beim Käufer unter.

"Abbaubereich"

Weitere 200 Mitarbeiter zählen zum so genannten "Abbaubereich", also Rückzugsgebiete in der Hypothekenkredit- und Unternehmensfinanzierung, der zügig vorangehen soll. Dieser Jobabbau stand schon länger fest. In der ÖVAG-Bankzentrale selbst, im Backoffice, werden nun jedoch weitere 200 Leute ihren Job verlieren. "Die Organisation der Bank steht in jeglicher Weise auf dem Prüfstand", sagte Koren. Am schwierigsten werde wohl der Abbau des Immobilienportfolios. Ob die Bankzentrale in Wien mitverkauft wird, ist bisher nicht entschieden.

Bis Ende 2015 hat die ÖVAG Zeit bekommen, die - vom Verkauf der Ostbanken an die Sberbank ausgenommene - Rumänien-Tochter zu verkaufen. Laut ÖVAG-Vizechef Michael Mendel sind hier "die Risken adressiert". Bei vernünftigem Marktumfeld sollte diese Bank verkaufbar sein. Die Rumänien-Tochter selbst ist in der ÖVAG-Bilanz auf einen Euro abgeschrieben und "entkonsolidiert". Sie war im Halbjahr noch negativ. Abzustoßen hat die ÖVAG auch ihre Bank in Malta. Das ist aber nur ein kleiner Fisch, wie betont wird. Sie könnte man gegebenenfalls auch zusperren.

Für die Verkäufe von Banktöchtern müssen wie international üblich Berater beauftragt werden. Dazu gibt es aber noch keinerlei Festlegungen.

Für den Verkauf des Aktienpakets an der Raiffeisen Zentralbank (rund 5 Prozent) könnte in drei Wochen ein entscheidendes Datum sein. Die ÖVAG will das Paket schon länger versilbern, ein Deal mit Raiffeisen Niederösterreich scheiterte voriges Jahr. Bis 15. Oktober soll sich jetzt entscheiden, ob man mit Raiffeisen handelseins wird. Andernfalls hätte die ÖVAG Zeit, bis 2016 das RZB-Paket zu verkaufen - und dann auch an irgendwen. Würde Raiffeisen das RZB-Paket jetzt aufgreifen, wäre damit auch einer Abmachung zur ÖVAG-Rettung vom Februar Genüge getan, mit Hilfe von Raiffeisen weitere 100 Mio. Euro Eigenkapital in der ÖVAG freizuschaufeln und 500 Mio. Euro "Liquiditätseffekt" zu schaffen. So weit scheinen die Verhandler aber nicht zu sein. Als Alternative böte sich laut ÖVAG deshalb an, dass Raiffeisen die ÖVAG um eine Milliarde an Krediten (RWA) entlastet, was die Kapitalunterlegung bei der Volksbanken AG entsprechend verringern würde.

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