Panik vor Öko-Trucks

Panik vor Öko-Trucks

Die Halden der Lkw-Händler sind leergeräumt. Die Frächter haben sich vor der Einführung der neuen Ökolimitis 2014 noch mit deutlich billigern Trucks eingedeckt.

Die Lkw-Branche erlebt seit Anfang September einen Boom wie es die Branche selten erlebt hat - und das mitten in der Krise. Denn praktisch in letzter Sekunde wollten sich viele Kunden noch einen Lkw der aktuellen Euro-Norm-5 sichern. Laut Schätzung von Experten wurden in Österreich seither zwischen 400 und 500 Lkws dieser Sicherheitsstufe zusätzlich verkauft. Ein erhebliches Volumen, liegt doch der jährlich Absatz nicht höher als bei rund 6.000 Lastwagen. "Die Händler sind bei diesen Modellen in Österreich praktisch ausverkauft“, erklärt Christian Teichmann, Chef von Scania Österreich. Damit dürfte der Markt, trotz bis dahin leichten Einbußen, im Gesamtjahr mit einem blauen Auge davonkommen.

Bis zu 10.000 Euro höhere Preise.

Der Run auf die schweren Brummer hat einen guten Grund: Ab 1. Jänner 2014 müssen alle Lkws die neue Euro-6-Norm erfüllen und das bedeutet für die Frächter und Spediteure deutlich höhere Kosten pro neuem Lastwagen. Denn im Schnitt verlangen die Hersteller für die neuen Modelle pro Fahrzeug zwischen 6.000 und 10.000 Euro mehr als für die aktuellen Euro-5-Modelle. Auch die Servicekosten werden steigen. Volvo Trucks Österreich-Chef Herbert Spiegel rechnet mit zusätzlichen jährlichen Kosten von rund zwölf Prozent.

Der massive Preisanstieg rührt von Milliardeninvestitionen her, die die Branche getätigt hat, um die neuen, extrem hohen Umweltstandards der EU zu bewältigen. "Im Schnitt hat jeder Hersteller rund eine Milliarde Euro investiert“, erklärt Teichmann. Bei Volvo Trucks und Renault Trucks waren es gemeinsam gar vier Milliarden Euro. Die EU fordert nämlich, dass die Hersteller bis 2014 einen gewaltigen Kraftakt vollzogen haben und bei allen neu zugelassen Lkws die gefährlichen Abgase auf ein Minimum reduzieren. So müssen aktuelle Stickoxidemssionen um 95 Prozent gedrosselt werden, der Ausstoß von Kohlenmonoxid um 67 Prozent. Kohlenwasserstoff wird um 88 Prozent reduziert und Partikel um 97 Prozent. Gute Aussichten also für Mensch und Umwelt.

Technische Revolution bei Lkws.

"Noch nie in der Geschichte der Branche wurde so ein hoher technischer Aufwand betrieben“, resümiert Herbert Spiegel, Geschäftsführer von Volvo Trucks Österreich. Um den hohen Anforderungen gerecht zu werden, musste etwa bei Volvo der Motor komplett neu entwickelt werden, bei Scania reichte es, die bestehenden Motoren deutlich zu verbessern. Die Auspuffsysteme wurden von Grund auf neu konzipiert. Spiegel: "Statt eines Auspuffs ist da hinten nun ein Chemiewerk, das die Luft mit Hilfe komplexer technischer Vorgängen von Giftstoffen nahezu befreit.“ Eine weitere Besonderheit: Der Auspuffe sind mit Sensoren versehen. Sobald es zu einem Defekt kommt und die Normen nicht mehr eingehalten werden, wird der Motor immer langsamer und lässt sich ab einem gewissen Punkt nicht mehr starten - sofern das Problem nicht behoben wird.

Lkws werden durch neue Technik erheblich schwerer

Die vielen neuen Technikkomponenten haben jedoch auch einen negativen Effekt: Die Fahrzeuge werden im Schnitt um 400 Kilo schwerer. Das soll sich jedoch laut Angaben der meisten Lkw-Bauer nicht auf den Spritverbrauch auswirken. Wie gut jeder der Hersteller die technischen Hürden tatsächlich gemeistert hat, wird sich zeigen. Die neue Ausgangsbasis könnte sogar dazu führen, dass die Karten in der Branche neu gemischt werden.

Bisher beherrscht Mercedes in Europa die Straße, Volvo und MAN fahren dicht hinterher. "Marktverschiebungen sind nach dieser technischen Umwälzungen gut möglich. Entscheidend wird sein, welche Modelle bei Qualität, Langlebigkeit und Verbrauch die besten Werte erzielen“, so Scania-Boss Teichmann.

Volvo Trucks ging mit Euro-6-Modellen schon vor eineinhalb Jahren an den Start

Der schwedische Hersteller, der vor eineinhalb Jahren einer der ersten Euro-6-Modelle auf den Markt brachte und dessen Kunden bis zu einer halben Million Kilometer pro Truck heruntergespult haben, sieht sich gut positioniert. Doch für den Beginn des Jahres 2014 bleiben die Erwartungen verhalten. Volvo-Truck-Boss Spiegel: "In den ersten beiden Quartalen wird das Volumen wegen der Vorziehkäufe fehlen.“

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