Österreicher sehnen sich nach starkem "Führer"

Österreicher sehnen sich nach starkem "Führer"

Erschreckendes Ergebnis einer Studie des Wiener SORA-Instituts anlässlich des Jahrestages zur bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am Ende des Zweiten Weltkriegs: 29 Prozent der Österreicher wünschen sich einen autoritären Machthaber.

29 Prozent der Österreicher sind offenbar unzufrieden mit der derzeitigen Politik und wünschen sich einen "starken Führer" an der Spitze des Staates. 42 Prozent sehen Österreich als "erstes Opfer" des Nationalsozialismus, Insgesamt 1.015 Österreicher wurden im Jänner und Februar zu ihrem Geschichtsbewusstsein befragt. Laut SORA-Institut hängen die Antworten stark mit dem Bildungsgrad der Befragten zusammen.


Bild: SORA

Dennoch zeigte die Studie im Auftrag des Zukunftsfonds, die am Mittwoch präsentiert wurde, ein "kritischeres Bewusstsein" gegenüber dem Nationalsozialismus. Mehr als die Hälfte wünscht sich aber auch das Ende der Diskussion über den Holocaust.

1.015 Österreicher wurden von SORA von Jänner bis Februar 2014 zu ihrem Geschichtsbewusstsein befragt, wobei auch positive Entwicklungen zutage gefördert wurden: So sieht rund die Hälfte der Befragten "nur Schlechtes" bzw. "großteils Schlechtes" durch den Nationalsozialismus. 36 Prozent der Befragten sind der Meinung, die NS-Zeit habe "sowohl Gutes als auch Schlechtes" für Österreich gebracht, immerhin noch 3 Prozent sehen "großteils" positive Auswirkungen. Verglichen mit einer Studie aus dem Jahr 2005 sehe man die NS-Zeit negativer, betonten die Autoren.

42 Prozent sind der Meinung, dass Österreich das "erste Opfer" des NS-Regimes war

Nach wie vor finden 42 Prozent der Österreicher die Formulierung richtig, dass Österreich das "erste Opfer" des Nationalsozialismus gewesen sei. Signifikante Unterschiede bei der Beantwortung ortet Martina Zandonella von SORA in der jeweiligen Bildung der Befragten - Österreicher mit höherem Schulabschluss seien dem Nationalsozialismus deutlich negativer eingestellt als jene mit geringerer formaler Bildung. Ebenso verhalte es sich mit der jeweiligen "Verunsicherung" der Befragten, diese hätten etwa eine größere Sehnsucht nach autoritären Systemen und seien politisch eher der FPÖ zugeneigt.

Wirtschaftliche Situation ist Ursache für "Führer-Wunsch"

Obwohl 85 Prozent der Aussage "sehr" oder "ziemlich" zustimmten, dass es sich bei der Demokratie um die "beste Regierungsform" handle, wünschen sich 29 Prozent einen "starken Führer, der sich nicht um Wahlen und Parlament kümmern muss". Auch dafür sieht der Historiker Oliver Rathkolb hohe Verunsicherung etwa aufgrund der schlechten Wirtschaftslage: "Die sozioökonomisch verursachte Apathie führt zu einer Führersehnsucht." Die Antwort darauf müsse die Politik geben, meint Günther Ogris von SORA. "Es fehlt eine klare Zukunftsvision", sieht er die Parteien gefordert.

Wunsch nach Ende der Debatte über Holocaust

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Trotz zunehmenden Geschichtsbewusstseins sehnen sich mehr Österreicher nach einem Ende der Debatte über Nationalsozialismus und Holocaust. Insgesamt stimme etwas mehr als die Hälfte dieser Forderung zu, in der Gruppe der "Verunsicherten" waren dies knapp zwei Drittel. Die Studienautoren sehen in diesem Vorgang vor allem eine "Historisierung" des Themas, die Erinnerungskultur sei vor allem in der jüngeren Generation ein abnehmendes Anliegen.

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