"Österreich ist im Worst-Case-Szenario eindeutig gefährdet"

"Österreich ist im Worst-Case-Szenario eindeutig gefährdet"

William Jackson von der Londoner Analystenfirma Capital Economics meint, dass eine Staatspleite Sloweniens auch Österreich in Mitleidenschaft ziehen könnte. Aber: "Es wäre ziemlich einfach für den IWF und die EU, zu Hilfe zu kommen", womit die Risiken für den heimischen Bankensektor "begrenzt" seien.

Eine mögliche Staatspleite Sloweniens würde Österreich nach Ansicht von Analysten am stärksten gefährden. "Österreich ist im Worst-Case-Szenario eindeutig gefährdet, weil sein Bankensystem am stärksten in Slowenien exponiert ist", sagte William Jackson von der Londoner Analystenfirma Capital Economics am Montagnachmittag gegenüber der APA. Allerdings seien die Risiken überschaubar, weil Slowenien eine kleine Volkswirtschaft sei.

Bei einem Bruttoinlandsprodukt von 35 Mrd. Euro ließe sich ein Bail-out Sloweniens mit dem vergleichsweise geringen Betrag von 5 Mrd. Euro bewerkstelligen. "Es wäre also ziemlich einfach für den IWF und die EU, zu Hilfe zu kommen", betonte Jackson auf APA-Anfrage. Dies bedeute auch, dass die Risiken für den österreichischen Bankensektor "begrenzt" seien, so Jackson. Die heimischen Banken seien etwa in Ungarn viel stärker exponiert als in Slowenien.

Der slowenische Ministerpräsident Janez Jansa hatte am Freitag eingeräumt, dass Slowenien möglicherweise nur noch für wenige Wochen Geld habe. Scheitere eine für Oktober geplante Anleihenemission, drohe Slowenien die Zahlungsunfähigkeit, sagte der konservative Ministerpräsident.

Jackson bezifferte den Kapitalbedarf der slowenischen Regierung bis Ende 2013 auf 3,5 Mrd. Euro - zur Abdeckung des Budgetdefizits, für den Zinsendienst sowie die Rückzahlung auslaufender Anleihen. Zwar habe die Regierung Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung gesetzt, doch ungeachtet aller Anstrengungen hängt es "nicht mehr von ihr ab, ob sie letztlich ohne Hilfe von IWF oder EU auskommen wird", meinte der Analyst.

Dafür gebe es zwei Gründe: Erstens könnte eine neuerliche Zuspitzung der Euro-Krise die Zinsen für slowenische Staatsanleihen wieder über die kritische Grenze von sieben Prozent treiben, zweitens gebe es "viele Unsicherheiten" im slowenischen Bankensystem. Der Rekapitalisierungsbedarf aufgrund fauler Kredite werde auf 3 bis 4 Mrd. Euro geschätzt (10 Prozent des BIP). Wenn die Märkte zur Einschätzung gelangen, dass die Rekapitalisierung der Banken nicht ohne Regierungshilfe bewerkstelligt werden kann, könnte dies "einen Ausverkauf von Anleihen" auslösen.

Die weitere Wirtschaftsentwicklung Sloweniens sieht der Experte für die mittel- und osteuropäischen Emerging Markets düster. Das Land stehe vor mehreren Jahren Budgetkonsolidierung, die zu einem Teufelskreis aus schwachem Wirtschaftswachstum, geringeren Staatseinnahmen und zusätzlichen Konsolidierungsbedarf führe. Auf die Frage, ob der Euro möglicherweise eine zu starke Währung für Slowenien sei, äußerte sich Jackson zurückhaltend. Aufgrund der historischen Erfahrung sei zu erwarten, dass Slowenien in größerem Ausmaß als andere Euro-Staaten einer Austeritätspolitik und einer "internen Abwertung" (Lohnzurückhaltung) verpflichtet sei.

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