Österreich: Arbeitslosigkeit steigt!

Österreich: Arbeitslosigkeit steigt!

Die Anzahl der vorgemerkten Arbeitslosen ist in Österreich per Ende Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 9,0 Prozent oder 20.818 Personen auf 251.895 angestiegen.

Der Rekord-Höhenflug bei den Arbeitslosenzahlen hat sich aufgrund der schwachen Wirtschaftsentwicklung auch im Mai fortgesetzt. Am stärksten war der Anstieg bei exportorientierten Betrieben - vor allem im Metallbereich sowie im Fahrzeug- und Maschinenbau - und in der Bauwirtschaft sowie bei älteren und ausländischen Arbeitnehmern.

Die Anzahl der vorgemerkten Arbeitslosen ist per Ende Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 9,0 Prozent oder 20.818 Personen auf 251.895 angestiegen. Zusätzlich wuchs die Zahl der Schulungsteilnehmer um 7.776 (+11 Prozent) auf 78.414. Damit waren insgesamt 330.309 Personen in Österreich ohne Job und um 9,5 Prozent mehr als im Mai 2012.

"Die europäische Wirtschaft ist nach wie vor unterkühlt, das hat auch Folgen auf den österreichischen Arbeitsmarkt", so Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) am Montag in einer Aussendung. Hundstorfer rechnet auf Grundlage aktueller Wirtschaftsprognosen "ab dem Herbst mit leichter Entspannung und einem allmählichen Anziehen der Konjunktur."

"Dringender Handlungsbedarf"

Die Industriellenvereinigung warnte in einer Reaktion auf die aktuellen Arbeitslosenzahlen vor den steigenden Arbeitskosten hierzulande: Österreich habe einen "dringenden Handlungsbedarf", so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer in einer Aussendung. Während die Arbeitskosten in der Eurozone von 2008 bis 2012 durchschnittlich um 8,7 Prozent angestiegen seien, habe Österreich mit 15,5 Prozent einen deutlich überdurchschnittlichen Anstieg verzeichnet. Die Arbeiterkammer forderte erneut einen "Überstunden-Euro": "Es ist höchste Zeit, in Beschäftigung zu investieren und gleichzeitig Arbeit fair zu verteilen", sagt der AK-Präsident Rudolf Kaske. Das Geld aus dem "Überstunden-Euro" sollten die Unternehmen dann an die Sozialversicherung zahlen.

Scharfe Kritik an der heimischen Arbeitsmarktpolitik übten die Oppositionsparteien. Es sei "kein Ende der negativen Entwicklung am heimischen Arbeitsmarkt absehbar und gleichzeitig lasse sich die Regierung für ihre 'aktive' Arbeitsmarktpolitik abfeiern", polterte der freiheitliche Generalsekretär Herbert Kickl. "Monatlich würden die gleichen Kommentare zu immer schlechter werdenden Zahlen abgegeben". Für die Grünen gehen "Qualifizierungs- und Beratungsmaßnahmen ins Leere, wenn immer mehr Arbeitsplätze verloren gehen und tausende Menschen wie bei 'Siemens' und 'dayli' eine drohende Entlassung fürchten". Mit einer steuerlichen Entlastung des Faktors Arbeit, Investitionen in krisenfeste Jobs und einer Arbeitszeitverkürzung müsse rasch gegengesteuert werden, forderte die Grüne-Arbeitnehmersprecherin Birgit Schatz.

BZÖ-Chef Josef Bucher wünscht sich einen "sofortigen Masterplan gegen die Arbeitslosigkeit statt sündteurer Werbekampagnen". Es brauche "dringend eine steuerliche Entlastung für die Unternehmen sowie einen Bürokratieabbau". Team Stronach-Klubobmann Robert Lugar kritisierte die Gewerkschaftsblockade bei der anvisierten Sonntagsöffnung bei der Drogeriemarktkette dayli. Angesichts der drastisch gestiegenen Arbeitslosenzahlen sei diese Haltung der Gewerkschaften "an Frechheit nicht zu überbieten".

Trotz verhaltener Konjunkturentwicklung gab es in Österreich insgesamt mehr Personen mit einem Job. Die Zahl der aktiv unselbstständig Beschäftigten hat sich per Ende Mai um 26.000 Personen (+0,8 Prozent) auf 3,396 Millionen erhöht. Die Anzahl der gemeldeten offenen Stellen ist hingegen um 3.839 (-11,9 Prozent) auf 28.465 deutlich zurückgegangen.

Niedrigste Arbeitslosigkeit in der EU

Die Arbeitslosenquote lag nach österreichischer Definition im Mai bei 6,7 Prozent (+0,5 Prozentpunkte). Nach EU-Berechnung belief sich die heimische Arbeitslosenquote im April - das ist der aktuellste verfügbare Wert - auf 4,9 Prozent. Österreich hat damit erneut die niedrigste Arbeitslosigkeit in der EU, gefolgt von Deutschland mit 5,4 Prozent und Luxemburg mit 5,6 Prozent. Bei der Jugendarbeitslosigkeit lag Österreich mit einer Quote von 8 Prozent auf dem zweiten Rang hinter Deutschland. In den 27 EU-Staaten betrug die Arbeitslosenquote im Schnitt 11 Prozent. In den Eurokrisenländern Spanien und Griechenland lag die Quote bei rund 27 Prozent, und die Jugendarbeitslosenquote in Spanien bei 56 Prozent und in Griechenland bei knapp 63 Prozent.

Die schwache Wirtschaftsentwicklung hat die Anzahl der vorgemerkten Arbeitslosen per Ende Mai am stärksten im Industriebundesland Oberösterreich (+15,7 Prozent) und in Kärnten (+14,7 Prozent) ansteigen lassen. Ebenfalls hoch war die Zunahme in Salzburg und Steiermark (jeweils +10,2 Prozent). Die geringste Zunahme wurde in Vorarlberg (+3,8 Prozent) und Tirol (+7,7 Prozent) verzeichnet. Einen besonderes starken Anstieg gab es in Wien bei den Schulungsteilnehmern mit plus 20,3 Prozent auf 33.115 Personen.

Die durchschnittliche Verweildauer in der Arbeitslosigkeit stieg um drei auf 97 Tage. Wieder erhöhte sich die Männerarbeitslosigkeit stärker als jene der Frauen. Von den vorgemerkten 251.895 Beschäftigungslosen waren 137.467 Männer (+10,9 Prozent) und 114.428 Frauen (+6,8 Prozent). Eine überdurchschnittliche Zunahme wurde teilweise branchenbedingt bei arbeitslosen Ausländern verzeichnet (+15,9 Prozent). Aufgrund starker Geburtenjahrgänge erhöhte sich die Arbeitslosigkeit von Personen ab 50 Jahren mit plus 13,9 Prozent ebenfalls höher als der Durchschnitt. Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren stieg um 6 Prozent auf 36.770 Personen.

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