Mondi-Vorstand: "Österreich ist der schlechteste Standort Europas, Werk Frantschach bedroht"

Mondi-Vorstand: "Österreich ist der schlechteste Standort Europas, Werk Frantschach bedroht"

Das Mondi-Werk in Frantschach (Kärnten) rutscht im internen Wettbewerbsranking ab. Mondi-Chef Peter Oswald sieht die Papier- und Zellstofffabrik mit 450 Mitarbeitern bedroht. Eine der Hauptursachen: Biomasse-Förderungen treiben den Holzpreis.

"Österreich ist derzeit der schlechteste Papier- und Zellstoffstandort in Europa. Für unser Werk in Frantschach (Bezirk Wolfsberg in Kärnten, Anm.) ist das eine echte Bedrohung", sagt Peter Oswald, der International-Chef des südafrikanischen Papierkonzerns Mondi der Zeitung "Die Presse". Im Werk in Kärnten sind derzeit noch 450 Mitarbeiter beschäftigt

In der derzeitigen starken konjunkturellen Situation gäbe es für Frantschach die Konsequenz gebe, "dass wir um 15 bis 20 Mio. Euro weniger verdienen. Sollte die Kapazität in diesem Nischenprodukt, das wir dort erzeugen, in den USA erweitert werden - und danach sieht es aus -, dann könnte unser Werk in die Verlustzone rutschen." Das Frantschacher Werk ist im internen Wettbewerbsranking bereits vom zweiten auf den vierten Platz abgerutscht.

Die Ursache sieht der Mondi-Chef besonders in den Biomassesubventionen, die in Österreich zu den höchsten in Europa gehören. Bereits im Frühjahr meinte Oswald, Biomasse sei "kein erneuerbarer Energieträger". Die Holzkosten würden hierzulande um ein Fünftel über anderen Mondi-Werken in der EU liegen. Das liege daran, dass 37 Prozent des Holzes importiert werden müssten - "weil zehnmal so viel Biomasse verbrannt wird wie vor zehn Jahren."

Sappi bremst

Mondi-Konkurrent Sappi hatte bereits angekündigt, nicht mehr in das Werk Gratkorn in der Steiermark investieren zu wollen. Auch heimische Spanplattenproduzenten kritisieren Biomasse-Boom und -Förderung regelmäßig. "Einen weiteren Ausbau der Biomasseanlagen kann es einfach nicht geben", meint auch Christoph Kulterer, Säge-Chef in der Wirtschaftskammer. Er kritisiert in der Zeitung vor allem Biomasseanlagen wie jene in Simmering, bei denen der Rohstoff weit transportiert werden müsse.

"Unabhängige Rechtsexperten sehen das als klaren Beleg, dass die gesetzliche Regelung nicht erfüllt wird, da Biomasse durch die hohe Förderung der stofflichen Nutzung entzogen wird", trommelt die Austropapier, Vereinigung der heimischen Papierindustrie, seit Monaten. Die "Überförderung der Biomasseverbrennung" erzeuge eine Kostenspirale nach oben. "Die Förderpolitik leitet Holzströme fehl."

Biomassepräsident Horst Jauschnegg hält dem in der "Presse" entgegen: "Der Großteil geht in die Wärmeproduktion, und diese wird nicht gefördert." Vom Verband Propellets Austria war am Samstag kurzfristig niemand zu erreichen.

Streit um Förderungen

Mondi-Chef Oswald meint, wenn es schon Biomasseförderungen gebe, "dann muss es eine Investitionsförderung sein, die für alle, auch für die Eigenversorger, gilt". Die Anlagen müssten einen Wirkungsgrad über 70 Prozent aufweisen, es müsse eine Kraft-Wärme-Kopplung zur Nutzung der Abwärme nach der Verstromung geben, und es dürften nur kleine Kraftwerke für die Nahversorgung gefördert werden. "Wo größere Verbraucher mit stofflicher Nutzung (Papierfabriken, Plattenfabriken, Anm.) sind, sollte im Umkreis von 50 Kilometern keine thermische Verwertung von Holz zugelassen werden", fordert der Industrie-Kapitän in der "Presse". "Spezielle, über Jahre garantierte Einspeistarife sollten generell nicht mehr gewährt werden."

Österreich habe aber immerhin noch den Wettbewerbsvorteil der großen Forstflächen. Aber: "Das Holz, das wir brauchen, ist wegen der starken Konkurrenz durch hoch geförderte Biomassewerke nicht ausreichend verfügbar." Aus Bulgarien und Rumänien importiertes Holz sei wegen der Anfahrtswege auch nicht billiger für Mondi in Frantschach als einheimisches Holz.

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