Mit welchen Produkten Austro-Firmen von der steigenden US-Nachfrage profitieren

Mit welchen Produkten Austro-Firmen von der steigenden US-Nachfrage profitieren

Die US-Wirtschaft kommt auf Touren, das hilft der österreichischen Exportwirtschaft. Unternehmen aus vielen Branchen behaupten sich auf dem schwierigen Markt. So kurbelt Agrana mit einem neuen Werk im Bundesstaat New York durch seine Fruchtprodukte, die Produktion von Joghurts und Eiscremen in den USA an. Was die Austro-Firmen für die USA bauen oder produzieren.

Die USA werden ihrem Ruf als Lokomotive der Weltwirtschaft heuer wohl endlich wieder gerecht: Das Wirtschaftswachstum könnte mehr als drei Prozent betragen, amerikanische Banken werden bei der Kreditvergabe großzügiger, die Auftragsbücher von Konzernen wie General Electric sind prall gefüllt. Das bringt auch mit sich, dass die USA als Zielland für österreichische Exporteure so attraktiv wie schon lange nicht mehr ist - und tatsächlich sind die Exporte dorthin zuletzt deutlich gestiegen. In den ersten drei Quartalen 2013 gab es ein Plus von 3,4 Prozent auf rund 6,5 Milliarden Euro, Tendenz steigend.

Die USA sind nach Deutschland und Italien das drittwichtigste Exportland für die österreichische Wirtschaft

Und, wenn es so weitergeht, bald auf dem zweiten Rang. Die Krise in manchen europäischen Ländern macht die stärkste Volkswirtschaft der Welt derzeit besonders interessant.

"US-A-Biz Award“ wird am 2. März verliehen

Es sind Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen und unterschiedlicher Größe, die in den USA bestehen können, laut Rudolf Thaler, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Los Angeles, der "schwierigste Markt“. Besonders hervorstechende Leistungen werden mit dem "US-A-Biz Award“ der Außenwirtschaftsorganisation der Wirtschaftskammer (AWO) prämiert, der heuer am 2. März verliehen wird.

Firmen wie Agrana und Runtastic sind für US-Wirtschaftsoskar nominiert

Nominiert für diesen Wirtschafts-Oscar sind unter anderem App-Hersteller Runtastic, Anlagenbauer Fronius, Otto Bock Health Care Products und Sony DADC Austria. Unter den Nominierten findet sich auch der Zucker-, Stärke- und Fruchtkonzern Agrana, der heuer seine Präsenz am US-Markt durch Errichtung eines Fruchtzubereitungswerks im Bundesstaat New York stärken will. Ab Mitte des Jahres werden damit gleich an vier Standorten Fruchtprodukte für die amerikanische Molkerei-, Backwaren- und Eiscreme-Industrie hergestellt. Der neue Standort soll vor allem der steigenden Nachfrage im Nordosten des Landes und auch in Kanada Rechnung tragen. Im Gegensatz zum stagnierenden europäischen Markt rechnet sich Agrana in den USA ein jährliches Wachstum von durchschnittlich sechs Prozent aus - das liegt unter anderem am Trend zu Joghurts mit einem hohen Anteil an Fruchtzubereitungen.

Für Agrana-Boss Johann Marihart sind die USA aus mehreren Gründen derzeit sehr interssant: "Zu nennen sind das im Vergleich zur Eurozone höhere Wirtschaftswachstum, ein großer Absatzmarkt und das investitions- und wirtschaftsfreundliche Klima.“ Doch ganz einfach ist das Geschäft deshalb nicht. Marihart weist unter anderem auf die großen regionalen Unterschiede im Land hin. "Von Europa aus werden die USA oft als homogenes Ganzes wahrgenommen, dabei gibt es eine Reihe bundesstaatlicher Eigenheiten, die sich nicht zuletzt in unterschiedlichen Gesetzgebungen widerspiegeln.“ Zudem werde die regionale Clusterbildung, beispielsweise im Nordosten, unterschätzt. Es gelte daher, "auf diese regionalen Eigenheiten sowohl bei Investitionen in Produktionsstandorte als auch bei der Produktauswahl zu achten“, sagt der Agrana-Chef.

Flugzeugzulieferer FACC baut Flügelspitzen für Boeing

Flügel für Boeing. Auch der oberösterreichische Flugzeug-Zulieferer FACC hat sich am US-Markt festgekrallt. Im Vorjahr sorgte das Unternehmen, das ein Viertel seines Nettoumsatzes - rund 100 Millionen Euro - in die Forschung steckt, mit neu entwickelten Flügelspitzen für Furore in der Luftfahrtbranche: Die sogenannten "Split Scimitar Winglets“ konnten mit Erfolg an einer Boeing 737-800 getestet werden. Seine Geschäftspartner hat das Unternehmen dabei vor allem mit der raschen Entwicklung und Fertigung eines Prototyps überzeugen können. Schon drei Monate, nachdem der Auftrag eines Boeing-Joint-Ventures eingelangt war, wurden die Flügelspitzen, die für niedrigeren Treibstoffverbrauch sorgen sollen, ausgeliefert.

FACC ist seit 1985 am US-Markt tätig, damals noch als Forschungssparte von Fischer. Hinter Deutschland sind die USA zweitwichtigstes Exportziel für die Oberösterreicher, doch das könnte sich demnächst ändern: Boeing wird nach dem Gewinn mehrerer Großaufträge mit Sicherheit einiges an Arbeit für FACC parat haben.

Planer und Errichter von Biogas-Anlagen aus Vorarlberg

Es sind aber keineswegs nur die großen Unternehmen, die in den USA ihre Chancen nutzen. Die Vorarlberger Firma Entec Biogas etwa macht rund 70 Prozent ihres Gesamtumsatzes von heuer rund 25 Millionen Euro in den USA. Das auf die Planung und Errichtung von Biogas-Anlagen spezialisierte Unternehmen verwirklichte im Vorjahr seine ersten beiden großen Projekte in den USA, als Partner fungiert dabei der US-Baukonzern Layne Christensen. In Oregon wurde die erste Speisrestanlage dieser Art in den USA überhaupt gebaut. "Die Mitbewerber haben sich einfach nicht getraut, dorthin zu gehen“, sagt Entec-Chefin Brigitte Maier. Sie rechnet mit weiteren Aufträgen, denn strengere Abfallgesetze machen neue Programme zur Beseitigung von Müll notwendig. Dennoch ist das Geschäft nicht simpel. "Der US-Markt ist hochkompliziert, denn jeder Bundesstaat ist anders, und jedes Projekt individuell zu bearbeiten“, sagt Maier. Doch gerade die Tatsache, dass Entec jede neue Anlage anders angeht, komme gut an. Derzeit läuft beispielsweise ein neues Projekt auf den US Virgin Islands. "Die USA wachen gerade auf, was den Umweltschutz betrifft“, meint Maier. Das würde generell gute Chancen für österreichische Unternehmen ergeben, die in der Sparte tätig sind.

Mit spezieller Präsentations-Software bei Angelobung von Obama dabei

Hightech aus Wallern. Interessant sind die USA natürlich gerade für Firmen, die Produkte und Dienstleistungen für Show-Events und Präsentationen anbieten. "Das Showgeschäft ist eben in den USA daheim“, sagt Tobias Stumpfl, CCO der oberösterreichischen AV Stumpfl. Der Anbieter von Präsentationstechnik ist seit 2001 in den USA tätig, zuerst über Vertriebspartner, heute mit einer eigenen Niederlassung in der Nähe von Chicago. Das Familienunternehmen war mit seinen Hard- und Software-Produkten unter anderem bei der Angelobung von Barack Obama in Washington vertreten, bei einer Smartphone-Präsentation von Samsung in New York und einer spektakulären Gebäudeprojektion im Rahmen der 100-Jahr-Feier der Rice Universität (siehe Aufmacherbild). "Wir haben kein großes Marketingbudget und im Gegensatz zur Konkurrenz nicht tausende Mitarbeiter - aber wir haben Produkte, die die Kunden verblüffen und zuverlässig sind. Mundpropaganda ist in unserem Geschäft das Wichtigste“, sagt Stumpfl.

Vater Reinhold hat das Unternehmen vor rund 40 Jahren aus einem Hobby heraus gegründet. Heuer werden 75 Mitarbeiter beschäftigt, der Jahresumsatz liegt laut Firmenangaben bei 13 Millionen Euro. Zu den Produkten zählen unter anderem Projektionswände, die vor allem für den mobilen Einsatz - etwa bei Konzerten oder Politveranstaltungen - geeignet sind, sowie Medienserver, die etwa Kamerasignale für Präsentationen verarbeiten. "Wir stellen die Komponenten bei uns in Wallern her“, berichtet Tobias Stumpfl, der darauf stolz ist, dass es auch mitten in der Finanzkrise Zuwächse in den USA gab. "Weil unsere Produkte einfach länger halten.“

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