Michael Landau wird neuer Caritas-Präsident

Michael Landau wird neuer Caritas-Präsident

Erst mit 20 ließ er sich taufen, studierte neben Biochemie auch Theologie und wurde 1992 zum Priester geweiht. 1995 schaffte er den Sprung zum Wiener Caritas-Direktor und firmierte neben dem scheidenden Österreich-Chef Franz Küberl als Aushängeschild der Hilfsorganisation.

Der neue Caritaspräsident Michael Landau zeigte sich in einer ersten Reaktion erfreut und dankbar für das Vertrauen, das ihm die Caritasdirektoren ausgesprochen haben. "Die Aufgabe der Caritas ist Nächstenliebe ohne Wenn und Aber. Wir stehen an der Seite der Armen", erklärte Landau auf die Schwerpunkte seiner Arbeit angesprochen. Er werde "wo notwendig auch beharrlich und unangenehm sein", betonte Landau nach der Wahl im Bildungshaus Batschuns (Zwischenwasser, Bezirk Feldkirch).

Neben der Armutsvermeidung und -bekämpfung seien Pflege und Hospiz ein großes Feld. Man werde "mehr europäische Antworten" brauchen und dabei "ein klares Wort nicht scheuen", so der neue Präsident. "Es braucht den Blick über den Tellerrand", sagte er. Landau stellte sich hinter die Forderung seines Vorgängers Franz Küberl nach mehr Mitteln für die Entwicklungszusammenarbeit. Auch auf den Philippinen sei rasche Hilfe nötig. "Die Situation ist dramatisch, und jeder Euro rettet Leben", nutzte Landau seinen ersten Auftritt für einen Appell.

Auch in Österreich sollten die Armen nicht vergessen werden. Die Kosten für eine "Kärntner Pleitebank" dürften nicht die Armen bezahlen, erklärte er in Richtung einer neuen Bundesregierung. Der "gute Grundwasserspiegel der Solidarität" in Österreich stimme ihn aber zuversichtlich für die künftigen Herausforderungen.

Landau ist für drei Jahre gewählt, die offizielle Amtsübergabe findet am 29. November statt. Entgegen erster Informationen wurde Landau nicht ohne Gegenstimme, sondern laut Küberl mit Zwei-Drittel-Mehrheit der acht anwesenden Direktoren geheim gewählt. Für die Direktorenkonferenz entschuldigt waren Bischof Manfred Scheuer und die burgenländische Direktorin Edith Pinter.

Küberl zeigte sich "wahnsinnig froh" über das Wahlergebnis. "Es ist ein sehr guter Weg für die Caritas gestaltet worden", so Küberl. Er wünsche seinem Nachfolger "Gottvertrauen, Menschenvertrauen und Kraft". Ratschläge wollte er ihm nicht erteilen, so Küberl auf entsprechende Frage. Landau sei ohne Zweifel sein Wunschkandidat gewesen. Die Caritas sei nun "in den besten Händen, im besten Herzen und im besten Kopf".

Spätberufener

Profiliert hat sich Landau - am 23. Mai 1960 als Sohn eines jüdischen Vaters in Wien geboren - als Verteidiger des Sozialstaates, und ebenso wie Küberl zeigte er keine Scheu, sich mit Politik und Boulevardmedien anzulegen. Zuletzt waren es etwa die im Wiener Servitenkloster untergekommenen Flüchtlinge, die er vor Profilierungsversuchen auf deren Kosten zu schützen versuchte. Allianzen schloss er in Asylfragen nicht nur mit der evangelischen Diakonie, sondern etwa auch mit Amnesty International.

Den Einsatz für die sozial Schwächsten verknüpfte Landau gerne mit politischen Forderungen zur Verbesserung ihrer Lage. So sprach er sich im Sinne der Armutsvermeidung für Bildungsreformen und den Ausbau der Ganztagsschule aus, und auch einer gesicherten Pflegefinanzierung, der Mindestsicherung und der - letztlich erfolgreichen - Schaffung eines Integrationsstaatssekretariats galt sein Einsatz.

In seiner Jugend zeigte sich zunächst Landaus Talent als Naturwissenschafter, so war er zweimal Gewinner der österreichischen Chemie-Olympiade und auch international erfolgreich. Sportlichen Ehrgeiz demonstrierte er als Brustschwimmer beim jüdischen Sportverein Hakoah.

1988 schloss Landau sein Biochemie-Studium (Schwerpunkt medizinische Chemie) mit Auszeichnung ab. Ein zweites Doktorat holte er sich im Studium der katholischen Theologie, das er in Wien und Rom mit Spezialisierung auf das Kirchenrecht (Dissertationsthema: Amtsenthebung und Versetzung von Priestern) absolvierte.

Ins Wiener Priesterseminar trat Landau 1988 ein, 1992 wurde er zum Priester geweiht. Bereits 1995 ernannte ihn Erzbischof Christoph Schönborn zum Direktor der Caritas der Erzdiözese Wien. Seit 2008 fungiert Landau überdies als Vorsitzender der Rechtskommission der "Caritas Internationalis". Dem Dachverband mit Sitz im Vatikan gehören 162 nationale Caritasorganisationen an.

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