Maria Fekter - "Die Hexe des Südens"

Maria Fekter - "Die Hexe des Südens"

Wenn sich die 56-jährige Politikerin in Brüssel zur Lage in Griechenland oder Italien äußert, spitzen alle die Ohren. Ihre unverblümte und pfeilgerade Art hat dabei schon manchen Spitzenpolitiker vor den Kopf gestoßen und ihr wenig schmeichelhafte Beinamen wie "Hexe des Südens" eingebracht.

Bei ihren öffentlichen Auftritten in Brüssel begleitet sie eine Mischung aus Naivität und Kalkül. Sie genießt es, im Rampenlicht zu stehen - unterschätzt aber dabei manchmal die Breitenwirkung, die ihre Aussagen an den Finanzmärkten haben. Ihre Bemerkung etwa, Italien könnte angesichts seiner steigenden Zinslast unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen, sorgte für Unruhe an den Finanzmärkten und Verärgerung beim italienischen Regierungschef Mario Monti. Nur mit Mühe konnte sie ihre Aussagen im Nachhinein relativieren.

Doch es ist nicht das einzige Mal, dass sie den Zorn eines EU-Spitzenpolitikers auf sich zieht: Als sich die Eurogruppe nach langen Verhandlungen auf weitere Hilfen für Krisenländer einigt, platzt Fekter vor der versammelten Presse als erste mit der Nachricht heraus - und stiehlt Eurogruppen-Chef Jean Claude Juncker die Show. Ihr Sprecher versucht den Journalisten zwar noch zu erklären, dass es sich um ein Missverständnis handelt - aber es ist zu spät. Die ersten Ticker-Meldungen sind schon gelaufen.

Wenig später entschuldigt sich Fekter bei Juncker öffentlich für ihr Vorpreschen - tappt aber dabei in das nächste Fettnäpfchen: Sie sagt, Juncker sei aufgewühlt gewesen, weil er an schmerzhaften Nierensteinen leide. In Brüssel kursiert seither unter Insidern das geflügelte Wort, jemand sei "gefektert" - also Opfer eines nicht besonders wohlmeinenden Kommentars geworden. Dazu passt ein Zitat von Fekter: "Es gibt repräsentative Typen in der Politik, die wollen keine Wellen schlagen und keine Blutspur ziehen. Ich bin anders", hatte sie im Sommer 2011 gesagt.

Direkte Diplomatie

Ihre langjährigen Wegbegleiter sind von derartigen Auftritten nicht überrascht. "Sie hat eine sehr direkte Art, die manchmal sehr von Vorteil ist", sagt die österreichische Grünen-Abgeordnete Terezija Stoisits, die Fekter bereits seit den frühen 90er-Jahren kennt. Damals war die heutige Ministerin noch einfache Parlamentsabgeordnete. "Sie verstellt sich nicht. Man könnte das negativ formulieren und sagen, sie ist nicht sehr diplomatisch." Über sich selbst hat Fekter einmal gesagt, sie sei der einzige Mann in der Regierung - nachdem eine Einladung an sie versehentlich mit "Herr Fekter" betitelt war.

Ihre burschikose Manier hat sich Maria Theresia Mayr wohl schon in ihrer Kindheit angeeignet. Sie wächst als einziges Mädchen mit ihren Brüdern und Cousins in Attnang-Puchheim in Oberösterreich auf, wo ihre Eltern ein Schotter- und Transportunternehmen betreiben. Aus ihrem Plan, Kunst zu studieren wird nichts: Ihr älterer Bruder stirbt bei einem Verkehrsunfall, und nun soll Fekter den elterlichen Betrieb leiten. Sie entscheidet sich daher für ein Jura- und Wirtschaftsstudium und sammelt anschließend in der elterlichen Firma Erfahrung. Bereits seit Mitte der 80er-Jahre engagiert sie sich zudem als Gemeinderätin in ihrem Heimatort Attnang-Puchheim, bevor sie 1990 als Abgeordnete in das Parlament nach Wien wechselte.

Und noch ein zweites Mal kommt Fekter unverhofft in eine neue Rolle: Während ihrer Zeit als ÖVP-Innenministerin muss Finanzminister und Parteikollege Josef Pröll aus gesundheitlichen Gründen sein Amt aufgeben. Bei der darauffolgenden Regierungsumbildung im Frühjahr 2011 wird Fekter kurzerhand zur neuen Finanzministerin ernannt.

In nicht einmal einem Jahr ist die erste Finanzministerin Österreichs international deutlich bekannter als sämtliche ihrer männlichen Vorgänger - wohl vor allem wegen ihres losen Mundwerks. Ob ihr dies bei ihrer künftigen Karriere von Nutzen ist, bleibt offen. Die Frage nach ihren eigenen - möglicherweise internationalen Plänen - läst sie bewusst unbeantwortet. "Ich habe immer die Aufgaben, die man an mich herangetragen hat, übernommen und mit Leidenschaft und Engagement ausgefüllt." Diese Strategie werde sie beibehalten. "Ich habe nie Funktionen angepeilt und sitze trotzdem jetzt ganz oben als Finanzministerin."

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