LTE-Frequenz-Auktion: Republik erlöst zwei Milliarden Euro

LTE-Frequenz-Auktion: Republik erlöst zwei Milliarden Euro

Die Telekom Austria kaufte 14 Frequenzpakete für 1,03 Milliarden Euro, T-Mobile gab 654 Millionen Euro für 9 Pakete aus und Hutchison erwarb 5 Pakete um 330 Millionen Euro. Die versteigerten Frequenzbänder können u.a. auch für die neue, schnellere Mobilfunktechnik LTE verwendet werden.

Freuen werden sich über das Rekordergebnis zwei Damen, die noch amtierenden Ministerinnen Maria Fekter und Doris Bures. Für den Bund ist das Ergebnis eine Sensation, einer der wenigen Fälle, der überraschend einen kleinen Spielraum bei den Staatsfinanzen verschafft. Bei Fekter wird das Abschiedsgeschenk, das sie hinterlassen kann, wohl ihr letztes Erfolgserlebnis als Finanzministerin sein. Sie hat 250 Millionen Euro schon ins Budget eingerechnet. Nun wird "ihre Hälfte" des Erlöses aber rund eine Milliarde betragen: zusätzliche 750 Millionen für das ohnehin kränkelnde Budget! Beobachter schätzen, dass ein erheblicher Teil im Endeffekt von der Bankenrettung verschlungen wird.

Infrastrukturministerin Doris Bures hat bereits angekündigt, die Hälfte der Versteigerungssumme von gut zwei Milliarden Euro für eine "digitale Offensive" aufzuwenden. Der Gemeindebund hat schon einmal seine Begehrlichkeit angemeldet. "Wir werden sehr genau darauf achten, dass die Erlöse (...) auch tatsächlich für den Ausbau der Breitband-Versorgung in den ländlichen Räumen verwendet werden", so Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer.

Wahrscheinlicher ist, dass anderswo Bedarf für Geld entdeckt wird. Bleibt es bei der bisherigen Breitband-Förderpraxis, wo sich den Löwenanteil meist wieder die Telekom Austria - als Festnetzanbieter - sichern konnte, würde zumindest für die Nummer eins wieder etwas zur Hintertür hereinkommen. Ganz sicher ist aber, dass nun auch die Begehrlichkeiten wachsen werden. Telekom-Analyst Karim Taga: "Das wird noch eine Riesendebatte geben, was mit dieser Breitband-Milliarde passieren soll."

Zu den Frequenzkosten kommen für alle drei Betreiber noch dreistellige Millionen-Beträge dazu, die sie in die Aus-und Aufrüstung investieren müssen. Anders als bei den UMTS-Auktionen um die Jahrtausendwende, wo europäische Mobilfunker irrwitzige Summen in unrealistische - da noch nicht vorhandene - Geschäftsmodelle investierten, stehen sie heute vor dem Dilemma, dass sie den mobilen Datenhunger der Verbraucher immer schwerer in profitables Geschäft ummünzen können. "Die europäischen Märkte haben sich von den UMTS-Auktionen nie wirklich erfangen," analysiert Karim Taga, der Geschäftsführer von Arthur D. Little.

Mit der Einführung des iPhone wuchs zwar der Datenhunger explosionsartig, die Umsätze der europäischen Mobilfunker sanken aber in derselben Zeit um 45 Prozent - viel stärker als in den USA oder Asien. Der österreichische Markt hat sich im hausgemachten Preiskampf zum verbraucherfreundlichsten in Europa - mit den niedrigsten Tarifen -entwickelt. Die Margen der Netzbetreiber liegen weit unter denen der europäischen Mitstreiter, was zur Konsolidierung (Drei-Orange-Übernahme) führte. "Volkswirtschaftlich gesehen ist ein derart hohes Auktionsergebnis bedenklich", sagt Taga, "die Netzbetreiber haben nur zwei Optionen. Weniger ins Netz zu investieren oder die Tarife zu erhöhen. Das bremst natürlich die Innovationskraft."

Um das Datenwachstum in profitables Geschäft zu verwandeln, müssten die Tarife für das schnelle LTE-Netz von zehn Euro pro Monat auf 17 Euro und mehr steigen, hat Arthur D. Little errechnet. Das wird die Handynutzer treffen. Die in vielen Branchen geübte Preisdifferenzierung über die Dienstequalität - im Mobilfunk ist das die Geschwindigkeit - wird dann die Smartphone-User in Economy-, Businessund First-Class-Surfer unterteilen. Diese Entwicklung zeichnet sich schon ab. Aktuell ist LTE noch ein Minderheitenprogramm, das nur auf einem Frequenzband (2,6 GHz) genutzt werden kann. Zumindest dieses Problem haben die Mobilfunker künftig nicht mehr, denn die Frequenzen können bald technologieneutral genutzt werden. Das wichtige 800-MHz-Band kann dann ab 2014 ausgebaut werden. In den ländlichen Gebieten Österreichs wird der LTE-Speed so richtig aber erst 2015 zu spüren sein.

Telekom Austria benötigt zusätzliches Fremdkapital

Telekom Austria-Chef Hannes Ametsreiter sieht durch die gut 1 Mrd. Euro teure LTE-Lizenzersteigerung momentan keinen Bedarf an einer Kapitalerhöhung, am Ausblick für das heurige Jahr werde festgehalten. Der Preis für 70 MHz-Frequenzen werden aus liquiden Mitteln und über Fremdkapital aufgebracht. Ob es sich dabei um einen Bankkredit oder um Anleihen handelt, ließ Ametsreiter am Dienstag vor Journalisten offen. Die Analysten der Erste Group erwarten einen zusätzlichen Finanzbedarf von knapp 200 Mio. Euro.

Im Dezember des heurigen Jahres will Marktführer Telekom die vorhandenen 800 MHz-Frequenzen auf die nächste Mobilfunkgeneration LTE umgestellt haben, das Netz soll dann fünf bis sieben mal schneller sein als derzeit - allerdings nur für die Kunden, die den 10 Euro LTE-Aufschlag zahlen. Für die Diskontschiene "Bob" gibt es noch keine LTE-Pläne. Derzeit bietet die Telekom (A1) bereits in den Ballungsräumen LTE an, bisher haben sich einige tausend Kunden dafür angemeldet.

Dass der Auktionserlös im europäischen Vergleich sehr hoch war, führt Ametsreiter auf das "nicht transparente" Versteigerungsverfahren durch die Regulierungsbehörde RTR zurück. "Das war einzigartig in Europa, niemand hat das so gemacht. Für uns ist das eine Riesenbelastung", so der Telekom-Vorstandsvorsitzende. Er wünscht sich, dass ein Teil des Versteigerungserlöses für die Breitbandförderung zweckgebunden wird.

Dass die Telekom bei weitem mehr ausgegeben hat als die beiden Mitbewerber T-Mobile und "'Drei" (Hutchison), verteidigte Ametsreiter. Wer die meisten Frequenzen hat, habe das beste Angebot und die beste Qualität. Gerade die drei Frequenzblöcke im 800 MHz-Bereich würden sich hervorragend für ländliche Gebiete und zur Indoor-Versorgung eignen. Hier habe "Drei" "gar nichts" in diesem Frequenzband anzubieten.

Der Markt reagierte bisher skeptisch auf den Riesendeal. Die Wertpapierexperten der Berenberg Bank haben das Kursziel der Telekom Austria-Aktien von 4,20 auf 3,80 Euro gesenkt. Die Citigroup wiederum hat die Gewinn-und Dividendenschätzungen für die Telekom Austria-Aktien minimal gesenkt. Der Aktienkurs gab bis Dienstagmittag gegenüber dem Vortag um 6,53 Prozent auf 5,78 Euro nach.

Die Arbeiterkammer (AK) warnte heute vor einer Tariferhöhung für die Endverbraucher. AK-Berechnungen zufolge belaufen sich die Kosten der Frequenzversteigerung auf die Laufzeit der Zuteilungen gerechnet nur auf etwa 0,5 bis 0,8 Euro pro Mobilfunkkunde und Monat. "Preisanstiege sind daher kaum mit den Frequenzkosten zu rechtfertigen", rechnete die Kammer vor.

Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie hat heute "bestürzt" auf das Auktionsergebnis reagiert. "Nach dem Desaster (...) muss das Geld in die Branche reinvestiert werden", fordert Lothar Roitner, Geschäftsführer des Verbandes. Denn: "Das Geld, das die Branche jetzt dem Staat bezahlen muss, wird beim Ausbau fehlen."

Mobilfunkchefs kommentieren das Rekordergebnis

Montagabend war Schluss mit dem großen Schweigen. Mit der Bekanntgabe des Rekordergebnisses der Multibandauktion war auch das Sprechverbot für die Netzbetreiber vorbei, die mit Kritik nicht sparen.

„Der internationale Vergleich zeigt die Kostenexplosion bei der österreichischen Auktion deutlich, preislich ein Negativ-Rekord“, so A1-Generaldirektor Ametsreiter. Und: „Gemessen an der Einwohnerzahl ist dies die teuerste Multibandauktion in ganz Europa.“

T-Mobile-Chef Andreas Bierwirth: „Die Gebühren liegen infolge des spekulativen Auktionsdesigns an der Spitze der in den EU eingehobenen Lizenzgebühren, während die Mobilfunk-Preise in Österreich zu den niedrigsten in der EU zählen.“ Er knüpft auch gleich eine Forderung an: „Aufgrund des sehr hohen Ertrags für den Staat sollte darum die in Aussicht gestellte staatliche Förderung des Breitband-Ausbaus für strukturschwache Regionen sehr deutlich angehoben werden.“

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, zieht Drei-Boss Jan Trionow erste Bilanz, „wir konnten im Vergleich zu den Mitbewerbern den finanziellen Schaden für das Unternehmen minimieren. Für die Branche insgesamt ist dieses Auktionsergebnis jedoch ein Desaster."

Überrascht hat das Ergebnis auch Regulator Georg Serentschy, wie er Montagabend bei der Pressekonferenz gestand. Den Betreibern sprach er ein Kompliment aus. Die Auktion wäre ohne jede Panne reibungslos gelaufen. „Die Betreiber waren offensichtlich bestens vorbereitet und sehr gut beraten“, sagte Georg Serentschy.

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