Lebt die Print-Zeitung nur noch aus Gewohnheit?

Lebt die Print-Zeitung nur noch aus Gewohnheit?

Immer weniger Zeitungsleser, ein erodierender Anzeigenmarkt sowie Gratisinhalte im Netz verschaffen der Printbranche seit Jahren Umsatzeinbußen und Kopfzerbrechen. Auf dem European Newspaper Congress sind sich die Experten einig: Digitalangebote und Paywalls sind die Lösung.

Emily Bell, Chefin des Tow Centers für digitalen Journalismus an der Columbia Graduate School of Journalism, sieht die Lösung wie viele Experten im Digitalangebot. „Paywalls müssen die Antwort sein“, sagte Bell beim European Newspaper Congress. Der Congress wird noch heute im Rathaus in Wien abgehalten.

Bell ist mit ihrer Ansicht nicht alleine. Doch obwohl die Medienbranche schon lange von Bezahlschranken beim Onlineangebot spricht, haben erst wenige den Schritt gewagt, allen voran die New York Times. Die deutsche Welt hat erst im Dezember eine Paywall eingeführt. Jan-Eric Peters, Chefredakteur unter anderem von Welt und Welt am Sonntag, will noch keine Zahlen nennen, berichtet aber erfreut, dass die Reichweite nicht eingebrochen ist.

Bezahlmodell

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung arbeitet an einem Bezahlmodell, wann es eingeführt wird, steht offenbar noch nicht fest. FAZ-Geschäftsführer Tobias Trevisan spricht sich jedenfalls gegen „Dumpingpreise“ wie jene der Welt aus, die mit einem 99-Cent-Einführungsangebot Leser anlockt. Trevisan denkt hingegen sogar beim eigenen Printprodukt daran, eine Preissteigerung durchzusetzen. Die FAZ litt finanziell besonders unter dem starken Rückgang bei der Stellenanzeigen.

Kurier-Chefredakteur Helmut Brandstätter möchte erst einmal beobachten, wie verschiedene Paywall-Systeme bei anderen Medien funktionieren und aus deren Fehlern lernen, bevor er selbst Bezahlschranken einführt. Wie die meisten Printzeitungen bietet der Kurier bereits ein digitales Abo der Printausgabe an und verkauft laut eigenen Angaben derzeit 2000 Stück davon.

Gewohnheiten

„Dass die gedruckte Zeitung nach wie vor überlebt, hat mit Gewohnheit zu tun“, glaubt der ehemalige Presse-Chefredakteur Michael Fleischhacker. Man sei es gewohnt, dass die Zeitung in der Früh auf der Fußmatte liege. Doch „dass Tages-Print etwas mit einer sehr endlichen Lebensdauer ist“, hätten mittlerweile alle verstanden. Digitaler Tages-Journalismus habe allerdings Zukunft, die Frage sei nur, wie man den Übergang organisiere. Fleischhacker zweifelt auch an, ob die Online-Angebote der Zeitungen hierzulande für eine Paywall geeignet sind: „In Österreich machen die Online-Dienste mehr oder weniger alle das gleiche“, indem sie vorwiegend Agenturmeldungen online stellen würden.

Wer für journalistische Inhalte im Internet abkassieren will, muss – da waren sich die Diskutanten einig – mehr bzw. andere Inhalte als in der Printausgabe, etwa Videobeiträge sowie mehr exklusive Geschichten und eine sehr hohe Qualität bieten.

Heute, Dienstag, diskutiert die Branche unter anderem darüber, wie Journalisten zu Höchstleistungen gebracht werden und wie die Redaktion der Zukunft aussieht.

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