Koenig & Bauer streicht in Österreich zwei Drittel aller Jobs

Koenig & Bauer streicht in Österreich zwei Drittel aller Jobs

Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer (KBA) will den Großteil der österreichweit 750 Jobs streichen. Vor allem der Standort Mödling ist massiv davon betroffen.

Genau eine Woche vor Weihnachten kündigte der deutsche Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer (KBA) an, bei seiner Österreich-Tochter, der Maschinenfabrik Mödling, bis zu 460 der aktuell 750 Jobs zu streichen. Auch der Geschäftsführer des Mödlinger Standorts, Leopold Achatz, hat "eigentlich keine Erklärung", warum es den österreichischen Standort so massiv trifft, sagte er zur APA.

Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA stellen sich jedenfalls auf eine Auseinandersetzung mit dem deutschen Management ein. "Sollte es kein Abrücken von den geplanten Maßnahmen geben, werden die Beschäftigten Protestmaßnahmen bis hin zum Streik umsetzen", heißt es in einer heute von Gewerkschaft und Belegschaft beschlossenen Resolution. Laut Achatz ist der Konzernvorstand zwar zu Gesprächen bereit, am Ausmaß des Stellenabbaus werde das aber "leider" nichts mehr ändern, so Achatz. Die 400 bis 460 Stellen, davon 60 in einer Zweigstelle in Ternitz, sollen bis Jahresende 2014 gestrichen werden. Erste Kündigungen werde es Anfang 2014 geben.

GPA-Spitzengewerkschafter Karl Proyer will um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Eine Gefahr, die er sieht: Sollte der Standort zwischen Mödling und Maria Enzersdorf im Süden Wiens so drastisch zusammen gestrichen werden, sei ungewiss, ob die Produktion die nächsten Jahre überlebt. Es gehe darum, Kompetenzen in Österreich zu erhalten, so Proyer. Ihm zufolge ist der Standort in Mödling hochprofitabel und gehört zu den besten innerhalb des Konzerns. Dass die Mitarbeiter eine Woche vor Weihnachten erfahren, dass der Großteil von ihnen nächstes Jahr ihren Arbeitsplatz verlieren wird, findet Proyer "nicht besonders originell".

Ähnlich sieht das PRO-GE-Chef Rainer Wimmer. "Die überfallsartige Umstrukturierung zu Lasten hunderter Arbeitsplätze ist völlig inakzeptabel." Kritik kommt auch vom Präsidenten der Arbeiterkammer (AK) Niederösterreich: "Mehr als jeder zweite Beschäftigte der KBA Mödling soll gekündigt werden, der Standort Ternitz ist von der Totalschließung bedroht. Das ist inakzeptabel".

Selbst der Mödlinger Geschäftsführer Achatz zeigte sich überrascht, dass die Österreich-Tochter so massiv betroffen ist. Koenig & Bauer kämpfe gegen die Zeitungskrise, versuchte er die Konzern-Entscheidung nachzuvollziehen. Wegen des Medienwandels hin zu Internetmedien bräuchten die Zeitungsdruckereien weniger Druckmaschinen. "Da ist keine Erholung in Sicht" so Achatz. Der Mödlinger Standort verliere zudem das bisher gut laufende Geschäft im Verpackungsdruck an den deutschen Standort Radebeul. Damit bleibe nur noch die Herstellung von Banknotendruckern in Österreich - in diesem Geschäftsbereich sinke die Nachfrage gerade auf ein Normalniveau. Ob durch den Radikalschnitt die Produktion in Mödling in Gefahr sei? Achatz verwies auf den Konzernvorstand in Würzburg. Dieser würde das aus aktueller Sicht verneinen.

Der im Frankfurter Kleinwerteindex SDax gelistete Druckmaschinenbauer glaubt aber unterdessen offenbar nicht mehr an eine Erholung der Branche. Die Würzburger bauen daher nun den Konzern um und streichen bis zu ein Viertel ihrer 6.200 Arbeitsplätze, darunter eben bis zu 460 in Niederösterreich. Vor allem die Produktion von Rollendruckmaschinen, wie sie für den Zeitungsdruck gebraucht werden, war in den vergangenen Jahren eingebrochen. Das wachsende Geschäft mit Verpackungs-Druckmaschinen konnte den Ausfall der einstigen Domäne von KBA nicht auffangen, wie das Unternehmen einräumte. Nach dem Plan des Unternehmens sollen Teile der Produktion der riesigen Druckanlagen ganz auf Zulieferer verlagert werden, um auf das Auf und Ab in der Auftragslage schneller reagieren zu können.

Die eigene Produktion soll in einer eigenen Sparte gebündelt werden. Sie müsse sich in Konkurrenz zu Zulieferern bewähren und soll sich zugleich um externe Aufträge bemühen, sagte ein KBA-Sprecher am Dienstag zu Reuters. "Wir brauchen keinen großen Dampfer, sondern viele kleine Schnellboote", erklärte KBA-Aufsichtsratschef Heinz-Joachim Neubürger, der frühere Siemens-Vorstand. Damit hofft der Konzern Kostensenkungspotenziale zu heben.

Zwischen 1.100 und 1.500 Stellen sollen gestrichen werden, neben Mödling ist der Firmensitz in Würzburg am stärksten betroffen. "Die Aufgabe oder der Verkauf von Standorten ist nicht ausgeschlossen", hieß es gestern, Montag in der Pressemitteilung. Der Weltmarkt für Rollenmaschinen sei seit 2006 um fast drei Viertel auf eine halbe Mrd. Euro geschrumpft. Der Markt für Bogenoffsetmaschinen, der nur noch halb so groß ist wie vor der Finanzkrise, werde bei 2,5 Mrd. Euro stagnieren.

"Wir sollten 2015 die ersten Früchte dieser Veränderungen sehen und spätestens 2016 wieder nachhaltig profitabel sein", teilte Vorstandschef Claus Bolza-Schünemann mit. Doch vorher stehen Koenig & Bauer mindestens zwei Verlustjahre bevor. 2013 würden Abschreibungen von rund 50 Mio. Euro auf den Buchwert der Werke fällig. Ein ähnlicher Betrag dürfte nach KBA-Angaben für den Stellenabbau hinzukommen, über den noch mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt werden muss. Dabei hatte das Unternehmen für das laufende Jahr ohnehin rote Zahlen erwartet, bei einem Umsatz von 1,1 Mrd. Euro.

Börsianer reagierten ernüchtert, der Aktienkurs sank am Dienstag zeitweise um mehr als vier Prozent. "Schon seit Jahren wird KBA von Problemen verfolgt. Da überwiegt im Moment einfach die Enttäuschung", sagte ein Analyst. Vor allem ein Boom bei Banknoten-Druckmaschinen hatte KBA von 2009 bis 2012 in der Gewinnzone gehalten, als Konkurrenten wie Heidelberger Druck schon rote Zahlen schrieben. Der größte Konkurrent im Zeitungsdruck, Manroland, war sogar in die Pleite gerutscht und arbeitet inzwischen stark verkleinert weiter.

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