"Kärnten ist nach Österreich zurückgekehrt"

"Kärnten ist nach Österreich zurückgekehrt"

Wahl in Kärnten: In der Kulturszene herrscht weniger Überraschung als Erleichterung über den deutlichen Machtwechsel in Kärnten vor, wie ein Rundruf der APA ergab. Grundtenor der ersten Reaktionen auf die Landtagswahlen: Kärnten ist in die Normalität zurückgekehrt.

"Das Theater der politischen Grausamkeit in Kärnten ist endlich zu Ende", kommentierte Büchner-Preisträger Josef Winkler das Wahlergebnis. "In Kärnten ist die Demokratie wieder eingeführt worden", sagte der Autor, Regisseur und Kabarettist Werner Schneyder. Deutliche Verbesserungen für die Wissenschafts- und Kulturszene erhoffen sich der Philosoph Konrad Paul Liessmann und der "Naked Lunch"-Musiker Herwig Zamernik.

Josef Winkler, Autor

"Ich bin überrascht. Ich habe erwartet, dass die Wahlen deutlich ausfallen werden, aber dass sie so deutlich ausfallen, hätte ich nicht erwartet. Dass die FPK über 25 Prozent verliert, habe ich in diesem Ausmaß nicht erwartet. Ich kann mich nicht erinnern, dass eine Partei in Österreich jemals so viel verloren hat. Sie ist ja mehr als halbiert worden. Diese Partei ist moralisch kaputt, die sind fertig. Es ist ein einzigartiges Ergebnis. Das Theater der politischen Grausamkeit in Kärnten ist endlich zu Ende. (...) Ich hätte der SPÖ mehr Zugewinne gewünscht, aber was sie jetzt dazu bekommen haben, ist nicht so schlecht. Ich bin zufrieden. (...) Es wird sich einiges verbessern. Wunder kann man keine erwarten. Man kann ja zusammenrechnen, wie viel diese Haider- und Dörfler-Partei in den Jahren, in denen sie regiert hat, in diesem Land zerstört hat, wie viel Geld verschwunden ist, das man jetzt selbstverständlich bräuchte, um etwas auf die Beine zu stellen. Für den zukünftigen Landeshauptmann Peter Kaiser wird es eine schwere Aufgabe. Ich beneide ihn nicht."

Werner Schneyder, Autor, Regisseur und Kabarettist

"Für mich bedeutet das Ergebnis: Kärnten ist nach Österreich zurückgekehrt. Denn die aus der perversen Idee "Freistaat Kärnten" hervorgegangene FPK ist jetzt wieder dort, wo sie hingehört, nämlich in der FPÖ. Das Haider-Syndikat zerfällt, zumal jetzt die Opportunisten woanders andocken werden. In Kärnten ist die Demokratie wieder eingeführt worden. Der angekündigte Triumph der Stronach-Partie ist ausgeblieben. Mir ist ganz klar, dass diese Partei in einem Jahr zur Lachnummer wird und in zwei Jahren gibt es sie nicht mehr. (...) Deutlichere Zugewinne als die der SP gehen gar nicht, denn die Stronach-Partie hat die Protestwähler aufgesaugt, Programm haben die ja keines. Triumphal ist - wenn man sich in Kärnten auskennt -, dass sich diese unglaubliche Vernetzung, diese spinnennetzartige Konstruktion von Haiders Erben, aufgelöst hat. Ich finde das Ergebnis kolossal. (...) Peter Kaiser ist ein Mann, den man absolut unterschätzt. Man sagt, er ist nicht medienwirksam und trocken. Das wird sich als Tugend herausstellen. Das ist eben kein Dampfplauderer, das ist ein total sachlicher Mensch, hochgebildet und integer. Was will man mehr von einem Politiker?"

Konrad Paul Liessmann, Philosoph und Universitätslehrer

"Das ist eine ganz entscheidende und signifikante Wahl. Man hat ja lange den Kärntnern nicht zugetraut, auf die Politik der letzten Jahre und Jahrzehnte so deutlich zu reagieren. Das signalisiert dieses Ergebnis, dass man in Kärnten einen ganz klaren und eindeutigen Wechsel der Politik wünscht. (...) Natürlich waren auch die bisherigen Landesregierungen demokratisch legitimiert. Wenn eine Regierungspartei so dramatisch verliert, sprechen wir von Erdbeben und Ausnahmezustand und was weiß ich, aber das ist ein ganz normaler demokratischer Vorgang, wenn eine Partie offenbar das Vertrauen so sehr verspielt hat, durch Hypo-Alpe-Adria, durch Korruption, durch Verschleuderung von Steuergeld, durch persönliche Bereicherung usw. Wenn das alles nicht zu einem so deutlichen Signal der Wähler geführt hätte, erst dann müsste man von einem demokratischen Ausnahmezustand sprechen. (...) Wie sich Peter Kaiser schlagen wird, dazu kann ich keine Prognose abgeben. Man wird erst sehen, was von den Wahlversprechen zu halten ist und was sich ändert. Mich interessiert besonders, ob sich etwas in der Kulturpolitik ändern wird: Wird es wieder ein einheitliches Kulturressort geben? Wird diese kindische Konfrontation zwischen Volks- und Hochkultur ein Ende finden? Wird Kärnten, was Kultur und Wissenschaft betrifft, offener werden? (...) Ich kann schwer beurteilen, ob die Kandidatur von Wolfgang Waldner bei der ÖVP etwas bewirkt hat, man weiß ja nicht, wie es sonst ausgegangen wäre. Es gab ja auch schon Umfragen, die die VP in Kärnten bei weit unter 10 Prozent gesehen haben. Die ÖVP war ja in einige Skandale wesentlich verstrickt, es ist ja nicht so, dass das die Saubermannpartei war."

Herwig Zamernik, Musiker von der Band Naked Lunch

"Ehrlich gesagt lacht man so vor sich hin. Kärnten hat jetzt wieder normale Zustände, da ist man schon euphorisch. Dennoch ist es eigentlich wahnsinnig, wie viele Stimmen FPK und BZÖ gemeinsam bekommen haben. Aber das ist einfach der Österreich-Schnitt. Jedenfalls ist das arme, gepeinigte Kärnten wieder ein normales Bundesland. (...) Die Freude und Euphorie mischt sich mit einer nüchternen Allgemeinbetrachtung, aber das ist etwa in Wien ja auch so. (...) Dass das Team Stronach auf Anhieb den Sprung in den Landtag geschafft hat, ist absurd. Das spricht auch nicht wirklich für die Menschen. Ich schätze aber mal, dass das wohl zu 90 Prozent ehemalige FPK-Wähler, also Protestwähler waren. Aber eigentlich ist dieses Team Stronach ja harmlos. In Kärnten hat man den Irrsinn hinter sich, da ist ein Stronach auch schon wurscht." Für die Kulturszene erhofft sich Zamernik nun, "dass man wieder in einem normalen Rahmen arbeiten und existieren kann. Jegliches Kritische wurde in den vergangenen Jahre ja regelrecht ausgehungert und nur ganz wenige wie das 'Unikum' (Universitätskulturzentrum in Klagenfurt, Anm.) haben das überstanden. Es wird zwar sicher viele Jahre dauern, bis sich die Szene wieder ganz erholt, aber auch hier ist Erleichterung angesagt."

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