Kärnten fällt zurück

Kärnten fällt zurück

Kärnten und Salzburg werden auch heuer die Wachstums-Schlusslichter unter den heimischen Bundesländern sein. Besonders kräftig wachsen wird die Wertschöpfung in Oberösterreich, Vorarlberg und Tirol, schätzen die Ökonomen der Bank Austria.

2011 lagen beim BIP-Plus die Steiermark und Oberösterreich als klassische Industrieregionen vorn. Die stark von Dienstleistungen abhängige Wiener Wirtschaft dürfte heuer wie Gesamtösterreich um 0,8 Prozent wachsen, voriges Jahr blieb Wien hinter dem Mittelwert von +3,0 Prozent zurück. Positiv überrascht hat 2011 das Burgenland. Eine "Kredit-Klemme" sieht die Bank nicht, aber eine "Nachfrage-Klemme".

Die "grüne Mark" brachte es 2011 dank eines hohen Industrie- und Exportanteils (Stichwort Autocluster) mit 3,9 Prozent auf das kräftigste regionale Wachstum, OÖ mit weniger Beiträgen vom Bau nur auf 3,1 Prozent, so wie das Burgenland. Das östlichste Bundesland habe kaum Industrie und wenig Exporte, "aber das wenige ist gut gelaufen", so Chefökonom Stefan Bruckbauer am Montag. Tirol legte dank dynamischer Sachindustrie um 2,9 Prozent zu, der Bau dort hatte den stärksten Zuwachs. NÖ profitierte mit 2,9 Prozent von einem starken Industriewachstum, ebenso stark expandierte Vorarlberg, trotz gebremster Industrie. Wien wuchs dank Dienstleistungsstärke, samt Städtetourismus, trotz starkem Minus am Bau um 2,8 Prozent, Salzburg um 2,7 und Kärnten wegen Schwächen in Industrie/Bau nur um 2,0 Prozent.

Als einziges Bundesland noch nicht das Vorkrisen-Niveau erreicht hat Ende 2011 die Wirtschaftsleistung in Kärnten mit 98,9 von 100 Prozent, so Bank-Austria-Firmenkundenvorstand Dieter Hengl in einem Pressegespräch. NÖ, Salzburg und Vorarlberg liegen mit 100, 100,6 bzw. 101,1 Prozent besser, aber noch immer unter dem Bundes-Schnitt von 101,4 Prozent - Wien rangiert bei 101,5 Prozent. Am weitesten nach vorn geprescht ist das Burgenland mit 104,2 Prozent, gefolgt von Tirol mit 103,1, den Steirern mit 102,4 und OÖ mit 101,7 Prozent.

In keinem einzigen Bundesland konnte die Arbeitslosen-Zahl bisher auf Vorkrisen-Niveau gesenkt werden, selbst die besten Bundesländer Vorarlberg, Burgenland und Steiermark lagen heuer im 1. Quartal noch 12, 17 und 18 Prozent darüber, Schlusslichter sind OÖ mit 41, Salzburg mit 39 und Kärnten mit 34 Prozent mehr Menschen ohne Job als vor der Krise. Dafür war in OÖ die Arbeitslosenquote nach heimischer Berechnung mit 4,2 Prozent am niedrigsten, am höchsten in Wien mit 9,2 und Kärnten mit 8,9 Prozent, bei 6,7 Prozent Österreich-Schnitt.

Bei der Beschäftigung dagegen konnten fünf Bundesländer (B, V, T, S, OÖ) bereits Zuwächse gegenüber dem Vorkrisen-Niveau erreichen - an der Spitze das Burgenland mit +5,2 Prozent, Schlusslicht ist Kärnten mit -0,2 Prozent. Auch bei der Beschäftigungsentwicklung im Jahr 2011 hatte Kärnten mit +1,3 Prozent die "rote Laterne", Spitzenreiter war Vorarlberg mit +2,3 Prozent, gefolgt von OÖ und Stmk mit je 2,2 Prozent.

Im Ausblick für 2012 sehen die Experten der Bank Austria vor allem geringere Wachstumsunterschiede zwischen den Bundesländern - die Werte streuen nur zwischen 1,0 Prozent realem BIP-Plus (OÖ, V, T) und 0,6 Prozent (K). Die im Jahresverlauf an Schwung gewinnende Auslandsnachfrage stütze die exportorientierte Industrie. Wachstumsschwerpunkt sei der Konsumgüterbereich, was für breiter aufgestellte Industrieregionen von Vorteil sei. Der DL-Sektor setze den Aufwärtstrend fort, das unterstütze die Dienstleistungszentren.

2011 war "ein Jahr mit zwei Gesichern": Einem starken Beginn mit kräftigem Wachstum folge eine Stagnation im 2. Halbjahr, erst Anfang 2012 ging es wieder zurück auf Expansionskurs. Im 1. Halbjahr 2011 waren Ausrichtung auf Export und Industriestärke von Vorteil, so Bruckbauer; davon hätten OÖ, Stmk und V mit je einem Drittel Industrie-Anteil am BIP stark profitiert (Wien mit nur einem Zehntel Anteil weniger), ebenso exportaffine Länder wie OÖ, V, St mit rund 60 bis 50 Prozent Ausfuhranteil am regionalen BIP (Nachteil für W, B).

Im 2. Halbjahr 2011 lohnte sich ein Industrie- und Export-Konnex weniger - aber abhängig vom Branchenmix, wobei Dienstleistungs-Länder wie Wien und Salzburg eher punkten konnten. In vier Bundesländern (K, S, V, T) kam es im 2. Semester sogar zu Produktionsrückgängen, in OÖ wurde der Wachstumskurs knapp gehalten. Sonderfall war die Steiermark, die dank Boom der Kfz-Industrie trotz leichter Abschwächung die höchste Industrieexpansion aufwies.

Von der "Unsicherheit" infolge der Euro-Schuldenkrise am stärksten negativ tangiert seien die exportorientierten Bundesländer OÖ, Vorarlberg und Steiermark, sagte Bruckbauer, da über Außenhandel und Investitionen die Probleme "hereingetragen" würden.

Obwohl die heimische Industrie "gut aufgestellt" sei, springe die gesunkene Nachfrage nach Krediten durch die Unternehmen ins Auge, sagte Firmenkunden-Vorstand Hengl. Dies zeige, dass die Betriebe "weniger investieren, und das macht uns Kopfzerbrechen". Anfang 2012 habe man bei den heimischen Unternehmen noch einen Optimismus spüren können, das habe sich Ende April/Anfang Mai aber "deutlich abgeschwächt". Es gebe "keine Kredit-Klemme", sondern eine "Nachfrage-Klemme" nach Krediten. Das deckt sich mit den Kredit-Daten der EZB von Ende Mai: Demnach wuchsen die Unternehmenskredite in Österreich im 1. Quartal um 2,7 Prozent, während sich im Euroraum die Jahreswachstumsrate weiter in Richtung Nulllinie bewegte.

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