Josef Cap – Der Klubchef muss zum zweiten Mal in die zweite Reihe

Josef Cap – Der Klubchef muss zum zweiten Mal in die zweite Reihe

Seit nicht weniger als 30 Jahren hat sich der politische Überlebenskünstler im Hohen Haus festgesetzt, dabei Hochzeiten als Zentralsekretär und immerhin zwölf Jahre als Klubobmann erlebt, zwischendurch aber auch schon einmal in den hinteren Gefilden des SPÖ-Klubs Platz nehmen müssen. Nunmehr ist es wieder Zeit vom Gipfel abzusteigen, und zwar nicht auf eigenen Wunsch sondern auf den von Parteichef Werner Faymann, der einen ihm genehmeren, allenfalls auch strengeren Klubleiter bevorzugt.

Dabei sind die Zeiten, in denen Josef Cap als Parteirebell die Parteispitze das Fürchten lehrte, schon einige Jahrzehnte vorbei. Seit der "Offizier der französischen Ehrenlegion" den SPÖ-Klub führte, war der 61-Jährige seinen Parteichefs gegenüber stets im Wesentlichen loyal - sei es, dass er die Ladung seines Parteivorsitzenden Faymann in einen U-Ausschuss verhindern musste oder beispielsweise das Demokratiepaket versanden lassen sollte.

Als Liebling seiner roten Abgeordneten-Kollegen galt Cap lange nicht. Eine gewisse Eitelkeit ist dem wohl besten Rhetoriker der SPÖ nicht abzusprechen, zudem hat es der Frankreich-Liebhaber nicht so sehr mit der Volksnähe, und gerade der rote Klub ist dem Volk durchaus nahe. Insofern war Cap, wiewohl einer der wenigen Charismatiker der österreichischen Innenpolitik, lange der Garant für schwache Wahlergebnisse, wenn innerhalb der SPÖ zur Urne geschritten wurde.

Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Cap ist mittlerweile unter seinen Abgeordneten mehr oder weniger unumstritten und hätte wohl auch bei einer Kampfabstimmung gegen Nachfolger Andreas Schieder seine Chancen gehabt, was vor allem daher rührt, dass er den Mandataren Freiraum ließ. Wenn einmal jemand etwa bei einer verschärften Zuwanderer-Novelle nicht mitstimmen wollte, versuchte er zwar die Abweichler zu überzeugen. Klappte das aber nicht, ging für den Klubchef die Welt auch nicht unter, vermutlich einer der Gründe, warum Cap - als Klubchef eine Erfindung Alfred Gusenbauers - nie so recht die Herzen von Faymann und Postenverteiler Josef Ostermayer erreichte.

Dass sich Cap überhaupt so lange an der Spitze halten konnte, liegt zweifelsohne nicht daran, dass er einen so guten Draht zum Volk hätte, wie man bei jedem seiner - sehr höflich ausgedrückt - schüchternen Wähler-Kontakte erkennen kann, sondern an seiner geschliffenen Rhetorik. Die war auch Basis für den wohl bis heute eindrucksvollsten Vorzugsstimmen-Wahlkampf zumindest innerhalb der SPÖ.

1982 stellte der damalige Chef der Jung-Sozialisten bei einem SPÖ-Parteitag dem zu dieser Zeit amtierenden burgenländischen Landeshauptmann Theodor Kery die berühmten drei Fragen: Jene nach seinem Einkommen, nach seinen Privilegien und nach seiner Liebe zu Schusswaffen. Das Partei-Establishment war entrüstet, der Wähler begeistert. Cap enterte ein Jahr später über die Vorzugsstimmen das Hohe Haus.

Es dauerte nicht lange, bis sich der Schüler des eher bürgerlichen Piaristen-Gymnasiums und ehemalige Ministrant mit den Partei-Oberen gut gestellt hatte. 1988 wechselte er ins Zentralsekretariat der Partei, das der passionierte Marathonläufer auch sieben Jahre leitete. Ein weiterer Aufstieg blieb ihm verwehrt. Im Gegenteil: Bis ihn Gusenbauer 2001 als geschäftsführender Klubchef wieder nach oben zog und er sich als feuriger Kritiker von Schwarz-Blau profilierte, fristete Cap etliche Jahre das Leben eines parlamentarischen Mittelbänklers und durfte sich nebenbei mit der Leitung der parteiinternen Zukunftswerkstätte beschäftigen. Ähnliches erwartet ihn jetzt.

Zwölf Jahre führte der Doktor der Politikwissenschaft jetzt den roten Klub und auf die Idee, dass er in den 1980er-Jahren als Initiator einer rot-grünen Plattform aufgefallen war, wäre man nun nicht mehr gekommen. Caps Pragmatismus ist Legende. Zudem galt der zwischenzeitliche NATO-Beitrittsbefürworter mittlerweile sogar als Querverbinder der Sozialdemokraten zur FPÖ. Nicht zufällig nannte FP-Chef Heinz-Christian Strache Cap erst unlängst seinen Lieblings-Kollegen von einer anderen Fraktion, mit dem es sich besonders gut scherzen lasse.

Das ist ein Talent des von vielen Parteilinken als Verräter an der eigenen Ideologie gescholtenen Cap, das unbestritten ist. Er hat Humor, freilich einen zynisch geprägten, und der kann einem schon einmal auf den Kopf fallen - etwa als der scheidende Klubchef für einmal überzog und meinte, Faymanns "ZiB2"-Interview bei Armin Wolf habe doch seinen Auftritt im U-Ausschuss adäquat ersetzt. Der künftige Klubchef wird wohl die Aufgabe haben, seinen Parteivorsitzenden nicht nach eigenem Gutdünken sondern nach vorgegebener Regie aus allfälligen Schlamasseln zu ziehen.

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