Investieren in Spanien? Warum nicht?

Investieren in Spanien? Warum nicht?

Wirtschaftskammer animiert österreichische Unternehmen zu Investitionen in Spanien und Portugal - gerade in der Krise sei ein guter Zeitpunkt für Investitionen, heißt es.

Mit Spanien verbinden die meisten Unternehmer zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht derzeit eher die Krise. Und doch sollen Spanien und Portugal derzeit ein Investment wert sein.

Das meint zumindest Michael Spalek, Delegierter der österreichischen Wirtschaftskammer in Madrid: Natürlich durchlebe die spanische Wirtschaft eine harte Krise, und vor 2013 sei mit einer Erholung auch nicht zu rechnen. Das Wirtschaftswachstum stagniert, die Arbeitslosenzahlen sinken nicht unter 24 Prozent, und die Inflation steigt. "Aber gerade deshalb ist jetzt ein guter Moment für österreichische Investitionen auf der iberischen Halbinsel", erklärte Spalek vor fast 100 österreichischen Unternehmern und Investoren in San Lorenzo de El Escorial in der Nähe Madrids, wo am Donnerstagabend die zweitägige Manager- und Investorenkonferenz "Austria Connect" eröffnet wurde.

Exportzwang

Aufgrund der Wirtschaftskrise und des damit verbundenen Einsturzes des Heimatmarktes seien heute viele spanische Großunternehmen zunehmend zum Export gezwungen, wofür sie allerdings häufig produktiver und konkurrenzfähiger werden müssten. Im vergangenen Jahr hat Spanien Österreich in der Exportbilanz so auch erstmals überholt. Während Österreich 2011 Waren für rund zwei Milliarden Euro nach Spanien exportierte, führten die Iberer knapp 50 Millionen Euro mehr nach Österreich aus. "Hier liegt für österreichische Unternehmen mit ihrem großen Know-how in Sektoren wie Technologie, Lebensmittelproduktion, Textil- und Automobilindustrie sowie beim Maschinen- und Anlagenbau eine große Chance", erklärte Spalek am Rande des Unternehmertreffens im Gespräch mit der APA. In der Luftfahrtzuliefererindustrie, im Tourismusbereich sowie im Sektor der erneuerbaren Energie sieht Spalek ebenfalls große Chancen für österreichische Firmen.

Aktivitäten verstärkt

Viele der knapp 300 in Spanien und Portugal tätigen oder ansässigen österreichischen Unternehmen haben die Zeichen der Zeit auch erkannt. Wie auf der Unternehmerkonferenz deutlich wurde, verstärken derzeit viele ihre Aktivität auf der Iberischen Halbinsel. Bis 2014 rüstet Andritz Hydro im Norden Portugals für rund 40 Millionen Euro zwei Wasserkraftwerke elektromechanisch aus. Kapsch TrafficCom hat den Zuschlag für den Betrieb und die Wartung eines elektronischen Mautsystems für 520 km Autobahnstrecken für den portugiesischen Betreiber Ascendi erhalten. Die Unternehmen Plasser, Doka und Fronius bauen ihren Standort in Spanien aus. Die Koller-Gruppe eröffnet in diesem Jahr 10 K&K-Hotels in Barcelona. "Die Krise hat in vielen Branchen zu einer Marktbereinigung geführt, was Platz für seriöse Firmen bietet, Büros sind derzeit günstig und auf dem Arbeitsmarkt gibt es eine große Auswahl an gut ausgebildeten Fachkräfte", erklärte auch Arno Trabesinger, Spanien-Geschäftsführer der Sportvermarktungsagentur Weirather-Wenzel & Partner (WWP), die seit elf Jahren vor Ort ist.

Investitionschancen

Doch bietet die iberische Halbinsel derzeit nicht nur gute Absatz-und Auftragsmöglichkeiten, sondern auch Investitionschancen, erklärte Astrid Pummer, österreichische Wirtschaftsdelegierte in Lissabon. "Viele Firmen in Spanien und Portugal verfügen bereits seit langem nicht mehr über ausreichende Finanzmittel, um ihre Aktivitäten fortzuführen oder gar an Expansion in andere Märkte zu denken. Die lokalen Banken haben die Kreditvergabe beschränkt. Hier ergeben sich für ausländische Investoren quer durch alle Branchen gute Möglichkeiten für einen erleichterten Markteintritt oder Ausbau ihres Marktanteils", versicherte Handelsdelegierte Pummer auf dem Unternehmertreffen.

Spalek und Pummer sehen spanische und portugiesische Unternehmen zudem als Türöffner für den Export in Nordafrika und Lateinamerika. "Spanien und Portugal spielen dort die Rolle, welche Österreich nach dem Umsturz der kommunistischen Regime in Osteuropa hatte", versichert Michael Spalek. Großunternehmen beider Länder seien sehr gut in den ehemaligen Kolonien aufgestellt, während österreichische Firmen bisher sehr wenig Chancen auf diesen expandierenden Märkten der aufstrebenden ehemaligen Schwellenländer wie Brasilien oder Argentinien haben.

Großprojekte

Obwohl es Spanien und Portugal makroökonomisch nicht all zu gut gehe, haben spanische Konsortien in letzter Zeit zudem interessante Großprojekte an Land gezogen. Madrid hat gerade den Zuschlag für das 17 Milliarden Euro teure "Eurovegas" erhalten, einem gigantischen Vergnügungspark mit zwölf Hotelkomplexe und sechs Kasinos, wo österreichische Unternehmen aus dem Automaten- und Hotel-Sektor zuliefern können. Ein spanisches Konsortium baut für 6,3 Milliarden Euro Hochgeschwindigkeitszüge für die neue Zugstrecke zwischen Mekka und Medina in Saudi-Arabien, wo Technologieunternehmen wie Plasser mit ihrer spanischen Niederlassung gute Auftragschancen haben.

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