Immer mehr ausländische Studenten an den Hochschulen

Immer mehr ausländische Studenten an den Hochschulen

Die Zahl der ausländischen Studenten hat sich an den österreichischen Hochschulen in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Das zeigt eine auf Daten der Hochschulstatistik erstellte Sonderauswertung zur Studierenden-Sozialerhebung 2011 des Instituts für Höhere Studien (IHS).

Demnach studierten im Wintersemester 2010/11 rund 65.000 Ausländer an den heimischen Unis, Fachhochschulen (FH) und Pädagogischen Hochschulen (PH), 2000/01 waren es erst rund 31.000. Damit ist in etwa jeder fünfte Student in Österreich Ausländer - im internationalen Vergleich eine sehr hohe Zahl, die nur von Zypern übertroffen wird.

Besonders hoch ist der Anteil ausländischer Studenten an den Kunstunis (47 Prozent), während er an wissenschaftlichen Unis im Durchschnitt und an PH (sechs Prozent) und FH (13 Prozent) deutlich darunter liegt. Der Großteil der Ausländer an den Unis stammt aus Deutschland (38 Prozent), elf Prozent aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens, neun Prozent aus Südtirol und fünf Prozent aus der Türkei. 17 Prozent haben den Pass eines anderen osteuropäischen Landes, neun Prozent kommen aus westeuropäischen Ländern und elf Prozent aus Staaten außerhalb Europas. Für Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) zeigt der hohe Anteil ausländischer Studenten, dass "die heimischen Hochschulen attraktiv sind", hieß es in einer Aussendung.

Ausländische Studenten brechen im Vergleich zu ihren österreichischen Kollegen ihr Studium deutlich häufiger ab. Dabei zeigen sich allerdings Unterschiede nach Herkunftsregionen: Südtiroler und Deutsche zählen zu den "erfolgreichsten" ausländischen Studenten in Österreich, Studierende aus ost-, west-und außereuropäischen Ländern weisen besonders hohe Abbruchquoten auf. Zum Teil liege das daran, dass viele an eine andere (ausländische) Hochschule wechseln, womit sie in Österreich als Drop-Out zählen. Dazu zählen etwa sogenannte Free Mover, das sind Studenten, die außerhalb eines regulären Austauschprogramms ein Auslandssemester bzw. -jahr in Österreich absolvieren.

Für weitere Auswertungen wird in der Sozialerhebung nicht die Staatsbürgerschaft herangezogen, sondern der Ort des Erwerbs der Studienberechtigung: Bildungsinländer haben demnach ihre Matura in Österreich abgelegt, Bildungsausländer ihren äquivalenten Abschluss im Ausland erworben. Demnach kommen internationale Studierende häufiger aus Akademikerfamilien, gehen während des Semesters seltener einer Erwerbstätigkeit nach und haben demzufolge auch ein um rund 120 Euro niedrigeres Grundbudget zur Verfügung als Bildungsinländer (1.020 gegenüber 900 Euro pro Monat).

Deutsche Studenten sind überdurchschnittlich häufig in naturwissenschaftlichen Studien, vor allem Psychologie, sowie medizinischen Fächern eingeschrieben. Südtiroler studieren überdurchschnittlich oft Lehramtsstudien und technische Fächer, Personen aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens sind ebenfalls häufig in technischen sowie in sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen sowie in künstlerischen Fächern inskribiert. Türken studieren vor allem Technik, Osteuropäer Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie Kunst und Westeuropäer Geistes- und Kulturwissenschaften sowie Kunst. Studenten aus Ländern außerhalb Europas zeiht es in Österreich vor allem in die Technik, Kunst und die Theologie.

Nur 15 Prozent der ausländischen Medizin-Studenten wollen bleiben

Nur 15 Prozent der ausländischen Medizin-Studenten planen nach Studienabschluss in Österreich zu bleiben. 20 Prozent wollen in ihr Heimatland zurückkehren, 13 Prozent in ein anderes Land weiterziehen. Der mit Abstand größte Anteil (52 Prozent) ist sich über seine Pläne nach Studienende noch nicht im Klaren. Selbst unter der Annahme, dass sich die Unentschlossenen nicht völlig anders entscheiden als jene, die bereits eine Wahl getroffen haben, würde nur ein knappes Drittel (32 Prozent) nach der Medizin-Ausbildung in Österreich bleiben.

Ähnlich sieht es aus, wenn man nur die Studenten aus dem wichtigsten Herkunftsland betrachtet: Nur jeder siebente deutsche Medizin-Student will nach Studienende in Österreich bleiben - schließt man Unentschlossene aus, sind es immer noch nur 29 Prozent.

Diese Zahlen könnten Österreichs Position im EU-Verfahren wegen der Quotenregelung im Medizin-Studium unterstützen. Demnach sind 75 Prozent der Studienplätze für Personen mit österreichischem Maturazeugnis reserviert, 20 Prozent gehen an Bewerber aus EU-Staaten und fünf Prozent an Kandidaten aus Drittstaaten. Die EU hat deshalb ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich angestrengt, das bis 2016 auf Eis liegt. In dieser Zeit muss Österreich mit Fakten belegen, dass ein Wegfall der Quotenregelung negative Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung hätte - etwa weil die ausländischen Absolventen nicht in Österreich bleiben.

Noch niedriger ist der Anteil der ausländischen Studenten mit "Bleibeabsicht" in der Veterinärmedizin mit elf Prozent (mit Unschlüssigen) bzw. 24 Prozent (ohne Berücksichtigung der Unschlüssigen). Demgegenüber rechnen immerhin 41 Prozent der ausländischen Jus- und 38 Prozent der Lehramtsstudenten mit einem Verbleib in Österreich - was wegen des Studieninhalts, der jeweils tendenziell auf eine Tätigkeit in Österreich hinzielt, nicht überraschend ist.

Insgesamt planen 14 Prozent aller "Bildungsausländer" (Personen, die ihre Studienberechtigung im Ausland erworben haben, Anm.) nach Studienabschluss eine Rückkehr in ihr Heimatland. 28 Prozent wollen in Österreich bleiben, zehn Prozent in ein anderes Land weiterziehen - die restlichen 49 Prozent sind unentschlossen. Ohne Berücksichtigung der Unentschlossenen plant rund die Hälfte einen Verbleib in Österreich.

Hauptmotive für eine Rückkehr ins Heimatland sind soziale Gründe wie Familie und Freunde und berufliche. Rund ein Viertel der Bildungsausländer gab an, Österreich verlassen zu wollen, weil sie sich hier nicht wohlfühlen, 17 Prozent müssen wegen mangelnder Aufenthaltsbewilligung zurück.

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