Hochwasser in Tirol: Evakuierungen in Kössen – Muren-Abgänge in Vorarlberg

Hochwasser in Tirol: Evakuierungen in Kössen – Muren-Abgänge in Vorarlberg

Der Dauerregen hat im Tiroler Unterland zu einer prekären Hochwassersituation sowie zu zahlreichen Murenabgängen und Überschwemmungen geführt.

Das Land Tirol hat am Sonntag für die Orte St. Johann, Kössen und Waidring Zivilschutzalarm ausgelöst. Mittlerweile mussten mehr als 140 Personen aus gefährdeten oder überfluteten Objekten evakuiert werden. Zudem seien derzeit alle wichtigen Verkehrsverbindungen im Bezirk Kitzbühel unterbrochen.

In der Ortschaft Kössen, die weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten war, standen Hunderte Häuser unter Wasser. Die Bewohner wurden zum Teil mit Hubschraubern oder von der Wasserrettung in Sicherheit gebracht. Neben Kössen wurde auch in St. Johann, wo die Fieberbrunner Ache über die Ufer getreten war, und in Waidring (ebenfalls Bezirk Kitzbühel) Zivilschutzalarm ausgelöst. Auch in St. Ulrich am Pillersee war die Situation Sonntagnachmittag prekär.

Rund 1.500 Haushalte sind Sonntagabend im massiv vom Hochwasser betroffenen Kössenohne Stromversorgung gewesen. Dies werde voraussichtlich bis morgen, Montag, Vormittag andauern, teilte das Land in einer Aussendung mit.

„In den letzten Stunden hat es in Tirol insgesamt 47 Hangrutschungen und Muren gegeben. In Kössen wurden 80 Personen evakuiert. Sie sind im Sportzentrum untergebracht und werden vom Roten Kreuz versorgt“, erklärte Marcel Innerkofler, Leiter der Landeswarnzentrale Tirol (LWZ). Im Ortsteil Bruckhäusl der Stadt Wörgl wurden rund 60 Personen aus zwölf Häusern evakuiert. Ebenfalls ihre Häuser verlassen mussten die Bewohner dreier Objekte am Niederndorferberg.

Mit dem Zivilschutzalarm in Form eines einminütigen auf- und abschwellenden Signaltons soll die Bevölkerung gewarnt werden. Zudem fahren Lautsprecherwagen der Feuerwehr durch die Gemeinden und informieren die Menschen, was zu tun ist, erläuterte Innerkofler.

Im Bezirk Kufstein waren 34 Feuerwehren mit 90 Fahrzeugen und rund 850 Mann im Hochwassereinsatz. Die Haupteinsatzgebiete konzentrierten sich auf die Stadt Kufstein, die Untere Schranne (von Ebbs bis Walchsee) und den Raum Kirchbichl. Im Bezirk Kitzbühel waren alle Feuerwehren mit über 900 Mann im Einsatz. In der Marktgemeinde St. Johann in Tirol trat die Fieberbrunner Ache über ihr Ufer.

Die Experten des Landes rechneten vorerst mit keiner Entspannung der Hochwassersituation im Tiroler Unterland. Von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) seien weitere Niederschläge mit bis zu 60 Litern Regen pro Quadratmeter im Verlaufe des Sonntags prognostiziert worden, so der Hydrographische Dienst. Aktuelle Radarbilder würden keine Entspannung in den nächsten Stunden zeigen.

Muren-Abgänge in Vorarlberg

Vorarlberg hat eine sehr unruhige Nacht mit zahlreichen Murenabgängen und lokalen Überschwemmungen erlebt. Bis Sonntagvormittag ereigneten sich knapp 20 Erdrutsche, in Hittisau (Bregenzerwald) wurde dabei auch ein Auto erfasst, der Lenker blieb aber unverletzt. Ein Abschnitt der Rheintalautobahn (A14) stand unter Wasser und musste bereits am Samstagabend gesperrt werden. Die Feuerwehren standen im Dauereinsatz und verzeichneten seit Samstag mehr als 800 Einsätze. Am späten Sonntagvormittag schien das Schlimmste bei deutlich nachlassendem Regen jedoch überstanden zu sein.

Nach Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) fielen am Samstag in Vorarlberg abschnittweise mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter. Der Höchstwert wurde mit 132 Liter in Laterns im Bezirk Feldkirch erreicht, in Bregenz waren es 117 Liter. In Laterns und Bregenz kamen damit innerhalb von zwei Tagen 225 bzw. 186 Liter zusammen - 200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter entsprechen einem Ereignis, wie es statistisch nur ein Mal in 40 Jahren auftritt.

Muren gingen unter anderem in Langen bei Bregenz nieder, wo die Langenerstraße verlegt und unpassierbar wurde. Im Bregenzerwald gab es Meldungen über Erdrutsche auf die L26 zwischen Egg und Schwarzenberg sowie in Hittisau. In Hittisau wurde ersten Informationen der Polizei zufolge ein Fahrzeug erfasst, der Lenker blieb aber unverletzt. Auf der L26 kam wegen der Mure eine jugendliche Mopedlenkerin zu Sturz. Sie dürfte sich ebenso wie ihr Beifahrer Verletzungen zugezogen haben.

Überflutet waren neben der Rheintalautobahn (A14) bei Dornbirn-Nord auch zahlreiche Landes- und Gemeindestraßen, vor allem im Raum Dornbirn. Die am Bodenseeufer entlang führende L190 zwischen Hörbranz und der deutschen Staatsgrenze bei Lindau musste wegen Überschwemmungsgefahr gesperrt werden.

Die Pegel vieler Flüsse stiegen in der Nacht stark an und erreichten zum Teil Werte eines fünfjährlichen Hochwassers, in der Früh war die Spitze aber bereits überschritten. Der Bodensee legte um weitere 40 Zentimeter auf 4,55 Meter zu. Damit lag sein Wasserstand etwas über einen halben Meter über dem langjährigen Durchschnitt für den 2. Juni, umgekehrt aber auch einen knappen Meter unter dem historischen Maximalwert.

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