Hochwasser: Niederösterreich wartet auf "Pegel-Hoch" – Erste Überschwemmungen in Wien

Hochwasser: Niederösterreich wartet auf "Pegel-Hoch" – Erste Überschwemmungen in Wien

Hochwasser und kein Ende: Während in den Bundesländern weiter gegen die Wassermassen angekämpft wird, bereitet sich Wien auf mögliche Überflutungen vor. Bratislava hat noch länger Zeit um sich zu schützen.

Die Wiener Gewässerabteilung MA 45 rechnete damit, dass die Werte der Flut von 2002 in den nächsten 24 bis 48 Stunden überschritten werden.

In der Bundeshauptstadt sind auch schon die ersten Hochwasser-Vorläufer zu spüren. Gastronomiebetriebe und Häfen in der Bundeshauptstadt sind überflutet. Die Häfen Lobau und Albern sowie die Copa Cagrana und die Sunken City an der Neuen Donau stehen unter Wasser. Auch der Wiener Donaukanal trat zum Teil bereits über die Ufer, etwa in einer A4-Unterführung stadteinwärts im Bereich der Stadionbrücke. Diese musste gesperrt werden.

Schaulustige "fladern" auf der Donauinsel

Zum Hochwasser-Problem an der Wiener Lokalmeile Copa Cagrana kommt nun noch ein weiteres hinzu, nämlich "hunderte Schaulustige", wie Pächter Norbert Weber am Dienstag im APA-Gespräch beklagte: "Die Leute fladern alles, nehmen zum Beispiel die Sessel mit, die wir ausgeräumt haben." Weber hat nun Mitarbeiter abgestellt, die die Leute darauf hinweisen, dass das Mobiliar nicht zur freien Entnahme ist. Die betroffenen Lokale wurden laut dem Pächter schon vor Tagen geräumt, da die Copa Cagrana im Überschwemmungsgebiet liegt. Möglich sei aber, dass Leitungen durch das Wasser beschädigt werden. Auch die Statik der Gebäude müssten vor Wiederaufnahme des Betriebes überprüft werden.

Die Überflutungen seien "überraschend stark". Der Wasserstand sei möglicherweise sogar höher als 2002, berichtete Weber - der laut eigenen Angaben "schon ein bisschen betrübt" ist: "Weil zuerst war der Saisonbeginn wegen des Wetters schlecht, jetzt sind die Lokale hin."

Das Gebiet, in dem sich die Copa Cagrana und die (auf der Donauinsel, Anm.) gegenüber liegende Sunken City befinden, ist laut Stadt als Hochwassergebiet definiert. Dies wüssten die Pächter auch, wie eine Sprecherin von Umweltstadträtin Ulli Sima im APA-Gespräch betonte. Wie hoch die Schäden in den Lokalarealen sind, könne noch nicht beziffert werden, betonten sowohl die Stadt als auch der Copa-Cagrana-Pächter Weber.

Niederösterreich: Hält der Hochwasserschutz?

Besonders dramatisch ist die Lage weiterhin in Niederösterreich. Dort haben Einsatzkräfte bis Dienstagmittag 238 Menschen geborgen, sagte Franz Resperger vom Landeskommando der APA. 177 Feuerwehren mit etwa 3.000 Mann standen im Hochwassereinsatz. Dabei waren auch acht Katastrophenhilfsdienstzüge aufgeboten.

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Informationen zu den Pegelständen der Flüsse in Österreich finden Sie hier: eHYD Österreich .

Auch das Land Niederösterreich bietet einen umfangreichen Informationsdienst zu Wetter und Pegelständen in Österreich: www.noel.gv.at/Externeseiten/wasserstand .

Hier finden Sie alle aktuellen Wasserdaten in Oberösterreich: www.land-oberoesterreich.gv.at/wasser .
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Nach Angaben des Hydrografischen Dienstes des Landes Niederösterreich wird der Hochwasser-Scheitel in der Wachau erst in den Nachtstunden erwartet. Der Donau-Pegel steige "schleichend", hieß es am Nachmittag auf APA-Anfrage. Gegen 17.00 Uhr wurden in Kienstock 10,69 Meter gemessen. Die Prognose für "Mitternacht bis frühe Morgenstunden" lautete unverändert auf 10,90 Meter. Das wäre ein ähnlicher Wert wie beim August-Hochwasser 2002. Laut den Aufzeichnungen des Hydrografischen Dienstes wurden damals beim Pegel Kienstock 10,93 Meter gemessen.

Einen "Hotspot" gab es seit den frühen Morgenstunden in der Gemeinde Mautern (Bezirk Krems). Dort war im Ortsteil Hundsheim vermutlich unter der Schutzwand Wasser eingedrungen, berichtete Matthias Fischer vom Landesfeuerwehrkommando. Eine Kleingartensiedlung wurde überflutet. Die Feuerwehr musste mit Großpumpen ausrücken.

An der Donau in Niederösterreich verzeichnen inzwischen auch die Feuerwehren im Bezirk Bruck a.d Leitha verstärkt Einsätze. "Hotspots" waren Hainburg, wo bereits 82 Häuser in zwei Siedlungen geräumt werden mussten, und Bad Deutsch Altenburg. In dem Kurort bilden 30.000 Sandsäcke wie schon 2002 einen Damm, sagte Johannes Dietrich vom Bezirksfeuerwehrkommando.

Östlich von Wien könnte der Pegel einen höheren Wert als vor knapp elf Jahren erreichen. Wurden am 15. August 2002 in Wildungsmauer 8,84 Meter gemessen, lautete die aktuelle Prognose auf der Homepage des Landes NÖ auf 9,07 Meter am Mittwoch. Am Dienstag gegen 21.30 Uhr waren es 8,27 Meter.

In Bad Deutsch Altenburg war neben mehreren lokalen Feuerwehren auch ein Zug des Katastrophenhilfsdienstes im Einsatz. Es galt u.a. das Kurhaus zu schützen. In Hainburg gab es neben den in der Wörtharm- und der Jägerhaussiedlung erfolgten Evakuierungen vor allem Dammsicherungsarbeiten durchzuführen, sagte Christian Schulz von der örtlichen Feuerwehr. Das Rote Kreuze hat laut Homepage des Bezirkskommandos ein Feldlager für etwa 50 Personen mit Feldbetten errichtet.

Dürnstein war nur mehr per Bahn und für Einsatzfahrzeuge erreichbar. Die Trinkwasserversorgung in der Gemeinde wurde wegen des Hochwassers außer Betrieb genommen. In Stein wurde von der Stadt Krems ein eigener Pegel eingerichtet, so Fischer. Bei einem Stand von 9,20 Metern würden Evakuierungen vorgenommen. In der Früh wurden 8,93 Meter gemessen.

Im teilweise überfluteten Melk sind etwa 70 Häuser und 200 Menschen direkt betroffen, 25 Personen mussten evakuiert werden. Diese Zwischenbilanz hat die Feuerwehr der Stadt gezogen, die seit Dienstag selbst ein Opfer der Überschwemmungen ist. Das Haus in der Pionierstraße wurde unter Wasser gesetzt. Die FF Melk sei dennoch "voll handlungsfähig", hieß es in einer Aussendung. Alle nötigen Ressourcen seien in den Wirtschaftshof der Stadtgemeinde verlegt worden. Der entstandene Schaden am Feuerwehrhaus und an den im Areal verbliebenen Gerätschaften - trotz weitgehender Räumung - sei noch nicht abschätzbar. Auch das jährliche Feuerwehrfest, an sich "eine lebenswichtige Einnahmequelle", müsse zum ersten Mal seit 23 Jahren abgesagt werden, so die FF Melk.

Dramatische Rettungsaktion

Auf der Hochwasser führenden Donau bei Wallsee (Bezirk Amstetten) ist Dienstagnachmittag ein mit fünf Personen besetztes Motorboot gekentert. Das Quintett - Jäger und Feuerwehrmänner - wurde unverletzt aus dem reißenden Strom geborgen. Es habe sich um eine "dramatische Rettungsaktion" gehandelt, hieß es seitens der Feuerwehr. Zumindest eines der Opfer habe nicht mehr an sein Überleben geglaubt.

Es waren dramatische Szenen, die sich am Dienstag kurz vor 15.00 Uhr auf der Donau abspielten. Das Kentern des Bootes war von einem Feuerwehrmann am Ufer beobachtet worden, der sofort Alarm schlug, berichtete Franz Resperger vom Landesfeuerwehrkommando. Daraufhin seien nicht nur fünf Feuerwehrboote ausgefahren. Auch ein Hubschrauber des Bundesheeres - nach einer Zwischenlandung, zuvor seien US-Soldaten an Bord gewesen - und "Christophorus 15" hoben ab.

Koordiniert wurde der Einsatz aus der Luft von Philipp Gutlederer. Der Sprecher des Bezirksfeuerwehrkommandos Amstetten war an Bord des Bundesheer-Hubschraubers gegangen. Dass die Rettungsaktion "dramatisch" gewesen sei, habe sich nicht zuletzt an den Worten eines Opfers gezeigt, berichtete Gutlederer im Gespräch mit der APA. Ein aus den Fluten gezogenes Opfer, es habe sich um einen Feuerwehrmann gehandelt, habe gemeint, nicht mehr daran geglaubt zu haben, lebend aus der Hochwasser führenden Donau zu kommen - wegen der Kälte des Wassers und der starken Strömung.

Gutlederer hatte an Bord des Bundesheer-Hubschraubers via Digitalfunk zu "Christophorus 15" und den Feuerwehrbooten ebenso Kontakt wie zur Feuerwehr- und Rettungsleitstelle gehalten. Der Sprecher des Bezirksfeuerwehrkommandos fungierte somit als "Verbindungsmann". Das gekenterte Boot wurde von den Fluten mitgerissen, sagte Gutlederer. Er bestätigte auch, dass die geretteten Männer unterkühlt seien.

Der Unfall geschah zu einer Zeit, als auf den Hochwasserschutzdamm bei Wallsee zu dessen Sicherung "Big Packs" abgeworfen wurden. Der Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos bezeichnete den Einsatz als erfolgreich. 25 derartiger "Big Packs" hätten den Damm stabilisiert.

Oberösterreich unter Wasser

Die Pegelstände im von der Flutkatastrophe betroffenen Oberösterreich sind Dienstagnachmittag zurückgegangen. Am Hochwasser-Brennpunkt Grein, wo am Dienstag kurz vor 21.30 Uhr ein Pegel von 14,55 Metern gemessen worden ist, könnte es in der Nacht bzw. am frühen Morgen zu einer ersten Entspannung kommen. Man hoffe, dass sich der Stand zumindest "um ein paar Zentimeter nach unten" bewegen wird, erklärte ein Mitarbeiter des Hydrografischen Dienstes des Landes auf APA-Anfrage.

Es könnte sein, dass das prognostizierte Maximum von 14,80 Metern nicht mehr erreicht wird, so der Experte. "Wir betrachten das mit Argusaugen." In Schärding, Linz und Mauthausen waren die Pegelstände am späten Abend weiter rückläufig.

Personen, die am Montag in der Landeshauptstadt im Bereich der Oberen Donaulände evakuiert worden waren, konnten wieder in ihre Häuser zurückkehren. Im stark betroffenen Bezirk Urfahr-Umgebung wurden bis zum Nachmittag mehr als 110 Personen in Sicherheit gebracht, 22 davon per Hubschrauber. Sie kamen bei Angehörigen und Bekannten unter. In Gramastetten wurde eine 20-jährige Frau vermisst, die zuletzt am Wochenende auf einem Fest gesehen worden war. Ob ihr Verschwinden etwas mit dem Hochwasser zu tun hat, war vorerst nicht klar. In Goldwörth, das am Vormittag laut Augenzeugen "ein einziger See" war, ging das Wasser zurück. In Oberösterreich waren laut Auskunft des Landes bisher in Summe über 28.000 Freiwillige im Einsatz, teilweise seit Freitag.

Regierung will helfen

Die Bundesregierung wird im Bedarfsfall die Mittel des Katastrophenfonds aufstocken, sollte dies in Folge des aktuellen Hochwassers notwendig sein. Der Katastrophenfonds sei "nicht limitiert" und könne aufgestockt werden, sagte Finanzministerin Maria Fekter vor Beginn des Ministerrats am Dienstag. "Egal, wie viel Geld notwendig ist (...), es werden die Mittel zur Verfügung stehen", sagte Bundeskanzler Werner Faymann im Pressefoyer nach der Regierungssitzung. Man werde die Betroffenen nicht hängen lassen, ergänzte Vizekanzler Michael Spindelegger.

Auch Bratislava bangt

Die Slowakei bereitet sich weiterhin fieberhaft auf die nahende Donau-Flutwelle aus Österreich vor, die laut jüngsten Prognosen höher als befürchtet sein könnte und erst Mittwoch-Nachmittag, einen halben Tag später als angenommen, eintreffen soll. Der Pegel der Donau steigt unaufhaltsam und hat laut Informationen des slowakischen Hydrometeorologischen Dienstes in der Hauptstadt Bratislava bereits Dienstagvormittag mit 8,53 Metern die dritte Hochwasserstufe erreicht.

Der Krisenstab der slowakischen Donaumetropole hat angekündigt, Dienstagnachmittag den Krisenstand auszurufen. Einige Straßen und Uferteile der Hauptstadt wurden von der Polizei bereits gesperrt. Rund 1.000 Feuerwehrleute und über 300 Soldaten befinden sich in Bereitschaft. Noch bleibt der Donaustrom für Bewohner eine Attraktion, Hunderte Menschen beobachten den ständig steigenden Pegel.

In Bratislava ist man zuversichtlich und glaubt, selbst für ein tausendjährliches Hochwasser gewappnet zu sein. Bereits am Montag wurden insgesamt gut zwei Kilometer mobiler Dämme aufgerichtet. Das neue Hochwasser-Schutzsystem, dass erst 2011 für 32 Millionen Euro angeschafft wurde und einem Durchfluss von 13.500 Kubikmeter pro Sekunden standhalten sollte, wird allerdings erst beim Eintreffen der Scheitelwelle seinen ersten realen Bewährungstest bestehen müssen. Der Donau-Pegel könnte dabei laut jüngsten Prognosen der Wasserwirtschafter in Bratislava den Höchststand von 2002 noch wesentlich übersteigen und bis zu 10,20 Meter erreichen.

Inzwischen haben steigende Wassermassen die einzige Zufahrtstraße zum Vorort Devin am Zusammenlauf der Donau und der March an der Grenze zu Österreich überflutet, Ersatzverkehr und Lieferungen soll jetzt von Soldaten übernommen werden. Die March in Devin hatte bereits am Montag erste Uferteile, Gärten und Keller überflutet.

Höchste Alarmbereitschaft herrscht allerdings entlang des ganzen slowakischen Abschnittes der Donau, real gefährdet sind Flussnahe Städte und Gemeinden in den Kreisen Bratislava, Nitra und Trnava bis zur Grenze mit Ungarn. Vorsorglich wird ein Teil der Wassermassen in den alten Flusslauf der Kleinen Donau umgeleitet, auch aus dem Stausee in Gabcikovo wurde Wasser abgelassen. Der Schiffverkehr auf dem slowakischen Teil der Donau wurde noch am Montagabend eingestellt.

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