Hochwasser in Niederösterreich: Donau steht kurz vor Pegel-Höchststand

Hochwasser in Niederösterreich: Donau steht kurz vor Pegel-Höchststand

Die Feuerwehren in Niederösterreich haben während des herrschenden Hochwassers in Niederösterreich bisher 238 Menschen geborgen. 177 Feuerwehren mit etwa 3.000 Mann stehen im Einsatz. Dabei sind auch acht Katastrophenhilfsdienstzüge aufgeboten, deren Zahl sich im Laufe des Tages noch erhöhen soll.

Nach den tagelangen Regenfällen und dem daraus resultierenden Hochwasser seien inzwischen viele Dämme in Niederösterreich aufgeweicht, sagte Franz Resperger vom Landesfeuerwehrkommando am Dienstag im Gespräch mit der APA. Die Schutzwälle stünden nicht nur unter Beobachtung, sondern würden inzwischen auch mit Tausenden Sandsäcken verstärkt. Resperger merkte überdies an, dass es nach Erreichen des Scheitelpunktes der Donau - erwartet für Dienstagnachmittag - noch einige Zeit hohe Wasserstände geben werde. Mit dem Beginn der Aufräumarbeiten nach der Flut werde man in Niederösterreich daher wohl zuwarten müssen.

Der Donau-Höchststand in der Wachau werde "ab 16.00 Uhr" erwartet, teilte der Hydrografische Dienst des Landes Niederösterreich Dienstagmittag auf APA-Anfrage mit. Der prognostizierte Wert beim Pegel Kienstock liege bei "10,80 bis 10,90 Metern" und damit vermutlich knapp unter jenem des August-Hochwassers 2002. Damals waren 10,90 Meter gemessen worden.

Was Bahndämme in Hochwassergebieten angehe, seien vorerst keine Probleme bekannt, sagte ÖBB-Sprecher Christopher Seif am Dienstag in der Früh auf APA-Anfrage.

Dämme werden undicht

Einen "Hotspot" gab es seit den frühen Morgenstunden in der Gemeinde Mautern (Bezirk Krems). Dort war im Ortsteil Hundsheim vermutlich unter der Schutzwand Wasser eingedrungen, berichtete Matthias Fischer vom Landesfeuerwehrkommando. Eine Rohrdurchführung dürfte nachgegeben haben. Eine Kleingartensiedlung wurde überflutet. Die Feuerwehr musste mit Großpumpen ausrücken. Auch ein Zug des Katastrophenhilfsdienstes stand im Einsatz. Laut Fischer wurden 1.500 Kubikmeter Wasser pro Stunde über den Damm in die Donau zurückgepumpt. Die Lage sei unter Kontrolle.

Dürnstein war laut Bezirkskommando Krems nur mehr per Bahn und für Einsatzfahrzeuge erreichbar. Die Trinkwasserversorgung in der Gemeinde wurde wegen des Hochwassers außer Betrieb genommen, sagte Fischer. An der Einmündung der Krems in die Donau wurde der Damm verstärkt und die Krone mit Sandsäcken erhöht.

In Stein wurde von der Stadt Krems ein eigener Pegel eingerichtet, so Fischer weiter. Bei einem Stand von 9,20 Metern würden Evakuierungen vorgenommen. In der Früh wurden 8,93 Meter gemessen.

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Informationen zu den Pegelständen der Flüsse in Österreich finden Sie hier: eHYD Österreich .

Auch das Land Niederösterreich bietet einen umfangreichen Informationsdienst zu Wetter und Pegelständen in Österreich: www.noel.gv.at/Externeseiten/wasserstand .

Hier finden Sie alle aktuellen Wasserdaten in Oberösterreich: www.land-oberoesterreich.gv.at/wasser .
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Die Wassermassen haben nun auch Wien erreicht - wo der Pegelstand der Donau stetig steigt: Laut einer Aussendung der zuständigen Umweltstadträtin Ulli Sima und der Wiener Gewässerabteilung MA 45 am Dienstagvormittag liegt der für Wien relevante Donau-Pegel Korneuburg derzeit bei 7,71 Meter bzw. bei einer Durchflussmenge von 10.000 Kubikmeter pro Sekunde. Der Höchststand sei aber laut Prognosen noch nicht erreicht. Die MA 45 rechnet daher damit, dass die Werte der Flut von 2002 in den nächsten 24 bis 48 Stunden überschritten werden. Die Häfen Lobau und Albern sowie die Copa Cagrana und die Sunken City an der Neuen Donau stehen bereits unter Wasser.

Bei der Flut von 2002 wurde in der Donau eine Durchflussmenge von 10.300 Kubikmeter pro Sekunde gemessen. Den Prognosen zufolge könnte der für Wien relevante Donau-Pegel Korneuburg 8,03 Meter bzw. eine Durchflussmenge von 10.900 Kubikmeter pro Sekunde erreichen, erklärte ein Sprecher der MA 45 auf APA-Nachfrage. Dabei wurde auch betont, dass der Hochwasserschutz in Wien bis zu 14.000 Kubikmeter pro Sekunde bewältigen könne. Zum Vergleich: Der Normalwasserstand beträgt die Durchflussmenge 2.000 Kubikmeter pro Sekunde.

Flutwelle in Wien ist nicht zu erwarten

Die Feuerwehr ist jedenfalls auch in Wien in Alarmbereitschaft. Noch würden sich die Einsätze in Grenzen halten, doch rechne man mit Überschwemmungen im Bereich Alberner Hafen in Simmering, sagte Berufsfeuerwehrsprecher Christian Feiler im Gespräch mit der APA. Dienstag früh gab es in der Bundeshauptstadt wenige Straßensperren, wie die der Ostautobahn und der Zufahrtsstraße zum Alberner Hafen. "Die Lage ist beobachtungswürdig", so Feiler.

"Wir werden der Dinge harren, die noch passieren", sagte der Feuerwehrsprecher. Pro Stunde würde der Pegelstand der Donau um einen Zentimeter steigen. Zu einer Flutwelle würde es nicht kommen, der Pegel steige kontinuierlich an.

Für den Hochwasserschutz wurde in den 70er- und 80er-Jahren in Wien das sogenannte Entlastungsgerinne - die Neue Donau - errichtet. Der Aushub wurde aufgeschüttet und zur "Donauinsel" umfunktioniert. Die Kapazitäten des Hochwasserschutzes dürften auch dieses Mal ausreichen und die erwarteten Wassermengen aufnehmen, meinte Feiler. Im Bereich des Alberner Hafen waren Überschwemmungen wahrscheinlich, da dort das Entlastungsgerinne mit der Donau zusammenfließe. Weitere Vorsorge-Arbeiten wie etwa die Sanierung des Marchfeldschutzdammes oder die Erhöhung des Hafenumschließungsdamms Lobau folgten in den vergangenen Jahren.

"Größere Überschwemmungen" gebe es bis dato noch nicht, berichtete der MA 45-Sprecher. Die Treppelwege auf der Donauinsel seien überflutet, die Gastromeilen Copa Cagrana (auf der "Festlandseite", Anm.) und Sunken City auf der Donauinsel stehen unter Wasser. Auch der Donaukanal sei zum Teil über die Ufer getreten, etwa in einer A4-Unterführung stadteinwärts im Bereich der Stadionbrücke. Diese musste gesperrt werden. Die Lokale am Donaukanal seien momentan nicht betroffen - hier befinde sich das Wasser noch unterhalb des Kais.

Albern und Lobau überflutet

Überflutet sind auch zwei der drei Häfen der Bundeshauptstadt. In Albern stehe das Wasser 30 bis 40 Zentimeter hoch, in der Lobau 1,20 Meter über der Kaikante, hieß es auf APA-Nachfrage beim Hafen Wien. Im Ölhafen Lobau seien sämtliche Anlagen und Speicher zwar hochwassersicher errichtet worden, doch in so einem Fall nicht nutzbar. Aus diesem Grund seien die dort befindlichen Anlagen vorerst bis Donnerstag stillgelegt worden, teilte der Hafen Wien mit.

In Albern wurden die großen Getreidespeicher geschlossen und abgedichtet. Zudem verfügt jeder Speicher über Pumpwerke im Keller, diese sind bereits im Einsatz. In den Kellerbereichen der Speicheranlagen muss das einströmende Wasser abgepumpt werden, damit die dort befindlichen Antriebsmotoren der Förderbänder für das Getreide nicht überflutet werden.

Der Hafen Freudenau, in dem sich derzeit sechs Schiffe befinden, ist nicht überflutet, da das 13,5 Meter hohe und 27 Meter breite Hafentor geschlossen wurde. Damit sei das Areal vor Hochwasser geschützt, hieß es.

Oberösterreich zwischen Flut und Aufräumen

Krisenstimmung herrschte angesichts des Hochwassers am Dienstag im Bezirk Urfahr-Umgebung im Mühlviertel: In Walding retteten sich Menschen vor den Fluten auf Hausdächer. Im nahegelegenen Feldkirchen mussten zahlreiche Gebäude evakuiert werden. Laut Auskunft der Feuerwehr waren rund 200 Personen betroffen. Ein Damm, der in Ottensheim Probleme bereitet hatte, konnte gesichert werden.

"Es schwimmt alles, das ist ein einziger See", schilderte ein Augenzeuge, der darauf wartete, dass ihn die Feuerwehr mit einem Boot abholte, im APA-Gespräch. In der Nacht habe sich die Lage verschärft. Gestern hätten noch zwei Nachbarn dort, wo normalerweise eine Straße vorbeiführt, augenzwinkernd um einen Karpfen gestritten, berichtete der Mann, der nun vorübergehend bei Freunden unterkommt.

Das große Aufräumen war in Schärding angesagt. Insgesamt 540 Personen - 250 Soldaten, 250 Feuerwehrleute und zahlreiche freiwillige Helfer - begannen damit, die Schäden zu beseitigen. Eine 90-Jährige, die am Montag wiederbelebt werden musste, war nach Auskunft des Spitals am Dienstag nach wie vor in kritischem Zustand. Sie lag auf der Intensivstation. Das Haus der betagten Frau war per Auto nicht mehr erreichbar gewesen, die Feuerwehr hatte die Retter mit einer Zille hingebracht.

Die voestalpine musste in der Früh in ihrem Linzer Stammwerk Anpassungen beim Betrieb vornehmen, da es Probleme mit der Energieversorgung gab. Das Wasser sei in der Nacht weiter angestiegen und nur mehr knapp unter der kritischen Marke gelegen, so Pressesprecher Peter Felsbach. Damit habe man nicht gerechnet. Da sich die Situation am Vormittag besserte und die Pegel etwas zurückgingen, musste die Produktion nicht zurückgefahren werden. Es seien reine Vorsichtsmaßnahmen gewesen, betonte Felsbach.

"Entspannung ist noch lange nicht in Sicht", betonte ein Mitarbeiter des Hydrografischen Dienstes des Landes. Einzig in Schärding wurde weiter ein stark fallender Pegelstand gemessen. Die Pegelstände sollten dort im Lauf des Nachmittags weiter zurückgehen. In Mauthausen stieg das Wasser nach wie vor - auf zuletzt 14,40 Meter. Der prognostizierte Höchststand von 14,80 Meter wird für den Nachmittag erwartet.

Katastrophale Zustände in der Gemeinde Ebensee

Im oberösterreichischen Salzkammergut sank unterdessen zwar der Pegel des Traunsees, 50 Häuser standen jedoch in der Gemeinde Ebensee noch immer unter Wasser, zwei Ortsteile waren komplett von der Außenwelt abgeschnitten, ganze Straßen wurden weggeschwemmt. Das teilte die Feuerwehr Ebensee auf APA-Anfrage mit.

Besonders schlimm hatte es die Ortsteile Rindbach und Seewinkel erwischt. Sie waren von außen mit Autos nicht mehr erreichbar, da teilweise ganze Straßen weggeschwemmt wurden. Lediglich für Unimog-Fahrzeuge des Bundesheeres war die Zufahrt noch möglich. Man war bereits damit beschäftigt, Notstraßen zu errichten, bis die alten Straßen wieder aufgebaut seien, werde es jedoch Wochen dauern, so der Pressesprecher der Feuerwehr Ebensee, Sebastian Heissl. Wie am Dienstag bekannt wurde, kam es in der Nacht auf Montag zu spektakulären Lebensrettungen. Zwei Einwohner von Rindbach hatten einen Herzinfarkt bzw. einen epileptischen Anfall erlitten. Sie wurden in einer Rettungsaktion zuerst mit einem Bundesheer-Unimog herausgeholt und dann zwischen Ebensee und Bad Ischl dem Notarzt übergeben.

50 Häuser standen am Dienstag weiterhin bis zu eineinhalb Meter unter Wasser, betroffen war unter anderem auch der Ortsteil Pfaffing. Die Bewohner der Häuser kamen in einem Hotel oder bei Verwandten unter. In mehreren Ortsteilen war die Trinkwasserversorgung unterbrochen, die Menschen mussten deshalb von den Einsatzkräften des Bundesheeres und der Feuerwehr mit Wasserflaschen versorgt werden. Auch ein großer Lebensmitteldiskonter wurde völlig überschwemmt.

Sorgen bereiteten den Einsatzkräften mehrere leck gewordene Öltanks in überschwemmten Kellern, aus denen immer wieder Öl austrat, das gebunden werden musste. Zudem drohten auf der Ostseite des Wimmersbergs Hangrutschungen, es habe bereits Steinschläge gegeben, die jedoch vorerst noch keine Häuser getroffen hatten, so Heissl. In den nächsten Tagen und Wochen müsse man dort jedoch Sicherungsmaßnahmen durchführen. Eine große Aufgabe werde in nächster Zeit auch das Treibgut sein, dass von der Traun aus dem Inneren Salzkammergut in den Traunsee geschwemmt wurde und dort trieb.

Insgesamt waren am Dienstag 150 Mann der Feuerwehren, zahlreiche Bundesheerkräfte und viele Freiwillige im Einsatz. Die Pegel von Traun und Traunsee waren im Sinken begriffen.

Bei Bedarf wird Katastrophenfonds aufgestockt

Die Bundesregierung wird im Bedarfsfall die Mittel des Katastrophenfonds aufstocken, sollte dies in Folge des aktuellen Hochwassers notwendig sein. Der Katastrophenfonds sei "nicht limitiert" und könne aufgestockt werden, sagte Finanzministerin Maria Fekter vor Beginn des Ministerrats am Dienstag. Vizekanzler Michael Spindelegger pflichtete ihr bei, sagte aber, zunächst müsste das Schadensausmaß abgeklärt werden.

Für die Ersthilfe seien ausreichend Gelder vorhanden, betonte die Finanzministerin. Zunächst gehe es darum, die Gelder für die Feuerwehren aufzustocken - und zwar auf 95 Millionen Euro. Erst später, wenn die Schäden erhoben sind, werde man einen Plan aufstellen, wie weiter vorgegangen wird. Für 2013 ist der Katastrophenfonds mit 374 Millionen Euro dotiert. Die Frage, ob das Budget aufgeschnürt werden muss, wollten die Regierungsmitglieder nicht dezidiert beantworten. Spindelegger sagte dazu, er bitte jedenfalls alle Steuerzahler um Verständnis, dass hier Mittel in die Hand genommen werden müssen.

Auch WKNÖ hilft

Die Wirtschaftskammer NÖ (WKNÖ) hat eine Soforthilfe-Aktion für Betriebe im Bundesland gestartet, die vom Hochwasser betroffen sind. Mit im Boot sind laut einer Aussendung vom Dienstag die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft und die Wirtschaftskammer Österreich.

"Noch hält das Hochwasser Niederösterreich in Atem. Es ist derzeit nicht absehbar, wie schwer die Auswirkungen sein werden", so die WKNÖ. Für von der Flut Betroffene werde es jedenfalls bis zu 10.000 Euro geben - "rasch und unbürokratisch", betonte Präsidentin Sonja Zwazl.

Ansprechpartner für die Soforthilfe sind die jeweiligen WKNÖ-Bezirksstellen. Unternehmen sollten zwecks Schadensfeststellung möglichst rasch den entsprechenden Kontakt mit ihrer zuständigen Gemeinde aufnehmen. Alles Infos gibt es unter http://wko.at/noe/hochwasser .

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